Kommentar von SonntagsBlick- Chefredaktor Hannes Britschgi Obama-Balsam gegen die Krise

  • Publiziert: 05.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

Wer kann sich ihrem Charme entziehen? Was immer Michelle und Barack Obama in den letzten Tagen unternommen haben, das Interesse, die Faszination, die Zuneigung der Menschen, der Staatsoberhäupter und Monarchen war ihnen gewiss. Das junge Präsidentenpaar ist ein wohltuender Kontrast in der globalen Krise.

Die Menschen rund um den Globus sind tagtäglich mit neuen Hiobsbotschaften konfrontiert: Kurzarbeit, Massenentlassungen, Lohnkürzungen, abstürzende Börsenkurse, und sogar Staatsbankrott.

Griesgrämig bis Polternd kommentieren die politischen und wirtschaftlichen Eliten die Schreckensmeldungen. Nur einer trotzt der schwärzesten Krise mit jugendlichem Elan und ungespieltem Optimismus: Barack Obama. Er zelebriert Politik als lautes Denken im öffentlichen Raum. Er redet sich in unsere Köpfe, Herzen und Magengrube. Er zielt auf unsere Emotionen, wohlwissend, dass letztlich sie entscheiden, ob wir mit Verve und Leidenschaft gegen die Krise ankämpfen.

Obama kann nicht zaubern. Es ist heute ein Leichtes, ihm vorauszusagen, dass er nicht alles einlösen kann, was er uns an Projekten und Zielen vorschwärmt. Sollen wir seine Vision einer atomwaffenfreien Welt, die er in einem «Town Hall Meeting» jungen Menschen aus Frankreich und Deutschland in Strassburg vorträgt, als Politikergeschwätz belächeln? Seine Aufforderung, die junge Generation müsse die Führung übernehmen als billigen Rattenfängerspruch abqualifizieren?

Nein, Im gegenteil! Da kommt der neue amerikanische Präsident und macht uns in der schweren Krise Mut und Hoffnung. Aber seine Botschaft ist alles andere als bequem. Er verlangt Geld und Soldaten. Geld für die Wirtschaft und Soldaten für den Krieg in Afghanistan. Hat das nicht schon sein Vorgänger Georg W. Bush versucht?

Ja, Mit einem grossen Unterschied: Barack Obama weiss, dass Regieren nicht nur eine Frage der Legitimation ist, sondern auch eine der Psychologie. Er will und kann die Menschen erreichen, auf seine ganz eigene und moderne Art. Wie zum Beispiel mit seinem iPod-Geschenk für Queen Elizabeth. She was amused und so auch wir. Regieren als Kommunikationskunst.

play Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)

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