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Exklusiv-Umfrage: Nur noch 40% für Milizarmee

Die Schweizerinnen ­und Schweizer wollen eine Armee, aber eine andere: Es soll nur noch Dienst leisten, wer will.

Von Christian Dorer | Aktualisiert um 02:26 | 03.08.2008
Gleich zwei gute Nachrichten für den gebeutelten Verteidigungsminister Samuel Schmid (61): Fast drei von vier Schweizern wollen weiterhin eine Armee; und mehr als die Hälfte findet, diese stecke trotz der Ereignisse der vergangenen Wochen nicht in der Krise.

Allerdings gibt es auch eine schlechte Nachricht: Die Mehrheit will eine komplett andere Armee. Eine, bei der bloss Freiwillige Dienst leisten.

Das ergab eine repräsentative Demoscope-Umfrage im Auftrag von SonntagsBlick und BLICK. Demnach stehen nur noch 40 Prozent hinter der bisherigen Milizarmee, einer Armee also, in der jeder Schweizer Bürger dienstpflichtig ist. Je jünger die Befragten, desto schlechter kommt sie an: Bei den unter 35-Jährigen sind nur 31 Prozent für diesen Kernbestand der Schweizer Tradition, bei den über 55-Jährigen gerade noch 52 Prozent.

Der Röstigraben: 46 Prozent der Deutschschweizer sind für die Milizarmee, bloss 24 Prozent der Westschweizer. «Dort ist die Armee seit jeher weniger verankert», sagt Demoscope-Studienleiter Werner Reimann (53).

56 Prozent der Befragten wollen eine andere Armee, und zwar je rund die Hälfte:

  • eine freiwillige Milizarmee: Darin würde nur noch Dienst leisten, wer will.

  • eine reine Berufsarmee. ETH-Professor Karl W. Haltiner (61) möchte die beiden Varianten miteinander verbinden (siehe Interview). Damit müsste auch die Verfassung geändert werden. Napoléon Bonaparte führte um 1800 die allgemeine Wehrpflicht ein, 1848 wurde diese in der ­Bundesverfassung verankert. Dort ­heisst es noch heute in Artikel 59: «Jeder Schweizer ist verpflichtet, Militärdienst zu leisten.»
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    Die Umfrage wurde vom 30. Juli bis 2. August vom Institut Demoscope im ­Auftrag von SonntagsBlick und BLICK durch­geführt. Befragt wurden 501 Personen ab 15 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. (Keystone)
    Die Umfrage wurde vom 30. Juli bis 2. August vom Institut Demoscope im ­Auftrag von SonntagsBlick und BLICK durch­geführt. Befragt wurden 501 Personen ab 15 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. (Keystone)

    SonntagsBlick-Spezial

    Dieser Artikel ist mir wichtig, weil ...

    ... ich überzeugt bin, dass die Armee vor einschneidenden Strukturreformen steht. Ich war selber Soldat, das Thema Armee ­interessiert mich sehr.

    Matthias Aebischer, TV-Moderator

    SonntagsBlick-Spezial

    Vertrauen und Loyalität

    Meinungen: Was ehemalige Schweizer Top-Militärs zum ­Zustand und zur Zukunft der Milizarmee sagen.

  • Ex-Korpskommandant Simon Küchler (71) im SonntagsBlick vom 27. Juli 2008: «Das Grundübel liegt darin, dass die Miliz heute praktisch entmachtet worden ist»

  • Ex-Generalstabschef Heinz Häsler (78) in der «Schweizer Illustrierten» vom 28. Juli 2008: «Der Miliz wird viel zu ­wenig zugetraut. Gerade in Berufsarmeen findet man die untersten sozialen Schichten, ohne zivilen Beruf»

  • Ex-Brigadier Ernst Mühlemann (78): «Das Schweizer Volk steht hinter seiner Armee. Die Schweizer wissen auch, dass in der Armee ab und zu Blödsinn passiert»

  • Peter Regli (64), Ex-Divisionär und ehem. Chef Nachrichtendienst: «Die Schweiz kann sich nur eine Milizarmee leisten. Aber es braucht eine mutige ­politische Spitze, die tatkräftig und loyal von oben nach unten führt»

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