Nur halb so viel freie Spielzeit Kinder von Doppelverdienern sind seltener draussen

Eine neue Studie zeigt: Der Grad der Berufstätigkeit der Eltern beeinflusst die Freiheit der Kinder. Dazu kommt die Wohnsituation der Kinder.

Raucher unerwünscht: Kinder spielen auf einem Spielplatz (Symbolbild) play
Kinder spielen nur noch selten auf einem Spielplatz. (Symbolbild) ALESSANDRO DELLA BELLA

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Im freien Spiel erlangen Kinder Selbstbewusstsein, Sozialkompetenz und Autonomie – wichtige Grundlagen für ein erfolgreiches und zufriedenes Leben. Die Zeit, die ihnen dafür zur Verfügung steht, nimmt jedoch stetig ab, sagt Urs Kiener von Pro Juventute Schweiz: «Wir beobachten diese Tendenz seit Jahren», sagt er der «NZZ am Sonntag».

Pro Juventute hat die Situation in der Schweiz erstmals untersucht. In einer repräsentativen Befragung gaben Eltern Auskunft über das Spielverhalten ihrer 5- bis 9-jährigen Kinder.

Diese ergab, dass an drei Stichtagen im Februar 2016 15 Prozent der Kinder gar nicht im Freien gespielt hatten, weitere 20 Prozent nur unter Aufsicht.

Eine massive Beeinträchtigung

Die Kinder, die alleine raus durften, verbrachten dort im Durchschnitt 45 Minuten. «Eine deutliche Gruppe der Schweizer Kinder hat keine Möglichkeit des freien Spiels», sagt Studienautor Peter Höfflin von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg (D).

Das bedeute für sie eine massive Beeinträchtigung: «Kinder müssen sich austoben können, um sich kognitiv gut zu entwickeln.»

Eine Erkenntnis ist dabei besonders auffallend: Der Umfang der Erwerbstätigkeit der Eltern hat einen direkten Einfluss auf das Spielverhalten der Kinder. Je mehr Eltern arbeiten, desto weniger Zeit haben die Kinder, um unbeaufsichtigt draussen zu spielen.

Überbehütet gleich strukturiert

Dazu Kiener: «Bei überbehüteten Kindern aus gut situierten Familien ist die Freizeit häufig sehr strukturiert.» Die Kinder würden oft in Kurse, Klubs und Weiterbildungen gesteckt, um sie zu fördern. Dabei bliebe das frei Spiel auf der Strecke.

Kinder mit Eltern, die beide arbeiten müssen, um finanziell über die Runden zu kommen, leben oft in Überbauungen mit einer wenig kinderfreundlichen Umgebung. Die Studie zeige, dass das Wohnumfeld der wichtigste Faktor sei, der die Freiheit der Kinder begrenzt.

Ist die Umgebung gefährlich und bietet wenig Raum zum spielen, lassen die Eltern ihren Nachwuchs seltener ohne Aufsicht. Wichtig sei auch die Erreichbarkeit von Spielkameraden für die Kinder.

Pro Juventute will nun das freie Spiel der Kinder wieder fördern. Die Organisation macht sich deshalb für eine kinderfreundlichere Siedlungsgestaltung stark. Viel brauche es nicht: Verkehrsberuhigungen, sichere Fussgängerverbindungen, Räume zum Spielen – keine normierten Anlagen, sondern Wiesen mit Büschen und Wasserlachen würden die Kinder brauchen. (nbb)

Publiziert am 20.11.2016 | Aktualisiert am 20.11.2016
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3 Kommentare
  • Sonja  Zwicker , via Facebook 21.11.2016
    Die Kinder brauchen also Wiesen mit Büschen und Wasserlachen? Und das merkt man erst jetzt, wo bald alles mit sündhaft teuren Wohnungen verbaut ist? Arme Familien sind auf den Doppelverdienst angewiesen, weil es in der sowieso überteuerten Schweiz viel zu wenig finanzierbaren und gleichzeitig schönen Wohnraum gibt! Reiche Mütter hingegen hätten genügend Möglichkeiten und Zeit, mit ihren Kindern draussen zu sein, aber die brauchen ja ihre Abwechslung, und "berufliche Bestätigung" :-( Traurig...
  • Martina  Schongau aus Schongau
    20.11.2016
    Würde mich in dem Zusammenhang auch interessieren ob diese Kinder welche so selten draussen spielen und sich nicht richtig austoben dürfen, nicht auch noch öfter krank sind? Selbst der gut zu Fuss zu meisternde Schulweg wird den Kindern vergönnt, ewig mit dem Auto zur Schule gefahren, das tut den Kindern nicht wirklich gut.
  • Mitch  Jung aus Thurgau
    20.11.2016
    Viele Kolleginnen mit kleinen Kindern arbeiten 100 Prozent, und der Mann ebenfalls, in der Schweiz ist das normal. Das ist meiner Meinung nach ein no go.