Neuer Impfstoff gegen Schweinegrippe: Gefahr für Hunderttausende

In den nächsten Tagen liefert Novartis den Impfstoff Celtura aus. Für 250'000 Schweizer Tierhaar-Allergiker eine schlechte Nachricht.

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Schweiz

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Wir sind das erste Land, das die Bevölkerung mit dem neuen Anti-Schweinegrippe-Mittel impft. Bei Celtura werden die benötigten Viren nicht auf Hühnereiern, sondern auf Hundenierenzellen gezüchtet. Das beschleunigt zwar die Herstellung, eine Impfung kann aber allergische Reaktionen auslösen.

Bei der Information für Ärzte sind deshalb entsprechende Warnhinweise für Tierhaar-Allergiker angebracht», sagt Joachim Gross, Sprecher der Zulassungsbehörde Swissmedic. Vor einer Impfung sollen Ärzte abklären, ob ihre Patienten unter dieser Allergie leiden. Patienten, die sich nicht sicher sind, müssten dann einen Test machen.

Die Symptome einer allergischen Reaktion können ganz unterschiedlich ausfallen: Möglich sind Niesattacken, Bindehautentzündung, Ekzeme oder sogar Asthma-Anfälle mit schwerer Atemnot. Der dem Impfstoff beigefügte Wirkverstärker verspricht zwar eine höhere Grippe-Immunität, erhöht aber das Allergierisiko.

Der Imfpstoffhersteller Novartis bezeichnet diese Gefahr als gering. Bei Tests eines verwandten Impfstoffs sei keine einzige allergische Reaktion aufgetreten. Novartis teilt mit, dass sich alle Mitarbeiter gegen die Schweinegrippe haben impfen lassen – auch ihr oberster Chef Daniel Vasella. Allerdings noch mit dem alten Impfstoff Focetria.

So weit, so gut: Über die Zulassungsbedingungen herrscht jedoch keine Einigkeit: Deutschland setzt Celtura bei Kindern ab sechs Monaten ein – die Schweiz erst bei Kindern ab drei Jahren. Im Nachbarland gilt: Ab 50 Jahren braucht es zwei Impfungen – bei uns bereits ab 40 Jahren.

Gefordert sind jetzt die Ärzte: Sie müssen Schwangeren, Kindern, Allergikern und anderen Risikogruppen jeweils den richtigen Impfstoff verabreichen.

Publiziert am 15.11.2009 | Aktualisiert am 14.01.2012

Mehr Koordination

«Todesrisiko Kantönligeist» titelte SonntagsBlick schon vor einem halben Jahr. Die Kritik galt dem unkoordinierten Vorgehen gegen die Schweinegrippe-Epidemie. Jetzt stellt auch der Chef des Bundesamts für Gesundheit, Thomas Zeltner, das föderale Vorgehen in Frage.

Er fordert eine Zentralisierung, wie Radio DRS berichtet. Dampf macht auch der neue Gesundheitsminister Didier Burkhalter: Er will schon in wenigen Wochen dem Bundesrat eine Vorlage unterbreiten, die verhindern soll, dass die Schweiz Impfstoffe erst Wochen später als die EU bewilligt.

Impfstoffe und Medikamente

Pandemrix:
Zugelassen für Erwachsene im Alter von 18 bis 60 Jahren. Die Eidgenössische Impfkommission empfiehlt Pandemrix auch für Risikogruppen über 60 Jahre. Pandemrix kann bei Eiweiss-Allergikern Reaktionen auslösen.

Focetria:
Geeignet für Kinder ab sechs Monaten bis 17 Jahre sowie Schwangere. Kinder unter 10 Jahren müssen sich zweimal impfen lassen, um vollen Schutz zu erhalten. Kann bei Eiweiss-Allergikern Reaktionen auslösen. Vom Impfstoff gibt es nur 240000 Dosen.

Celtura:
Der neue Impfstoff kommt bei Kindern ab drei Jahren und Erwachsenen aller Altersgruppen zum Einsatz. Für sicheren Schutz muss man ab 40 Jahren zweimaI impfen – im Abstand von drei Wochen. Celtura kann bei Tierhaar-Allergikern Reaktionen auslösen.

Tamiflu:

Es handelt sich um ein sogenanntes antivirales Medikament. Wer nicht geimpft ist und die Schweinegrippe einfängt, sollte rasch Tamiflu zu sich nehmen. Denn dieses Medikament kann einen schweren Grippeverlauf verhindern.
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Vignette: Schweinegrippe

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