Neue Serie: Die Ware Mensch Das Geschäft mit den Sex-Sklavinnen

BERN - Menschenhandel ist neben Menschenschmuggel, Waffen und Drogen das einträglichste Geschäft der organisierten Kriminalität. BLICK startet eine neue Serie zum Thema «Ware Mensch».

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Die Frauen stehen auf dem Strich. Sie schaffen in Kontaktbars, Saunaclubs, Appartements oder Bordellen an. 13'000 bis 25'000 Sexarbeiterinnen sollen in der Schweiz aktiv sein – ein grosser Teil davon illegal. Ohne Papiere. Ohne Rechte. Ohne Aussicht auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Die Schweiz scheint ein Eldorado fürs horizontale Gewerbe zu sein. Und damit auch für den internationalen Menschenhandel.

Maria* (26) ist eine Roma aus Bulgarien. Vor fünf Jahren fragte sie ein Mitglied ihres Clans: «Willst du Orangen pflücken in der Schweiz?» Maria ist begeistert. Sie hat kaum Schulbildung, ist arbeitslos. Endlich ein schöner Job, hofft sie.

Die junge Frau wird nach Olten SO gebracht. Dort kommen ihre Zuhälter sofort zur Sache. «Sie nahmen mir meinen Pass weg. Dann ging es in ein zweistöckiges Haus. Dort waren neun Frauen. Sie wurden geschlagen. Überall war Blut zu sehen», sagt Maria. Auch auf sie wird eingeprügelt. Schliesslich landet die Roma auf dem Strassenstrich. «Ich musste 1000 Franken am Tag verdienen und auch arbeiten, wenn ich krank war.»

Drei Jahre Zwangsprostitution

Nie bleibt die Gruppe der Sexsklavinnen lange an einem Ort. «Es waren zwölf Zuhälter. Alle aus Bulgarien. Sie fuhren uns mit dem Minivan nach Zürich, Chur, Lausanne, Bern, Luzern. Überall waren wir. Die Männer sprachen davon, uns auch nach Deutschland zu bringen», sagt Maria. Zum Teil seien sie unter Drogen gesetzt worden.

Drei Jahre dauert Marias Martyrium. Sie wird geschlagen, verletzt – und immer wieder auf den Strich geschickt. Dann verhilft ein Schweizer Freier einer Kollegin und ihr zur Flucht. Zurzeit versteckt sich Maria in einem Frauenhaus, wo sie BLICK empfängt. An einem geheimen Ort, denn der Arm ihrer einstigen Peiniger ist lang. Maria hat den Mut auszusagen, auch wenn ihre Zuhälter untergetaucht sind und die Ermittlungen langsam laufen. Ob sie erfolgreich sein werden, ist ungewiss. «Ich habe Angst um mein Leben und das meiner Familie in Bulgarien», sagt die Roma.

Nur 58 Ermittlungen wegen Zwangsprostitution sind für das Jahr 2015 in der Schweizer Kriminalstatistik erfasst. Es kam zu gerade 15 Verurteilungen. Meist waren es milde Strafen – und auf Bewährung ausgesetzt.

Nur wenige Verfahren wegen Menschenhandel

So auch im Fall des Bolenberger Bordells im Kanton Schwyz: Eine Bande von zehn Menschenhändlern hatte bis 2007 brutal 23 Frauen aus Rumänien und Bulgarien zur Prostitution gezwungen. Acht Jahre dauern die Prozesse. Die Angeklagten kommen mit Geld- und Bewährungsstrafen davon. Selbst für den Haupttäter zeigte der Richter des Berufungsgerichts 2015 Verständnis. Der Mann sei inzwischen Vater zweier Kinder – eine Haftstrafe daher zu hart.

Für Boris Mesaric, Leiter der Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel, ist die geringe Anzahl der Verfahren wegen Menschenhandels nur die Spitze des Eisberges. «Die Dunkelziffer ist gross. Wir müssen kantonale runde Tische installieren. Mit Kantonspolizei, Migrationsamt, Staatsanwaltschaft, Arbeits­inspektoren und Beratungsstellen», sagt er.

Menschenhandel sei ein schleichender Prozess. Der Beginn: Anwerbung im Herkunftsland mit falschen Versprechungen. Das Ende: brutale Versklavung im Zielland. Der Experte weiter: «Prävention, Strafverfolgung, Kooperation sind auch international nötig, um Menschenhandel zu bekämpfen.» Aber vor allem müsse der Opferschutz gewährleistet sein. Denn nur mit den Aussagen der Opfer sei eine gezielte Strafverfolgung möglich.

Morgen Teil 2

Die Geschichte von Gerardo Ruocco (36), einem Italiener aus Neapel, der im Tessin angeheuert und auf einer Genfer Baustelle ausgebeutet wurde.

* Name von der Redaktion geändert

Publiziert am 23.10.2016 | Aktualisiert am 27.10.2016
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35 Kommentare
  • Peter  Hey , via Facebook 24.10.2016
    Prostitution muss muss auch in der Schweiz zu einem Beruf gemacht und entsprechend mit amtlichen Identifikationen dazu an diese Personen herausgegeben werden welche den gesundheitlichen Faktor ( wie Pflichten dazu) mit einbeziehen. Damit waeren dann die Kontrollen ueber ein dazu eingerichtetes & entsprechendes Polizeiorgan einfacher (auch steuerlich) , und die schwarzen Schafe regelmaessig dazu heraus zu pfluecken und in Schutzhaft zu bringen.
  • Chris  Rösti 24.10.2016
    " Nur 58 Ermittlungen im Jahr 2015 in der Schweiz und gerade mal 15 Verurteilungen. Meist waren es milde Strafen – und auf Bewährung. "
    Und da soll einer behaupten an unserem ganzen Schweizer Justizsystem sei nichts faul.
    • Fritz  Frigorr 25.10.2016
      Da ist nichts faul, da wollten nur gewisse Personen dauerhaft die Dienste der ausgebeuteten Frauen billig in Anspruch nehmen. Denn es soll ja auch hochrangige Beamte und Politiker geben, die Prostituierte besuchen
  • Hans  Gusen aus Zug
    24.10.2016
    Ich glaube eher an Einzelfälle. Der grosse Teil der Frauen arbeitet einige Monate freiwillig hier und verdient gutes Geld. Mit vollem Geldbeutel geht es dann zurück nach Ungarn, Bulgarien oder Rumänien.
  • Roland  Buehler , via Facebook 24.10.2016
    die CH hat unterr vorfront fuehrung um intl, schutz fuer sexhandel menschen handel usw ins leben gerufne mit 148 nationen; abe r ausser viel reporte gibt es keine loesung, USA 120 meist unterjhr. wurden in NJ befreit wir wissne aber es aht mehr als das und auch wo die ware angeboten wird auch ausbeutung der sued amerikaner frauen, aeh mmeist eher unterdem alter aber egal freiheits berabung ist und bleibt das u strafbar bis zu 15 jahren in NYState
  • Samuel  Ettel , via Facebook 24.10.2016
    Für ein Straßenverkehrsdelikt horrenden Geldbußen und Gefängnis und für Menschenhändler milde Geldstrafen und auf Bewährung!?! Was für Richter sind das?...vermutlich profitieren sie selbst vom horizontal Gewerbe...