Es ist eines der unglaublichsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte: In Bern soll ein Musiklehrer und selbst ernannter Heiler seinen Patienten absichtlich das Aids-Virus HIV gespritzt haben. Mindestens 16 Männer und Frauen habe er infiziert. Sieben Jahre ermittelten die Behörden – jetzt wurde Anklage erhoben. Maurice G. muss sich wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung und der Verbreitung menschlicher Krankheiten vor Gericht verantworten. Publik gemacht hat den Fall im Juni 2010 der SonntagsBlick.

G. bestreitet sämtliche Vorwürfe. Sein Anwalt erklärt, die Infizierten seien lediglich auf der Suche nach einem Sündenbock.

Nun hat der Heiler zusätzlichen Ärger am Hals. Seine Mieterin Tanja F.** (26) zeigte ihn wegen Körperverletzung an. «Am Freitag vor einer Woche schlug er mir mit der Faust ins Gesicht und spuckte mich an», so die Pflege­assistentin. «Er kam auf mich losgestürmt, als ich die neue Putzfrau vor ihm warnen wollte. Er ist ein absoluter Psychopath.»

Polizei bestätigt Anzeige

Die Berner Kantonspolizei bestätigte den Eingang der Anzeige gegenüber SonntagsBlick.

F. beschuldigt den Musiklehrer auch wegen Belästigung und Drohung. «Es fing alles im Januar an», sagt sie. «Er klingelte an meiner Türe, wollte mich zum Essen einladen. Er jammerte, sagte, Frau und Kind hätten ihn verlassen. Ich lehnte ab.»

Doch Maurice G. liess nicht locker. Immer wieder kam er vorbei. «An meinem Geburtstag wollte er mir ein Geschenk geben. Als ich wiederholt freundlich ablehnte, wurde er böse und sagte: ‹Du hast es nicht anders gewollt›», so die junge Frau. Er habe gedroht, er würde ihr Leben zerstören.

Mehrmals habe sie den Eindruck gehabt, der Vermieter sei in ihrer Wohnung gewesen: «Er wusste zum Beispiel, dass ich die Wohnung kündigen wollte. Das habe ich aber niemandem erzählt. Das geht nur, wenn er die Unterlagen gesehen hat.»

Tanja F. ist erst seit Oktober Mieterin bei Maurice G. «Einmal hat er bei allen Mietern geklingelt und sie gefragt, ob sie die Artikel über ihn und Aids in der Zeitung gelesen haben. Er sagte, dass wir das nicht glauben sollen», erzählt Tanja F.

Die junge Frau ist nach der tätlichen Attacke letzte Woche ausgezogen. «Ich habe grosse Angst vor ihm. Die Polizei hat mir geraten, nicht mehr alleine in die Wohnung zurückzukehren», sagt sie.

Tanja F. hofft, dass das Kapitel für sie erledigt ist. Doch die Opfer, die der Heiler angesteckt haben soll, werden ihr Leben lang leiden müssen: «Ich muss davon ausgehen, dass meine

Lebenserwartung um 20 Jahre vermindert wurde», sagte Thomas K.** (Mitte 40) gestern im BLICK. K. war es, der mit seiner Anzeige 2005 die Untersuchung ins Rollen brachte. Er leidet – wie die meisten Opfer – an einer Doppel-Infektion: Das verseuchte Blut, das der Heiler vermutlich injizierte, enthielt nicht nur das HI-, sondern auch das Hepatitis-C-Virus. Die Krankheit schädigt die Leber, ist nur bedingt heilbar.

Grosses Rätselraten herrscht über G.s Motiv. «Es ist möglich, dass es im Bereich der persönlichen Machtausübung zu suchen ist», sagt Opfer Thomas K. «Vielleicht ist es auch einfach ein Gewaltverbrechen ohne Grund und erkennbares Motiv. Das macht die Sache aber nicht besser, im Gegenteil!»

*Name bekannt; **Namen geändert

Aids-Heiler: Die Schock-Anklage

Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat die Untersuchung gegen den Musiklehrer und selbst ernannten Heiler Maurice G. nach sieben Jahren abgeschlossen. Mindestens 16 Menschen soll er vorsätzlich mit dem HIV-Virus infiziert haben – knapp die Hälfte bei sonderbaren Akupunktur-Behandlungen. In einigen Fällen habe er seinen Opfern auch ein Getränk verabreicht, das sie vorübergehend bewusstlos machte. Maurice G. bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Beliebteste Kommentare

  • Kai  Stoop , via Facebook
    Was macht dieser Mann noch auf freiem Fuss?
  • Hugo  Goon , mallorca
    die polizei und justiz ist wohl nur interessiert temposünder zu büssen und hat angst vor richtigen kriminellen! so viele sachen funktionieren nicht in der schweiz. ich kannte in der jugend typen die kamen in uhaft wegen paar gramm haschisch aber solche irre leben frei. bin längt ausgewandert zuviele assis und gewalt in der schweiz! natürlich wird meine nachricht nicht abgebildet. typisch.

Alle Kommentare (9)

  • Grunder  Albert

    Gemäss einem anderen Artikel diagnostizierte man bei einem Jungen den er stach bereits im Jahr 2002 die HIV-Infektion. Obwohl schon damals der Verdacht auf Maurice G. fiel, verzichtete man wegen des Gesundheitszustandes und des jugendlichen Alters des Opfers auf eine Anzeige.......
    • 02.09.2012
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  • Sonja  Weiss
    was mich noch interessieren würde: woher hat dieser Mann das infizierte Blut her? Er selber sei ja negativ, wo kommt also dieses Blut her? Und wusste der Spender/in, wozu das Blut verwendet wurde? Und vor allem, wie ging diese "Spende" vor sich?
    • 02.09.2012
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  • Carina  König , Stuttgart
    In der Schweiz kann die Übertragung von HIV nach Art. 231 StGB Verbreiten einer gefährlichen menschlichen Krankheit strafbar sein.
    Bei entsprechendem Vorsatz ist auch eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung Art. 122 StGB oder versuchter Tötung Art. 111 StGB denkbar. Das Problem wird wohl leider sein, dass bei der Gesetzgebung immer von ungeschütztem Geschlechtsverkehr ausgegangen wird und nicht von einer vorsätzlichen Injektion mit HIV. Das müsste ja eigentlich von vornherein als versuchte Tötung gelten. Zumal auch die vorsätzliche Infizierung mit Hepatitis C in der Schweiz strafbar ist. Entweder das Gericht schläft oder es versteckt sich hinter einer Wust von Paragraphen und nur deshalb ist dieser Psychopath noch frei. Vermutlich muss erst jemand zu Tode kommen, damit er weggesperrt wird. Selbst der tätliche Angriff an die Frau wird die Staatsanwaltschaft nicht zum Einlenken bringen. Wenn er verurteilt wird, dann hoffentlich wegen der Tötungsabsichten, denn er kann ja nicht davon ausgehen, dass AIDS nicht ausbricht oder die Menschen irgendwann durch ein Wunder geheilt werden. Man kann ja schon an Hepatatis C sterben,wenn sie ungünstig verläuft. Aufgrund der Wiederholung wäre aber eine Sicherungsverwahrung unumgänglich. Er ist eine tickende Zeitbombe und hoffentlich passiert nicht noch mehr bis zum Prozess!
    • 02.09.2012
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  • Abbas  Schumacher , Basel , via Facebook
    Wenn einer, wie dieser Angeschuldigte, solch tätliche Vorwürfe gemacht werden, so muss man genau hinsehen, ob er weiter auf freiem Fuss herumlaufen darf. 7 Jahre Ermittlung? Wieder scheint die Justiz im Einschlafmodus zu arbeiten. So gibt man ja dem Angeschuldigten das Gefühl, er habe nichts schlechtes gemacht. Schlimmer noch, er macht weiter mit seiner Unberechenbarkeit. Und keiner schützt uns vor solchen?
  • Othmar  Schmid , via Facebook
    so ein Typ gehört hinter Schloss und Riegel mit anschliessender lebenslänglicher Verwahrung !!!
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