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Bedrohte Bienen Seit der Zulassung von Clothianidin hat in Europa das grosse Sterben begonnen.- RDB/Reuters
Vor 2006 lebten in der Schweiz eine Viertelmillion Bienenvölker. Dann trat das grosse Sterben ein. Inzwischen ist ihre Zahl auf 150 000 geschrumpft.
Jetzt gibt es eine Erklärung fürs Bienensterben: Schuld ist Clothianidin. Das Nervengift wird zum Schutz von Pflanzen eingesetzt und wirkt äusserst heimtückisch. Das hat Professor Vincenzo Girolami von der Universität Padua (I) bewiesen.
Mit Clothianidin behandelte Maispflanzen scheiden Wasser aus, worin das Nervengift enthalten ist. Wenn die Bienen dieses «Guttationswasser» trinken, sterben sie innerhalb von fünf Minuten.
Je näher der Stock beim Maisfeld ist, desto grösser die Gefahr für die Insekten: Schaffen es die Tiere nach Hause, verbreiten sie das giftige Wasser im Bienenstock, um dort die Temperatur zu regulieren. Das könnte auch die bisher rätselhaften regionalen Unterschiede des Bienensterbens erklären.
Schweizer Imker sind erleichtert. «Jetzt wissen wir endlich, dass das Nervengift die Bienen sterben lässt», so Jakob Künzle (40), Vizepräsident des Schweizer Wanderimkerverbands.
Dass auch die Varroa-Milbe Bienen töten kann, ist schon länger bekannt. Doch weil die Parasiten seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz beheimatet sind, können sie für das massenhafte Bienensterben der letzten Jahre nicht allein verantwortlich sein.
«Das grosse Sterben hat in Europa exakt zu dem Zeitpunkt begonnen, als Clothianidin zugelassen wurde», so Künzle. In der Schweiz ist dies seit 2006 der Fall. Rund fünf bis zehn Prozent des Maissaatguts sind hierzulande mit Clothianidin bearbeitet.
In Frankreich und Kanada wurde das Nervengift schon vor Jahren verboten. Wegen der Studie von Professor Girolami gilt das Verbot neuerdings auch in Italien und Deutschland.
Produziert wird das Pflanzenschutzmittel von der Firma Bayer CropScience. Dort wehrt man sich: «Unsere Untersuchungen zeigen, dass Guttationswasser in Verbindung mit darin enthaltenen Pflanzenschutzmittel-Rückständen keinen Einfluss auf die Gesundheit von Bienenvölkern hat.»
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat die Insektizide 2006 zugelassen, obwohl damals bereits der Verdacht bestand, dass sie Bienen töten könnten. Die neue Untersuchung aus Italien kennt man beim BLW nicht. «Bevor wir ein Pflanzenschutzmittel zulassen, darf es keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen», sagt Olivier Félix vom BLW bloss.
Der Verein Schweizer Wanderimker hat das Bundesamt für Landwirtschaft nun aufgefordert, die Verwendung des Insektizids sofort zu untersagen. Falls das nicht geschehen sollte, will Maya Graf (46), Nationalrätin der Grünen, eine Motion einreichen, die das Nervengift verbietet.