Total-Ausraster an Weihnachten Nefs Gäste mussten die Messer verstecken

  • Publiziert: 28.12.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Karin Baltisberger und Martin Meier

Roland Nef, der gefallene Armeechef. Aus den bisher geheim gehaltenen Aussagen seiner Ex-Freundin geht hervor, wie gefährlich er wirklich war. Politiker fordern: Abfindung zurück!

Vergeblich forderte die Geschäftsprüfungskommission Einblick in die Akten zur eingestellten Strafuntersuchung gegen Roland Nef (49). Der Ex-Armeechef liess die Parlamentarier abblitzen. Er wollte partout nicht, dass die Politiker die Unterlagen zu Gesicht bekommen.

Seit gestern ist klar, dass Nef allen Grund dazu hatte. Der SonntagsBlick veröffentlichte Auszüge der Aussagen von Nefs ehemaliger Lebenspartnerin.

Was sie der Polizei zu Protokoll gab, nachdem der Brigadier sie monatelang mit SMS terrorisiert hatte, zeichnet das Bild eines cholerischen, labilen, ja gefährlichen Mannes.

An Weihnachten 2004, so sagte sie aus, drehte Nef durch, weil er einen Gartentisch nicht zusammenbauen konnte. Vor Gästen habe er seine Lebenspartnerin als «Hure» beschimpft. Ausserdem warf er ihr vor, sie behaupte, er «ficke Männer».

Zwei Stunden lang tobte Nef. Laut Darstellung seiner damaligen Partnerin versteckten die Gäste aus Angst alle Messer im Haus. «So wie er damals ausrastete, da trauten wir ihm alles zu. Ich hatte Angst vor dem Unberechenbaren.»

Schon ein halbes Jahr zuvor kam es laut Aussage-Protokoll zu einem Ausraster. Nefs Lebenspartnerin bemerkte in den gemeinsamen Ferien, dass ihr Freund dauernd SMS von einem Bekannten erhielt. Als sie ihn darauf ansprach, «flippte er das erste Mal so richtig aus».

Ein paar Monate später habe er dann gestanden, dass «seine Beziehung zu Männern nicht ganz normal sei».

Nef soll so viel getrunken haben, dass er das Bewusstsein verlor. Im Streit solle er damit gedroht haben, sich selber zu entmannen.

Der Ex-Armeechef. Ein Mann mit ernsthaften Problemen. Der sich durch sein Verhalten erpressbar machte – ein Risiko, das auch die Fachstelle «Personensicherheitsprüfung» des VBS festhielt.

Ein Mann, der stets versuchte, das Verfahren wegen Nötigung herunterzuspielen und seine Vorgesetzten nie richtig informierte.

Trotzdem zahlt ihm das Verteidigungsdepartement (VBS) eine Abgangsentschädigung von 275000 Franken.

Aber jetzt verlangen Parlamentarier, dass Nef das Geld zurückgibt. «Ich habe mich von ihm täuschen lassen. Der Mann hat zwei Gesichter», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Die hohe Abfindung habe er nicht verdient. «Verdient hat er einen Tritt in den Hintern.»

Für den alternativen Zuger Nationalrat Josef Lang ist klar: «Nef muss seine Abfindung zurückzahlen. Der Mann hat gegen Treu und Glauben verstossen.» Auch der Aargauer SVP-Nationalrat Walter Glur findet, dass Nef moralisch verpflichtet wäre, seine Abfindung zurückzuzahlen. «Wer so etwas macht, ist nicht normal.»

Als «Schrecken ohne Ende» bezeichnet der Zürcher SP-Nationalrat Andreas Gross den Fall Nef.

Der Anwalt von Roland Nef war gestern für BLICK nicht zu erreichen. Gegenüber SonntagsBlick erklärte er zu den Aussageprotokollen der Ex-Freundin seines Mandanten, «dass die Inhalte polizeilicher Befragungen nicht dem entsprechen, was von Zeugen erwartet wird, nämlich die Wahrheit zu sagen».

Im Februar will der Zürcher Staatsanwalt Hans Maurer die Einstellungsverfügung im Fall Nef öffentlich machen. Auch dies hatte der Ex-Armeechef verhindern wollen.

Nef stehe «als einer der Hauptverantwortlichen für die Landessicherheit klarerweise im öffentlichen Interesse», sagt Maurer. Und müsse sich darum Recherchen gefallen lassen, «auch wenn diese allenfalls sein Vorleben betreffen».

Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats wollte abklären, ob Nef durch seine Erpressbarkeit ein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstellte.

Diese Frage konnte die GPK aber nicht klären – weil Nef die Akten nicht freigab. «Wir haben uns überlegt, gegen diesen Entscheid Rekurs einzulegen», erklärt Kommissions-Präsident und CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger (58).

Man habe lange darüber diskutiert und sei zum Schluss gekommen, nicht zu rekurrieren. «Es ist nicht die Aufgabe der parlamentarischen Oberaufsicht, das nachzuholen, was die Fachstelle Personensicherheitsprüfungen versäumt hat.»

So musste die GPK gestern aus dem Sonntagsblick erfahren, wie Roland Nef Weihnachten 2004 gefeiert hatte.

Keine Armeewaffe für auffällige Rekruten

Die Schweizer Armee plant einen Amok-Test für Rekruten. Grund: Im April 2007 hatte ein 26-Jähriger in Baden AG mit der Armeewaffe um sich geschossen, einen Menschen getötet und vier weitere schwer verletzt. Der Amok-Test ist auch eine Antwort auf das Tötungsdelikt von Zürich-Höngg. «Mit einem speziellen Fragebogen liessen sich Stellungspflichtige mit Risikoprofilen schon an der Aushebung aufspüren», erklärt Stefan Vetter, Chefpsychiater der Schweizer Armee gegenüber der «SonntagsZeitung». Wenn der Test ein Risikoprofil ergebe, würde ein vierstündiges Gespräch mit einem Psychiater folgen. Nur wer absolut unauffällig ist, soll eine Dienstwaffe bekommen.
play An Weihnachten 2004 gab sich Brigadier Nef alles andere als zugeknöpft. (Keystone)

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