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Das Sex-Inserat So hat die Anzeige von Roland Nef ausgesehen. Auf der linken Seite veröffentlichte er das Foto seiner Ex-Partnerin, auf der rechten Seite machte er den vollen Namen von Lynn S., ihre Adresse sowie ihre Telefonnummern publik.- Illustration: SonntagsBlick
Das primitive Sex-Inserat erschien im September und Oktober 2006 auf einer einschlägigen Internetseite. Die auf Sex-Anzeigen spezialisierte Homepage gehört zu den grössten Schweizer Anbietern.
Unter der Überschrift «Heisse Girls aus deiner Region» wird die Kundschaft dazu verlockt, sich einzuloggen. Bilder mit nackten Frauen animieren ebenfalls. Auf den ersten Blick ist klar: Wer hier inseriert, sucht Sex.
Hier reagierte Roland Nef Anfang September 2006 seinen Beziehungsfrust ab. Er schaltet mit dem Namen seiner Ex-Partnerin Lynn S.* (50) zahlreiche Sex-Inserate und lieferte sie der Gier unbekannter Männer aus. Darin preist der Armeechef die Frau, von Beruf Querflötistin, als sexgierige Pornoqueen an.
In ihrem Namen veröffentlicht er primitive Pornotexte mit diversen vulgären Ausdrücken, in denen sie sich für Sex-Spiele anbietet. SonntagsBlick verzichtet auf die Veröffentlichung dieser Sätze.
Direkt neben dem Inserat macht Nef Lynn S.’ Foto, ihren vollen Namen, ihre Adresse, sowie ihre Festnetz- und Handy-Nummer publik. Die meisten In serate erschienen in der Rubrik «Sie sucht Ihn». Hier bieten auch Prostituierte ihre Liebesdienste an. Doch damit nicht genug: Nef antwortet im Namen seiner Ex-Partnerin auch gezielt auf Inserate von Männern.
Dabei ist das Aufgeben solcher Inserate alles andere als einfach. Der Inserent muss sich zuerst in den Memberbereich einloggen und ein eigenes Profil mit Passwort und Benutzername erstellen. Das braucht Zeit – die sich Roland Nef für sein Vorhaben nahm.
Die Folgen für Lynn S. waren gravierend: Auf der Suche nach schnellem Sex melden sich Dutzende Männer. Sie riefen sie an, schrieben ihr Nachrichten aufs Handy oder standen sogar vor der Haustür. Ebenfalls belästigt wurde die 22-jährige Tochter der Frau. Lynn S. fühlte sich bedrängt, hatte Angst.
Innerhalb von drei Wochen verfasst Nef über 50 Anzeigen und stellt sie ins Netz. Als E-Mail-Adresse hinterlässt er «flauto_66@hotmail.com». Es ist die Adresse, die später auch im Polizeiprotokoll auftauchen wird.
Am 27. September 2006 hat Lynn S. genug. Sie erstattet auf der Urania-Wache in Zürich Anzeige – zusammen mit dem Betreiber der Internet-Seite. Diesem waren die freizügigen Inserate aufgefallen, worauf er sich bei der Querflötistin meldete.
Die Anzeige war nicht der erste Hilfeschrei von Lynn S. Bereits im April 2006 hatte sie die Stalking-Beratungsstelle der Stadtpolizei Zürich aufgesucht. Roland Nef hatte seine Ex-Partnerin schon vor den Sex-Inseraten über Monate mit E-Mails, SMS und anonymen Postkarten bombardiert.
Die Strafbehörden nehmen die Anschuldigungen ernst. Im Oktober 2006 findet in Roland Nefs Wohnung und im Berner Büro des damaligen Brigadiers eine Hausdurchung statt. Untersucht wird auch sein Computer. Die Zürcher Staatsanwaltschaft leitet daraufhin ein Strafverfahren wegen Nötigung ein. Das Verfahren läuft noch, als Roland Nef im Juni 2007 vom Bundesrat zum neuen Armeechef gewählt wird.
Ein Jahr später fliegt die Affäre auf. Am 13. Juli 2008 enthüllt die «SonntagsZeitung» die Anzeige wegen Nötigung. Vier Tage später tritt Nef vor die Medien. Er gibt an, dass er eine intensive Liebesbeziehung mit Lynn S. geführt habe und dass ihm die Ablösephase schwergefallen sei.
So sehr, dass er sich auf so üble Weise an seiner Ex-Partnerin rächte. Schlussendlich eine bittere Rache: Nef musste am Freitag seinen Rücktritt anbieten.
*Name von der Redaktion geändert
<b>Roland Nef</b> Der abtretende Armeechef bot seine Ex-Partnerin auf einer Sex-Seite an.- Keystone