Mehr als geschmacklos: Nef schaltete 50 Sex-Anzeigen mit seiner Ex

Ex-Armeechef Roland Nef (49) sagte, er habe «nicht immer besonnen gehandelt». Eine grobe Untertreibung. SonntagsBlick kennt den Inhalt seiner Sex-Anzeige.

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Silvana Guanziroli
Das Sex-Inserat So hat die Anzeige von Roland Nef ­ausgesehen. Auf der linken Seite veröffent­lichte er das Foto ­seiner Ex-Partnerin, auf der rechten Seite machte er den vollen Namen von Lynn S., ihre Adresse sowie ihre ­Telefonnummern ­pub­lik.- Illustration: SonntagsBlick

Das primitive Sex-Inserat erschien im September und Oktober 2006 auf einer einschlägigen Internetseite. Die auf Sex-Anzeigen spezialisierte Homepage gehört zu den grössten Schweizer Anbietern.

Unter der Überschrift «Heisse Girls aus deiner Region» wird die Kundschaft dazu verlockt, sich einzuloggen. Bilder mit nackten Frauen animieren ebenfalls. Auf den ersten Blick ist klar: Wer hier inseriert, sucht Sex.

Hier reagierte Roland Nef Anfang September 2006 seinen Beziehungsfrust ab. Er schaltet mit dem Namen seiner Ex-Partnerin Lynn S.* (50) zahlreiche Sex-Inserate und lieferte sie der Gier unbekannter Männer aus. Darin preist der Armeechef die Frau, von Beruf Querflötistin, als sexgierige Pornoqueen an.

In ihrem Namen veröffentlicht er primitive Pornotexte mit diversen vulgären Ausdrücken, in denen sie sich für Sex-Spiele anbietet. SonntagsBlick verzichtet auf die Veröffentlichung dieser Sätze.

Direkt neben dem Inserat macht Nef Lynn S.’ Foto, ihren vollen Namen, ihre Adresse, sowie ihre Festnetz- und Handy-Nummer publik. Die meisten In serate erschienen in der Rubrik «Sie sucht Ihn». Hier bieten auch Prostituierte ihre Liebesdienste an. Doch damit nicht genug: Nef antwortet im Namen seiner Ex-Partnerin auch gezielt auf Inserate von Männern.

Dabei ist das Aufgeben solcher Inserate alles andere als einfach. Der Inserent muss sich zuerst in den Memberbereich einloggen und ein eigenes Profil mit Passwort und Benutzername erstellen. Das braucht Zeit – die sich Roland Nef für sein Vorhaben nahm.

Die Folgen für Lynn S. waren gravierend: Auf der Suche nach schnellem Sex melden sich Dutzende Männer. Sie riefen sie an, schrieben ihr Nachrichten aufs Handy oder standen sogar vor der Haustür. Ebenfalls belästigt wurde die 22-jährige Tochter der Frau. Lynn S. fühlte sich bedrängt, hatte Angst.

Innerhalb von drei Wochen verfasst Nef über 50 Anzeigen und stellt sie ins Netz. Als E-Mail-Adresse hinterlässt er «flauto_66@hotmail.com». Es ist die Adresse, die später auch im Polizeiprotokoll auftauchen wird.

Am 27. September 2006 hat Lynn S. genug. Sie erstattet auf der Urania-Wache in Zürich Anzeige – zusammen mit dem Betreiber der Internet-Seite. Diesem waren die freizügigen Inserate aufgefallen, worauf er sich bei der Querflötistin meldete.

Die Anzeige war nicht der erste Hilfeschrei von Lynn S. Bereits im April 2006 hatte sie die Stalking-Beratungsstelle der Stadtpolizei Zürich aufgesucht. Roland Nef hatte seine Ex-Partnerin schon vor den Sex-Inseraten über Monate mit E-Mails, SMS und anonymen Postkarten bombardiert.

Die Strafbehörden nehmen die Anschuldigungen ernst. Im Oktober 2006 findet in Roland Nefs Wohnung und im Berner Büro des damaligen Brigadiers eine Hausdurchung statt. Untersucht wird auch sein Computer. Die Zürcher Staatsanwaltschaft leitet daraufhin ein Strafverfahren wegen Nötigung ein. Das Verfahren läuft noch, als Roland Nef im Juni 2007 vom Bundesrat zum neuen Armeechef gewählt wird.

Ein Jahr später fliegt die Affäre auf. Am 13. Juli 2008 enthüllt die «SonntagsZeitung» die Anzeige wegen Nötigung. Vier Tage später tritt Nef vor die Medien. Er gibt an, dass er eine intensive Liebesbeziehung mit Lynn S. geführt habe und dass ihm die Ablösephase schwergefallen sei.

So sehr, dass er sich auf so üble Weise an seiner Ex-Partnerin rächte. Schlussendlich eine bittere Rache: Nef musste am Freitag seinen Rücktritt anbieten. 

*Name von der Redaktion geändert

«Die Hälfte der Opfer ist traumatisiert»

Verleumden, verfolgen und durch den Dreck ziehen: Die Rache im Internet hat Hochkonjunktur. Immer öfter werden auch Schweizer zu Opfern.

Armeechef Roland Nef (49) diffamierte seine Ex-Freundin im Internet. Cyberbullying heisst diese Form der Rache. «Es ist ein neuer gesellschaftlicher Trend. Leute werden im Internet verleumdet und durch den Dreck gezogen», sagt Anneliese Ermer (61). Die Professorin des forensisch-psychiatrischen Dienstes der Universität Bern hat das Phänomen Stalking wissenschaftlich durchleuchtet. «12 bis 16 Prozent aller Frauen werden in ihrem Leben Opfer eines Stalkers. Bei den Männern sind es 4 bis 7 Prozent.»
Stalker missbrauchen für ihre Rache gängige Internet-Plattformen: Auf YouTube stellen sie Sexfilme ins Netz. Filme, die das Paar einmal in trauter Zweisamkeit aufgenommen hat, dann aber plötzlich in der Öffentlichkeit landen. Skrupellos abgerechnet wird auch auf der österreichischen Seite «meinex.at». Hier prangern verschmähte Liebhaber mit wüsten Worten ihre Verflossenen an. «Nimm dich vor der in Acht, die betrügt und nutzt dich nur aus» oder «das ist eine billige Schlampe» steht da. Natürlich anonym. Ihr Opfer hingegen geben sie mit vollem Namen an. Auf «spickmich.de» – einem deutschen Lehrerbenotungsportal – mobben Schüler ihre Lehrer. Auch rund ein Dutzend Schweizer Schulen sind auf diesem Portal registriert. Die Lehrerschaft ist alarmiert.
«Die Täter wissen genau, was sie anrichten», sagt Anneliese Ermer. «Bei rund der Hälfte der Opfer kommt es zu einer psychischen Traumatisierung.» Ermer rät Betroffenen: «Handeln Sie sofort. Halten Sie die Angriffe des Stalkers schriftlich fest, reden Sie mit Familie und Freunden darüber und schalten Sie die Polizei ein.»
<b>Roland Nef</b> Der abtretende Armeechef bot seine Ex-Partnerin auf einer Sex-Seite an.- Keystone

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