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Im Polizei-Protokoll steht: Nef hetzte seiner Ex Sexhungrige auf den Hals

Kein Tag ohne neue Enthüllungen in der Affäre Nef. Gestern wurde bekannt, was die Ex der Polizei über die Stalking-Attacken des jetzigen Armeechefs zu Protokoll gab.

Von Thomas Ley | Aktualisiert um 09:31 | 21.07.2008
Noch am Freitag erklärte Verteidigungsminister Samuel Schmid der versammelten Presse: Er stehe «voll und ganz» hinter seinen Armeechef. Am Schluss fügte er einen Nebensatz hinzu: Er stehe hinter Roland Nef – «gestützt auf das, was heute vorliegt».

Jetzt liegt etwas Neues vor. Ob Schmid seinen Schützling Nef noch stützen will – und kann?

Die «SonntagsZeitung» veröffentlichte gestern das Protokoll der Zürcher Stadtpolizei. Es führt auf, was genau Lynn S.* (50) offenbar erdulden musste. Wie Nef seine Ex-Freundin geplagt haben soll, seit sie sich von ihm getrennt hatte.

Sie litt nicht nur unter Telefonterror, hässlichen SMS, E-Mails und gar Postkarten. Im Protokoll steht noch Schlimmeres:

«Seit 21. 9. 06 antwortet R. Nef mit der E-Mail-Adresse ‹flauto_66@hotmail.com› im Namen von Lynn S. auf Sexinserate, gibt in den E-Mails deren Privatadresse, Natel- und Festnetzanschlussnummern an und fügt noch ein Bild der Geschädigten zu.» Nef hetzte seiner Ex Sexhungrige auf den Hals.

Die Folgen stehen ebenfalls im Protokoll: «Lynn S. erhält nun zahlreiche SMS, Telefonanrufe und ­Besuche an ihrem Wohnort von ihr unbekannten Männern.»

Das Protokoll zeigt auch: Dass Lynn S. zur Polizei ging, war kein rachsüchtiger Schnellschuss.

Im März 2005 trennen sich die Musikerin und der Berufsmilitär. Nach dreieinhalb Jahren Beziehung und vier Monaten Zusammenwohnen. Nef beginnt sie zu stalken, wie sie sagt. Ein Jahr lang. Sie geht zur Zürcher Stalking-Beratungstelle.

Nef macht weiter. Im September 2006 verschickt er laut Polizeiprotokoll die Sex-Meldungen in ihrem Namen. Also eineinhalb Jahre nach der Trennung.

Roland Nef beschönigt das lange. In seiner ersten persönlichen Erklärung schreibt er am Dienstag: «Häusliche Gewalt war nicht Gegenstand der Vorwürfe.»

Doch im Zürcher Gewaltschutzgesetz steht: «Häusliche Gewalt liegt vor, wenn eine Person in einer bestehenden oder einer aufgelösten familiären oder partnerschaftlichen Beziehung in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität verletzt wird.»

Nicht nur mit Schlägen. Auch «durch mehrmaliges Belästigen, Auflauern oder Nachstellen».

Am Donnerstag stellt sich Nef dann erstmals persönlich den Medien. Er kündigte eine Klage gegen BLICK an – wegen «Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte». Und erhofft sich offenbar Verständnis für sein Verhalten der Ex-Partnerin ­gegenüber. Diesmal tönen seine Beschönigungen so: «Die Ablösephase ist mir schwergefallen, und ich habe nicht immer besonnen gehandelt.» Offenbar fühlt sich der Armeechef auch bis heute für seine Ex-Freundin zuständig. Er beruft sich auf deren Rechtsvertreterin, als er am Dienstag schreibt: «Meine frühere Partnerin empfinde die derzeitigen Diskussionen als persönlichkeitsverletztend und fühle sich durch die Presse belästigt.»

Belästigt? Tatsächlich hat BLICK bei Lynn S. angefragt, ob sie Stellung nehmen will. Einmal. Und hat ihr «Nein» akzeptiert. Anders als laut Polizei-Protokoll Nef selber anderthalb Jahre lang. Doch Roland Nef spricht weiter für seine Ex-Freundin: am Dienstag, am Donnerstag – und gestern wieder.

Seine Anwälte schrieben als Reaktion auf die Enthüllungen der «SonntagsZeitung»: «Die Rechtsanwältin der ehemaligen Partnerin von Herrn Nef hat uns gegenüber erneut der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die wiederholten Persönlichkeitsverletzungen endlich aufhörten.»

Dieses Verhalten sei typisch für Stalking-Täter, erklärt der deutsche Rechtsanwalt Volkmar von Pechstaedt: «Er glaubt immer noch, über sie Macht zu haben».

Nefs «Unklarheiten» häufen sich: So behauptet er am Donnerstag, die Desinteresse-Erklärung seiner Ex sei vor seiner Wahl zum Armeechef erfolgt. Dann wird bekannt: Es war danach.

Wie lange noch kann sich Nef als oberster Schweizer Soldat behaupten? Auch für seinen Chef Samuel Schmid wirds immer enger.

Gegenüber den Medien sagte er stets, er kenne «die exakten Details» von Nefs Stalking-Akte bis heute nicht. Gestern schrieb die «SonntagsZeitung», sie habe Schmid bereits am 27. Juni detailliert aufgeklärt. «Das waren nur Fragen per E-Mail», sagt VBS-Sprecher Sebastian Hueber. «Die genauen Akten lieferte uns die Zeitung nicht.»

Hätte Schmid seinen Job schon vor der Ernennung Nefs ge­macht – es gäbe wohl keine «Affäre Nef».

*Name von der Redaktion geändert
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Offenbar fühlt sich der Armeechef bis heute für seine Ex zuständig. (Reuters)
Offenbar fühlt sich der Armeechef bis heute für seine Ex zuständig. (Reuters)
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