Nationalrat kämpft gegen Sterbe-Minelli

  • Publiziert: 09.06.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Beihilfe zum Suizid soll auf jeden Fall strafbar werden. Das fordert der Zürcher EVP-Nationalrat Ruedi Aeschbacher. Er kämpft vor allem gegen Minellis Dignitas.

Der Streit um die Sterbehilfe geht weiter. Nach dem Strafgesetzbuch gilt heute, dass «Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord» bestraft werden. Und zwar dann, wenn sie «aus selbstsüchtigen Beweggründen» erfolgen. Diese Einschränkung will Aeschbacher streichen. Beihilfe und Anstiftung zur Selbsttötung würden dann in jedem Fall mit einer «Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe» bestraft.

Warum will der EVP-Politiker diese Änderung? Er nimmt die Tätigkeit der Sterbehilfeorganisation Dignitas ins Visier. Diese ist unerträglich für Aeschbacher, denn sie betreibe ihre Suizidbeihilfe «geradezu geschäftsmässig» und habe «die Grenze des gesellschaftlich und moralisch Akzeptierbaren bei weitem überschritten». Aufgrund der Aktivitäten der Organisation sei in der Schweiz ein «eigentlicher Sterbetourismus» entstanden.

Morgen Dienstag will Aeschbacher im Nationalrat eine Motion einreichen, welche eine Änderung des Strafgesetzbuches (StGB) zum Ziel hat. (SDA)

141-mal gestorben mit Dignitas

In der Schweiz sind vorab die beiden Organisationen Exit und Dignitas in der Sterbehilfe und -begleitung aktiv. Nur Dignitas hilft auch Sterbewilligen aus dem Ausland. Nach Angaben ihres Gründers und Chefs Ludwig A. Minelli begleitete die Organisation im vergangenen Jahr 141 Menschen in den Tod, darunter 6 Schweizer.
Exit leistete nach eigenen Angaben vergangenes Jahr in der deutschen und italienischen Schweiz 179 Menschen Sterbehilfe. Alle waren Schweizer oder in der Schweiz lebende Ausländer.
Ein Verbot der Sterbehilfe war Ende Mai im Zürcher Kantonsparlament deutlich abgelehnt worden. Ein EVP- Kantonsrat hatte ein Postulat eingereicht, nachdem bekannt geworden war, dass Dignitas das Luftballongas Helium als Sterbemittel benutzte anstelle des üblicherweise verwendeten rezeptpflichtigen Mittels. (SDA)

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