Nachrichtendienst bestohlen Datendieb kommt mit bedingter Freiheitsstrafe davon

BELLINZONA - Ein 48-jähriger Informatiker, der beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) 2012 umfangreiche Daten entwendet haben soll, ist am Mittwoch zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten verurteilt worden.

  play
Der Angeklagte auf dem Weg ins Gericht. Keystone

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Mit Pfefferspray und Schlägen Erbitterter Scheidungskrieg um Hund
2 «Gut für Menschen ohne Kinder, Humor und Moral» Darum meiden deutsche...
3 Per 10'000-Franken-Inserat Kickboxer Beqiri prügelt auf Baselbieter...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

Der 48-Jährige hat sich in den Augen des Gerichts des politischen Nachrichtendienstes schuldig gemacht. Vom Vorwurf der versuchten Verletzung der Amtsgeheimnisses wurde er dagegen freigesprochen. Die Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten ist bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren.

Die nun sanktionierten Taten hätten ein sehr hohes Gefährdungspotenzial für die Eidgenossenschaft gehabt, sagte der Richter in seinem Urteil. «Der Datendiebstahl hätte gravierende Konsequenzen haben können.»

Der Täter ist in psychologischer Behandlung

Gleichzeitig erkannte der Richter die verminderte Schuldfähigkeit des derzeit in Therapie befindlichen Informatikers an. Deshalb wurde das hypothetische Strafmass von sechzig Monaten nun um zwei Drittel reduziert, womit es nun bei zwanzig Monaten liegt. Der 48-Jährige soll sich auf Geheiss des Gerichts auch weiterhin einer psychiatrischen Behandlung unterziehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren beantragt, die Verteidigung hatte dagegen für einen Freispruch plädiert.

Der Datenbankspezialist des NDB stahl im Frühjahr 2012 Datenmengen von rund 507 Gigabyte. Es soll sich dabei um «geheime, klassifizierte und besonders schützenswerte Daten» gehandelt haben. Zum Zeitpunkt seines Handelns war der Beschuldigte krankgeschrieben, betrat allerdings trotzdem sein Bürogebäude.

Er wollte die gestohlenen Daten im Ausland verscherbeln

Der in Italien geborene Angeklagte verschaffte sich Zugang zu Informationen, die geheimdienstliche Operationen betrafen. Dabei gelang es ihm ausserdem, den gesamten E-Mail-Verkehr des NDB für seine Zwecke abzuspeichern. Davon war laut Anklageschrift auch die Geschäftsleitung und die Direktion betroffen.

Für die gestohlenen Datensätze soll der Beschuldigte bereits Offertschreiben verfasst haben, die er an «ausländische Parteien oder Organisationen» verschicken wollte. Die vorgesehenen Verkaufspreise lagen dabei bei mindestens 100'000 Franken.

Er selbst sorgte dafür, dass es zu solchen Geschäftsabschlüssen niemals kam.

Zur Abwicklung des geplanten «Daten-Deals» vereinbarte der Angeklagte ein Beratungsgespräch bei einer Bank in Bern, um ein Nummernkonto zu eröffnen. Dabei erklärte er gegenüber dem Bankangestellten, dass er Einnahmen von 100'000 bis einer Million Franken erwarte, die aus dem Verkauf von sensiblen NDB-Daten stammen sollten. (SDA)

Publiziert am 23.11.2016 | Aktualisiert am 23.11.2016
teilen
teilen
0 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

7 Kommentare
  • Susanne  Reich 23.11.2016
    Weshalb will man jeden um jeden Preis als praktisch unschuldig darstellen, als vermindert zurechnungsfähig, als krank? Dieser Herr und andere Herrschaften waren in der Lage eine Tat zu planen, ein grosses Risiko einzugehen, mit dem Ziel an viel Geld zu kommen und durch ihre Taten vielen Leuten, Unternehmen, dem Land Schaden zuzufügen. Dies bedingt eine recht grosse Skrupellosigkeit. In diesem Fall kann es kaum finanzielle Not gewesen sein.
  • Heinz  Baumgartner 23.11.2016
    Dieses knallharte Urteil wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass so etwas nie wieder vorkommen wird...
    Mann muss sich das mal vorstellen, einfach nur unglaublich.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    23.11.2016
    Wann wird der Rest dieser Bundesorganisation bestraft, nämlich die Leute, die die Daten nicht besser abzusichern wissen? Diejenigen, die die Zugriffe zu den Datenbanken regelen, diejenigen, die unverschlüsselte Speicherung überhaupt ermöglichen, diejenigen, die für die Zugangs- und Ausgangskontrollen im Gebäude zuständig sind? Da gehören mindestens zwei Dutzend technische und administrative Chefs und Angestellte vor Gericht gestellt!
    • Peter  Stierli aus Geroldswil
      23.11.2016
      Ja die alle sollte man hart bestrafen und zwar zu einer bedingten Geldstrafe von Fr. 75.-
  • Albin  Pfister aus Malvaglia
    23.11.2016
    Wenn ich wieder einmal vergessen habe die Parkuhr zeitgerecht zu bedienen bin ich dann auch nur bedingt zu Bezahlung der Busse verpflichtet? ... Merken diese Richter überhaupt noch wie unglaubwürdig sie ihre Zuft darstellen und die Demokratie massgeblich beschädigen?
    • Claudio  Hammer aus Zürich
      23.11.2016
      Es war wohl eher die Unfähigkeit des damaligen Departementvorstehers Ueli Maurer, der eine solche "Demokratiebeschädigung" überhaupt zuliess. Darum ist diese bedingte Strafe sogar noch nachvollziehbar, denn die Richter werden sich wohl dasselbe bei dem Urteil gedacht haben!!
  • Bernd  Brand aus Bern
    23.11.2016
    Dieses Urteil ist ein Hohn für alle ehrlichen Arbeiter. Mindestens drei Jahre für diese Verfehlung!!