Nach 61 Jahren auf dem Vierwaldstättersee wird die MS Rigi verschrottet Käpt’n Kurt nimmt ein letztes Mal Kurs

LUZERN - Die MS Rigi sticht an Silvester ein letztes Mal in den Vierwaldstättersee. Danach wird das Schiff verschrottet. Für Käpt’n Kurt Hunziker (62) ist das ein emotionaler Moment. Er geht sogar freiwillig in Pension.

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Kurt Hunziker (62) streicht übers Steuerrad der MS Rigi. Eigentlich will der Käpt’n nicht, dass sein Schiff verschrottet wird. Doch dafür bräuchte es ein kleines Wunder. Die Tage der alten Dame sind gezählt. Die MS Rigi legte auf dem Vierwaldstättersee 2,2 Millionen Kilometer zurück. Immer zuverlässig. Bis heute. Jetzt wird sie ausgemustert. Dafür verstärken die Luzerner ihre Flotte mit der MS 2017, ein top modernes Motorschiff mit fünf Decks, Lounge, Fussbad und 400 Bankett-Plätzen.

«Ein Schiff gehört aufs Wasser, nicht ins Museum»

Käpt’n Kurt trägt es mit Fassung: «Ein Schiff gehört aufs Wasser, nicht ins Museum.» Er akzeptiert die geplante Verschrottung. Auch wenn der Moment für ihn sehr emotional ist: «Ich wollte bis 63 arbeiten», sagt er. «Weil meine MS Rigi verschwindet, trete ich freiwillig mit ihr ab.» Ein Entscheid, der leicht nachvollziehbar ist. Der Luzerner führte das Schiff die letzten zwanzig Jahre. Er arbeitet seit 41 Jahren für die Schifffahrts-Gesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV).

In dieser Zeit sammelte Käpt’n Kurt vor allem eines: schöne Erinnerungen: «Ich liebe die Fahrten ganz früh am Morgen», sagt er und schwärmt: «Dann bewundere ich den Sonnenaufgang, philosophiere und geniesse die Natur.» Auch dankbare Gäste schätzt er sehr. Viele wollen ein Selfie, manche umarmen ihn sogar.

Käpt’n Kurt rettete drei Surfer vor dem Ertrinken

Der Vierwaldstättersee kann auch anders. Es gibt Situationen, die dem Käpt’n alles abverlangen. Etwa bei dichtem Nebel. Dann fährt er blind und verlässt sich nur aufs Radar. Auch starke Winde auf dem Urnersee fordern seine ganze Konzentration. Und: «Ich rettete drei Surfer vor dem Ertrinken», sagt er stolz.

Heute ist er ein letztes Mal mit der MS Rigi auf Kurs. Was danach kommt, weiss Käpt’n Kurt nicht: «Den Wecker muss ich nie mehr stellen». Klar sei aber: «Schiffe bleiben Teil meines Lebens. Wenn auch nur als Passagier.» 

Publiziert am 31.12.2016 | Aktualisiert am 31.12.2016
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2 Kommentare
  • Rex  Schweizer 31.12.2016
    Für mich das einfach eine Dummheit. Denn wie ich gelesen habe, wie das neue Schiff aussehen soll, dreht sich bei mir jetzt schon der Magen um. Das sind einfach keine Schiffe mehr, sondern schwimmende Irgendwas. Bei Kreuzfahrtschiffen hats angefangen und nun beginnts auch bei den Binnensee Schiffen. Ein Schiff hat wie ein Schiff auszusehen und auch wie ein Schiff zu fahren inkl mal etwas schwanken. Und ein Binnensee Schiff braucht sicher kein Badepool, sondern offene Decks wie die MS Rigi.
  • Josef  Gschwandtner 31.12.2016
    Betriebswirtschaftlich gesehen ist ein neues Schiff gewinnbringender. Es ist sehr Schade dass das Schiff verschrottet werden muss. Ein altes Schiff ist einfach schöner - und hat eine Seele.