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Das Licht in der Wohnung in Appenzell ist gedämpft. Auf dem Tisch brennen Kerzen. Für Ylenia.
Die Kamera des Schweizer TVs ruht auf dem Gesicht der leidgeprüften Mutter. Dann sagt sie leise: «Sie ist zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.» Einen Augenblick schweigt Charlotte Lenhard. Dann fährt sie fort: «Das ist nicht so gewesen, dass es genau Ylenia hätte sein müssen.»
Charlotte Lenhard ist eine starke Frau. In ihrer grossen Trauer denkt sie auch an andere. In Ylenias Namen will sie eine Stiftung gründen. «Wir möchten dem sinnlosen Tod von Ylenia einen Sinn geben», sagt Philipp Lenhard. Er steht seiner Schwester in dieser schweren Zeit bei.
Mit der Stiftung wollen die Lenhards Kindern in Not helfen – auch in Extremsituationen.
Von verschiedenen Seiten haben sie schon Geld bekommen. Und sie hoffen, dass für die Stiftung noch mehr zusammenkommt.
Sie wollen zum Beispiel armen Kindern in Rumänien helfen. «Das ist sicher im Sinn von Ylenia», sagt Charlotte Lenhard in der SF-Sendung «Reporter».
Eine starke Frau. Ylenias Tod lasse sie nicht am Leben zweifeln, sagt die Mutter.
Klar tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: «Wieso sie? Wieso wir? Warum konnte sie nur fünfeinhalb Jahre alt werden? Sie hatte doch noch das ganze Leben vor sich. Warum gerade sie?»
Auch an das Gute im Menschen will Charlotte Lenhard weiter glauben. «Dass es schlechte Menschen gibt, das hört man, liest man, weiss man», sagt Ylenias Mami. Aber sie möchte, dass Täter härter bestraft werden.
Dann spricht sie nochmals über ihr Töchterchen.
Ylenia habe gewusst, dass sie nicht in fremde Autos einsteigen oder sich von Fremden mit Bonbons locken lassen dürfe.
Charlotte Lenhard ist sicher, dass ihre Tochter nicht freiwillig in von Aeschs Auto gestiegen ist.
Vorwürfe mache sie sich keine: «Sie hat keine Schuld, ich habe keine Schuld.» Aber Gedanken macht sich Charlotte Lenhard. Etwa, dass alles nicht passiert wäre, wenn es geregnet hätte. Dann wäre ihre Tochter ihr Shampoo im Schwimmbad vielleicht nicht holen gegangen.
Ylenia. Sie wird immer bei ihrem Mami sein. «Die Zeit vor dem Einschlafen ist für mich und Ylenia da», sagt Charlotte Lenhard. Sie denke dann an Ylenia – und spreche mit ihr: «Dass ich sie lieb habe. Und dass sie nichts für das kann, was passiert ist.»
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Ein Bild aus glücklichen Tagen – als Ylenia noch am Leben war. (Keystone)