ZÜRICH – In Kanada wurde eine Charge des Schweinegrippe-Impfstoffes zurückgerufen. Grund: Schwerste Allergien. Jetzt erklärt der Pharmakonzern, was das für die Schweiz zu bedeuten hat.
Der Schweinegrippe-Impfstoff: Er wurde in einer Rekordzeit entwickelt und auf den Markt gebracht. Jetzt stellt sich die Frage: War es zu schnell? In Kanada musste eine Charge des Impfstoffes Arepanrix zurückgerufen werden. Grund: Besonders schwere und viele anaphylaktische Reaktionen, die im schlimmsten Fall zu einem tödlichen Kreislaufversagen führen könnten.Insgesamt sind 172000 Einheiten dieser Charge im Umlauf. Wie viele bereits verabreicht wurden, kann der Pharmakonzern
GlaxoSmithKline nicht sagen. Kanadas Einwohner sind verängstigt. Eine Mutter berichtet gegenüber der «Tagesschau», dass der Kopf ihres Kindes auf das Doppelte angeschwollen sei. Eine andere bittet um Hilfe. Ihr kleines Mädchen könne seit der Impfung nicht mehr laufen und würde nur noch schreienDem Schweizerischen Impfstoff «sehr ähnlich»Besorgniserregend: Der in Kanada verwendete Impfstoff ist dem Impfstoff Pandemrix, mit dem in der Schweiz geimpft wird, «sehr ähnlich». Die betroffene Charge mit der Kennung A80CA007A sei «unter Quarantäne gestellt worden», sagt der Pressesprecher von GlaxoSmithKline, Urs Kientsch, gegenüber Blick.ch. Im Klartext heisst das, dass die Mediziner aufgerufen wurden, den Impfstoff dieser Charge nicht mehr zu verwenden.Aber was ist die Ursache für diese Häufung der Reaktionen? «Der Grund für die Häufung der allergischen Reaktionen ist noch nicht klar.» Die entsprechende Charge werde untersucht, erklärt Pressesprecher Kientsch. Theorien gehen von einer Verunreinigung über eine zu schnelle Entwicklung bis zu einem Fehler in der Produktion.Müssen die Schweizer Angst haben?Aber was hat das jetzt für uns zu bedeuten? «Für die Schweizer
Bevölkerung hat dieser Vorfall keine Auswirkungen, da der Impfstoff für die Schweiz und Europa aus Deutschland geliefert wird», sagt Kientsch. Auch
Swissmedic gibt Entwarnung: «Wir haben von der Firma GlaxoSmithKline eine Freigabebestätigung für den hier verwendeten Impfstoff bekommen. Nebenwirkungen können Schweizer Ärzte in unserem System «Paniflow» vermerken. So haben wir einen guten Überblick», sagt Joachim Gross, Pressesprecher von Swissmedic zu Blick.ch. Eine erneute Untersuchung des Impfstoffes Pandemrix werde also nicht in Erwägung gezogen? «Zurzeit sehen wir keinen Handlungsbedarf», antwortet Gross.Aber: In dem System «Paniflow» haben Schweizer Ärzte 89 Meldungen von anaphylaktischen Reaktionen registriert. Darunter sind 21 «schwerwiegende und erwartete Reaktionen», wie Fieber und Kopfschmerzen, 12 «schwerwiegende und unerwartete Reaktionen», wie Ohnmacht und 3 Meldungen von Schwangeren. 25 Rückfragen laufen aktuell. Des Weiteren wurden Swissemdic 3 Todesfälle nach der Impfung mit Pandemrix gemeldet. Allerdings litten alle Betroffenen an schweren chronischen Erkrankungen.