Muslim-Demo in Bern

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BERN – Der Zorn über die Mohammed-Karikaturen hat heute rund 1000 Schweizer Muslime auf die Strasse getrieben. Friedlich demonstrierten sie auf dem Bundesplatz in Bern mit Transparenten, Reden und Gebeten gegen die Verunglimpfung ihres Propheten.

Die Kundgebungsteilnehmer, die aus verschiedensten muslimischen Ländern stammten, brachten ihre Wut auf zahlreichen Transparenten zum Ausdruck. «Religion kommt vor Medienfreiheit», «Meinungsfreiheit bedeutet nicht Beleidigung» oder «Medien: informieren, nicht manipulieren» war auf den Spruchbändern zu lesen.

Weiter taten die Demonstranten ihren Protest mit lautstarken Koran-Rezitationen in arabischer Sprache kund. Zwischen den Reden und Gesängen skandierten die Teilnehmer dabei immer wieder «Allah ist gross».

Nicolas Blancho, einer der Demo-Organisatoren, wandte sich in Deutsch und Französisch an die Teilnehmer und sagte, die Veröffentlichung der Karikaturen habe die Muslime weltweit beleidigt. «Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass das nicht so weitergehen darf», erklärte er.

Auf Flugblättern machten einige der Demonstranten klar, dass ihnen eine oberflächliche Entschuldigung für die Karikaturen nicht genügt. Der Westen müsse durch konkrete Taten beweisen, dass er Rücksicht auf die islamische Welt und den Propheten Mohammed nehme.

Zur Kundgebung aufgerufen hatte eine Vereinigung von Muslimen aus Biel. Der Anlass war von der Berner Stadtpolizei bewilligt worden. Die Organisatoren hatten einen eigenen Sicherheitsdienst im Einsatz. Der Bundesplatz wurde auch von der Polizei kontrolliert, die aber im Hintergrund blieb.

Umstrittene Aktion

Die Demonstration war unter der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz umstritten. Der Präsident der Koordinationsstelle Islamischer Organisationen in der Schweiz (KIOS), Farhad Afshar, bezeichnete sie in der «Arena» des Schweizer Fernsehens als falsche Antwort. Demonstrationen habe es genug gegeben, wichtiger seien nun das Gespräch und der Dialog, um Vorurteile abzubauen. Auch ein Vertreter des Islamischen Zentrums von Bern sprach von einem falschen Weg und verwies auf die Bedeutung der Pressefreiheit in der Schweiz.
1 / 2 Bildern
Bildinformation einblenden

Top 3

1 Kältewelle Bahnschiene bricht – Strecke zubullet
2 Familien-Drama von Thalwil Es war eine Prügel-Ehe!bullet
3 Nach 7 Stunden Plädoyer «Für Dummheit kriegte er lebenslänglich»bullet

Schweiz