Murat Bozan (37): «Ich habe mein Kind entführt!»

Murat Bozan (37) aus Trimbach SO würde für seine Tochter (6) ins Gefängnis gehen.

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Er sitzt in seiner Stube, hält ein Foto in der Hand. Immer wieder schüttelt er den Kopf. Dann macht Murat Bozan (37) aus Trimbach SO ein erschreckendes Geständnis: «Ich habe mein Kind entführt.»

Es ist der 27. Oktober 2012. An diesem Samstag holt Murat Bozan seine Tochter Hazal (6) wie jedes ­Wochenende im Kinderheim Sunnehus in Frutigen BE ab. Doch diesmal weiss er, dass er sie nicht zurückbringen wird. «Für meine Tochter gehe ich auch ins Gefängnis. Sie aus dem Heim zu holen, war das einzig Richtige», so der Türke.

An diesem Tag verbringen Vater und Tochter nicht wie sonst ihr Wochenende in der Dorfwohnung des Kinderheims. «Um 17 Uhr fuhren wir nach Hause. Dort packte ich unsere Koffer. Am nächsten Tag sassen wir um 6 Uhr im Flugzeug in die Türkei.»

Zuvor habe er alles versucht, damit seine Tochter nicht im Heim aufwachsen muss, sagt er. «Die Entführung war meine letzte Chance», so Murat Bozan weiter. Der 37-Jährige lässt seine Tochter bei seinen Eltern in der Türkei. Der Produktionsmitarbeiter kehrt am 8. November in die Schweiz zurück. Einen Tag später wird er verhaftet. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Am 13. März 2006 heiratet Murat Bozan seine Frau (40), sie ist bereits mit Hazal schwanger. Das Paar hat Probleme. Die Frau leidet am Borderline-Syndrom und kann sich nicht um Hazal kümmern. Das geht aus amtlichen Dokumenten hervor (liegen BLICK vor).

«Hauptsache, meine Tochter ist jetzt glücklich»

Ein psychologisches Gutachten kommt zum Ergebnis: «Hazal ist seit Wochen oder Monaten den sehr wechselnden emotionalen Stimmungen der Mutter ausgeliefert.» Die Gemeinde Eriswil BE verfügt, dass Hazal einen Beistand bekommt. Am 26. November 2009 wird den Eltern die Obhut für ihr Kind entzogen. «Nur weil ich ein Mann bin, darf ich mich nicht um mein Kind kümmern, das ist doch nicht fair», sagt Murat Bozan. Hazal kommt ins Sunnehus nach Frutigen – zwei ­Autostunden von Murat Bozans Wohnort entfernt.

«Ich konnte meine Tochter einfach nicht im Heim lassen. Es tat mir weh, sie da zu sehen», sagt Bozan. «Eines Nachts kam mir der Gedanke, sie einfach mitzunehmen. Bei  meiner Mutter hat sie es jetzt gut. Aber mein Leben ist in der Schweiz. Irgendwann möchte ich sie zurückholen.»

Vier Tage sass Murat Bozan in U-Haft. «Das ist mir egal. Hauptsache, meine Tochter ist jetzt glücklich», sagt er.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern hat ein Verfahren wegen Entziehung von Unmündigen eröffnet.

Beliebteste Kommentare

  • Steven  Christen , Basel
    Ich bin absolut gegen kriminelle Handlungen von Ausländern - die gehören geahndet und diese Ausländer müssen ausgeschafft werden. Im Fall von Murat Bozan habe ich aber 100 Prozent Verständnis, denn es ist doch nicht normal, wenn ein Vater der existiert und der sich um seine Tochter kümmern möchte, dass man dann das Kind in ein Heim steckt. Wie schrecklich ist das denn? Diese Kinder haben einen Schaden für das ganze Leben und der Staat lässt so etwas zu? Die Verzweiflungstat von Herrn Bozan ist ganz einfach eine Herzensangelegenheit und für mich als Familienvater absolut Nachvollziehbar. Natürlich ist es keine Lösung, doch es ist wie er ja selbst sagt - besser wenn das KIND glücklicher ist als in einem Heim. Da würde vermutlich auch ich lieber ins Gefängnis gehen und zu wissen, dass mein Kind glücklich ist.... Manchmal ist unsere Schweiz etwas komisch - Drogenhändler lässt man frei rumlaufen und Familienväter steckt man ins Gefängnis... Wir müssten einfach mehr mit dem Herzen denken als mit dem Verstand..
  • Nicola  Gaetano
    Ohne die Hintergründe zu kennen, muss es etwas vom schlimmsten sein, wenn einem das eigene Kind entzogen wird! Viel Kraft bei deinem Kampf!

Alle Kommentare (110)

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