Murat Bozan (37), der sein Kind entführt hat, zeigt «So gut geht es meiner Tochter in der Türkei»

Der Vater der kleinen Hazal (6) ist sich sicher, dass er das einzig Richtige für sein Töchterlein getan hat.

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Murat Bozan (37) aus Trimbach SO steht voll zur Entführung seines Kindes. Im Oktober holte der Produktionsangestellte das Mädchen im Kinderheim Sunnehus in Frutigen BE ab und reiste mit ihm heimlich in die Türkei. Hazal lebt nun bei den Grosseltern, Bozans Mutter kümmert sich um die Kleine (BLICK berichtete). 

Diese Kindesentführung ist kein Einzelfall. 2012 verzeichnete das Bundesamt für Justiz einen Rekord: 36 Kinder wurden illegal in die Schweiz gebracht, in 42 Fällen verlangt die Schweiz die Rückführung von Kindern. Die Dunkelziffer ist hoch. Experten tippen auf 80 Fälle jährlich.

BLICK-Leser zeigen Verständ­nis für Murat Bozan und seine verzweifelte Tat. So schreibt etwa Steven Christen aus Basel: «Für mich als Familienvater ist das absolut nachvollziehbar. Der Vater will sich um sein Kind kümmern. Und trotzdem wird es ins Heim gesteckt? Das geht doch nicht!»

Murat Bozan rechtfertigt die Entführung seiner Tochter: «Ich hatte keine andere Wahl.» Stolz zeigt er Fotos der Sechsjährigen. «Hazal geht es jetzt gut!»

Bozan ist nach türkischem Recht seit zwei Jahren geschieden. Die Mutter leidet an psychischen Problemen. «Sie konnte sich deshalb nicht um Hazal kümmern. Und die Gemeinde Eriswil steckte meine Tochter einfach ins Heim.»

Die Staatsanwaltschaft hat nach der Entführung Bozans Pass eingezogen. «Ich musste zurück – mein Job ist hier. Ohne Pass kann ich jetzt nicht mehr in die Türkei reisen. Ich vermisse Hazal so sehr.»

Entführung als Machtspiel

Täglich telefoniert Bozan mit seiner Tochter. «Sie geht in die Schule, hat viele neue Freunde gefunden. Sogar schreiben und lesen kann sie schon!» Manchmal frage er Hazal, ob sie nicht lieber in der Schweiz wäre. «Jedes Mal sagt sie: ‹Nein, ich bin lieber hier, bei Oma und Opa.»

Beim Bundesamt für Justiz stapeln sich die Akten von Kindesentführungen. «Die Zunahme könnte mit der grösseren Mobilität der Leute zusammenhängen. Und mit dem hohen Anteil an binationalen Ehen», sagt Ingrid Ryser (31) vom Bundesamt für Justiz. «70 Prozent der Täter sind Mütter.»

Kein Verständnis für Kindes­ent­führungen hat Rolf ­Widmer (63), Direktor der Schwei­zerischen Stiftung des internationalen Sozialdienstes. «Die Entführung ist ein Machtspiel von Erwachsenen. Sie traumatisieren ihr Kind – um ihre Interessen durchzusetzen. Das Kind kommt so in einen Loyalitätskonflikt zwischen Vater und Mutter», meint Widmer.

«Für meine Tochter war das anders», sagt Murat Bozan. «Hazal lebte zwei Jahre im Heim. Sie hatte weder Vater noch Mutter. Jedes Mal, wenn sie nach den Ferien dorthin zurückmusste, weinte sie. Heute muss sie nicht mehr weinen.»

Publiziert am 23.02.2013 | Aktualisiert am 22.02.2013
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  • Susanne  Reich 23.02.2013
    Ich verstehe nur eines nicht: weshalb versucht er nicht zusammen mit seiner Tochter in der Türkei zu leben? Wenn das ganze Strafverfahren mal abgeschlossen sein wird, stünde es ihm doch frei, seiner Tochter nachzureisen. Erst dann wäre es wieder eine Familie, wenn leider auch ohne Mutter.
  • richard  keith 23.02.2013
    Die Schweiz ist Weltmeister darin, alles was nicht funktioniert mit administrativen Maßnahmen zu "entsorgen". Das war schon immer so, denn die Schreibtischtäter haben leichtes Spiel, mit einer Unterschrift ist das Problem gelöst. Vor vielen Jahren wurde dem fahrenden Volk in der Schweiz die Kinder weggenommen, es gibt immer noch Mütter, welche bis heute nicht wissen wo ihre Kinder geblieben sind. Noch vor nicht all zu langer Zeit wurden minderjährige, schwer erziehbare Mädchen in die Strafanstalt Hindelbank verfrachtet, wo sie dann mit Schwerverbrecherinnen unter einem Dach leben mussten, obschon keine von ihnen kriminell war. Dies nur zur Erinnerung, um nicht zu vergessen wie viel Dreck am Stecken die Schweizer Behörden haben.
  • Steinle  Jeannette 23.02.2013
    Sorry aber diese Bilder beweisen nicht wie gut es ihrer Tochter geht. Kinder brauchen Geborgenheit, Liebe, Freunde und ein Zuhause wo sie sich wohl fühlen. Wer Kinder mit Materiellen Waren befriedigt und überhäuft, ist auf dem falschen Weg.
  • Bruno  Meier aus Urdorf
    23.02.2013
    Wir möchten dem guten Herrn Bozan doch nahelegen, auch zu seinen Eltern und seiner Tochter zu ziehen, wo er als fleissiger und besorgter Vater im gewohnten kulturellen Umfeld als leuchtendes Vorbild für Verantwortung und Liebe im Familienkreis wirken kann.
  • Ruedi  Lais , via Facebook 23.02.2013
    Zwei Artikel, Dutzende von Kommentaren - und niemand erkundigt sich nach der Mutter. Tochter und Mutter auch wenn scheinbar erkrankt haben auch das Recht, einander zu sehen. Herr Bozan hat eine Straftat begangen und muss sich dem Gericht stellen. Wenn er nachweisen kann, dass er die Tochter betreuen kann, muss sie nicht ins Heim.
    • Heidi  Studer aus Olten
      23.02.2013
      Richtig. Und im Heim kann sie den Vater und möglicherweise auch die Mutter regelmässig sehen. So oder so, über Nacht aus einer gewohnten Situation herausreissen geht gar nicht, Sicher hatte sie auch ihre Betreuerinnen und Gspänli liebgewonnen. Und schon redet der Vater davon, sie in ein paar Jahren auch in der Türkei wieder zu entwurzeln und sie hierher zu holen. Gschämig, eifach gschämig und eigennützig.