Nach Gaddafis Aufruf zum Dschihad Müssen wir Angst haben vor radikalen Muslimen?

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Ann Guenter

ZÜRICH – Gaddafi ruft zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz auf. Lassen sich Muslime jetzt deswegen aufhetzen?

Gaddafis Aufruf an die Muslime ist unmissverständlich: «Lasst uns kämpfen gegen die Schweiz!» Jeder, der mit unserem Land zusammenarbeite, sei ein Ungläubiger, so der libysche Diktator.

«Das ist eine absolute Frechheit», sagt Qaasim Illi vom Islamischen Zentralrat Schweiz zu Blick.ch. «Gaddafi ist ein Staatsführer, der kein Recht hat, zu entscheiden, wer ein gläubiger Muslim ist und wer nicht.»

Trotzdem: Steigt die Gefahr, dass sich radikalisierte Muslime in der Schweiz von Gaddafi aufhetzen lassen? Illi glaubt das nicht. «Solange nur Gaddafi so etwas will, besteht bestimmt kein Sicherheitsrisiko. Den Aufruf zum Dschihad können Schweizer Muslime nicht ernst nehmen.»

«Gaddadi ist ein wirrer Staatsführer»

Es sei hinlänglich bekannt, dass Gaddafi seine ganz eigenen Ansichten zum Islam habe, sagt Illi. Er sei sicher keine religiöse Autorität. «Für mich ist er einfach ein wirrer Staatsführer.»

Auch der Imam der Moschee in Zürich, Sadaqat Ahmed, hat keinerlei Bedenken, dass Schweizer Muslime den Aufforderungen des libyschen Staatschefs viel Beachtung schenken: «Das hat keinerlei Bedeutung für uns.

Und für Muslime in anderen Ländern? «Alle wissen, dass es hier um eine persönliche Abrechnung von Gaddafi mit der Schweiz geht», sagt Ahmed. «Gaddafi verbreitet höchstens in seinem eigenen Land Hass.»

Attacke lässt sich nie ganz ausschliessen

Für den renommierten Terrorexperten Rolf Tophoven ist Gaddafis Aufruf in erster Linie der Versuch, Unsicherheit und Panik zu schaffen. «Hinter dem Aufruf steckt keine operative Planung. Es geht vielmehr um eine psychologische Kriegsführung gegen die Schweiz.»

Gaddafi sei im Übrigen auch gar nicht der Mann für islamischen Terror. Er versuche in erster Linie, in die Schlagzeilen zu kommen.

Dass Muslime es wegen Gaddafi jetzt auf die Schweiz abgesehen haben könnten, denkt Tophoven nicht: «Muslime nehmen das nicht ernst.» Allerdings gibt der Terrorexpoerte zu bedenken: «Dass sich ein Einzeltäter zu etwas hinreissen lässt, kann man natürlich nie ausschliessen.»

Frattini ruft zu Ruhe auf

ROM – Der italienische Aussenminister Franco Frattini hat nach dem Aufruf des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi zum «Dschihad» gegen die Schweiz zur Ruhe aufgerufen. Es sei weder im Interesse Europas noch im Interesse Italiens, wenn sich die Lage verschärfe. «Wir hoffen auf eine umgehende Lösung im Streit zwischen der Schweiz und Libyen», sagte Frattini heute. (SDA)

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