Müde Schüler – Busse für die Eltern?

  • Publiziert: 02.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

ZÜRICH – Die Lehrer können ein Lied davon singen: Schüler kommen übermüdet, ohne Aufgaben und erst noch hungrig in die Schule. Unterricht unmöglich. Sind Bussen für die Eltern der Ausweg?

Eigentlich müsste die Arbeitsteilung ja klar sein. Die Eltern erziehen ihre Kinder zu Sauberkeit und Ordnung, kleiden und füttern sie.

Und die Lehrer unterrichten unseren Nachwuchs im Rechnen und Schreiben, in Bio und Geschichte.

Aber was tun, wenn die Kinder alles Mögliche im Sinn haben, nur ihre Hausaufgaben nicht, wenn sie übermüdet in die Schule kommen und erst mit leerem magen? Normaler Unterricht ist so nicht möglich. Sollen die Lehrer etwa erst mal Gipfeli verteilen? Oder die Kleinen noch ein wenig schlummern lassen?

Nein!, sagt die baselstädtische Regierung. «Die Schule ist an ihre Grenze gestossen», warnt Hans Georg Signer, Leiter des Ressorts Schulen. «Bis jetzt hatten wir eine Engelsgeduld», doppelt Erziehungsdirektor Christoph Eymann nach. Damit soll jetzt Schluss sein.

Die Basler Regierung will das Schulgesetz so ändern, dass Eltern bestraft werden können, wenn sie ihre Pflichten nicht erfüllen: mit Bussen von bis zu 1000 Franken!

Stimmt das Parlament zu, tritt das Gesetz schon im August in Kraft. (snx)

Sollen Eltern mit einer Geldbusse bestraft werden, wenn ihre Kinder unvorbereitet in die Schule kommen?

Lehrerpräsident Zemp: Probleme schon im Kindergarten

Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Schweizerischen Lehrerverbands, betont gegenüber Blick.ch: «In den meisten kantonalen Schulgesetzen steht klar, dass die Eltern ihre Kinder lernbereit in die Schule schicken müssen.» Aber heute fangen die Disziplinprobleme oft schon im Kindergarten an. «Deswegen haben mehrere Kantone Massnahmen ergriffen, damit Eltern ihren Pflichten besser nachkommen», so Zemp. Dazu gehöre auch das «time-out», der zeitweilige Ausschluss. Neu am Basler Vorschlag sei, dass die Schule mit Eltern eine individuelle Vereinbarung trifft. Erfüllen die Eltern die Bedingungen nicht, könne, als schärfste Strafe, eine Busse ausgesprochen werden. Diese stufenweise Vorgehen findet Zemp in Ordnung. (snx)

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