Kommt die Praxisgebühr? Wird die Arztwahl eingeschränkt? Morgen entscheidet der Nationalrat.
Was morgen auf den Pulten der Nationalräte liegt, hat es in sich. Wenn die Praxisgebühr eingeführt wird, können Patienten bis sechsmal pro Jahr mit 30 Franken zur Kasse gebeten werden. Brisant ist auch ein Anliegen von SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi: Ab 2012 sollen die Krankenkassen frei sein, mit welchen Ärzten und Spitälern sie in der Grundversicherung Verträge abschliessen. Und mit welchen nicht. Es wäre dann möglich, dass eine Kasse zum Beispiel nur noch mit 80 Prozent der Ärzte einer bestimmten Region zusammenarbeitet. Aber was, wenn der Arzt eines Versicherten nicht darunter ist? Dann müsste er entweder die Kasse oder den Arzt wechseln.Diese Einschränkung der freien Arztwahl bedeutet die Schlachtung einer heiligen Kuh. Sie wird mit Sicherheit heiss diskutiert werden.Eine ganze Reihe weiterer Massnahmen steht zur Entscheidung an – Massnahmen, die auch richtig wehtun können:20 statt 10 Prozent Selbstbehalt, wenn Patienten direkt zum Spezialisten gehen.Wer eine höhere Franchise (und damit tiefere Prämien wählt), muss mindestens zwei Jahre dabeibleiben. Auch wenn er krank wird.Keine Vergütung mehr für Arztzeugnisse bei Absenzen bis zu drei Tagen.Wer eine Zusatzversicherung hat, soll keine Prämienverbilligung erhalten. Das alles läuft auf eine zusätzliche Belastung für die Versicherten hinaus. Es werden aber auch Massnahmen zu ihrer Entlastung vorgeschlagen. Der
Bundesrat will im 2010 die Prämienverbilligungen um 200 Millionen Franken aufstocken. Linke Parlamentarier möchten noch viel weiter gehen. Sie verlangen, den Gewinn von 1,2 Milliarden aus dem UBS-Paket des Bundes auch noch für Prämienverbilligungen zu verwenden.Eine weitere Entlastung wird bei den Medikamenten debattiert. Sind mehrere Medis für einen Patienten gleich geeignet, soll der Preis den Ausschlag geben. Es sollen also vor allem preisgünstige Nachahmerprodukte statt teure Originale verordnet werden.