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Morgen drücken die Physiker am Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf den Knopf. Sie versetzen um 9.30 Uhr das grösste Experiment in Bewegung, das die Menschheit je gesehen hat: Sie starten den LHC, den Large Hadron Collider.
Ein Triumph der Wissenschaft.
Oder der Weltuntergang. Den fürchten radikale Gegner des Teilchen-Experiments am Cern. Sie wollen es verhindern. Mit allen Mitteln. Falls nötig, gehen sie dafür sogar über Leichen.
Nobelpreisträger Frank Wilczek wäre ihr erstes Opfer. Der Amerikaner fiebert dem Experiment entgegen, verspricht sich von ihm sogar eine «goldene Ära».
Kürzlich erhielt er mehrere Morddrohungen. Per Mail. Per Telefon. Mit der Aufforderung, das Experiment zu stoppen, solange das noch möglich sei.
Seine Reaktion: «Ich versuche, die Sache nicht an mich heranzulassen», sagte Wilczek gegenüber «Spiegel Online».
Auf dem Rechtsweg sind die weniger radikalen Gegner des Cern-Experiments bereits abgeblitzt. Eine Gruppe Ingenieure rund um den deutschen Chaos-Theoretiker Otto E. Rössler (68) wollte das LHC-Experiment verbieten lassen.
Vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg zogen die Ingenieure den Kürzeren.
Denn die meisten Forscher sehen keine Gefahr hinter dem Cern-Experiment. «Was wir in Genf unter kontrollierten Bedingungen planen, haben wir auf natürlichem Weg schon über hunderttausend Mal beobachtet. Alleine in den letzten 20 Jahren», sagt Cern-Sprecher James Gillies gegenüber BLICK. «Es passiert ständig. Und uns gibt es immer noch.» Und trotzdem. Mit ihren Weltuntergangs-Szenarien schüren die Gegner Angst: Die Wissenschaft werde mit der Höllenmaschine aus Genf alles auslöschen. Nicht sofort, aber nach und nach.
Klitzekleine Schwarze Löcher entstehen bei den Experimenten, behaupten sie. Diese sogenannten Micro Black Holes sinken langsam ins Zentrum unseres Planeten. Und sammeln sich dort zu einem Monstrum. Das alles verschluckt. Das Licht, den Planeten. Mit allem, was wir kennen, malen die LHC-Gegner schwarz.
Kein Wunder sind auf der ganzen Welt viele Leute verunsichert. «Jeden Tag erhalte ich mehrere Anrufe und Mails von besorgten Menschen», sagt Cern-Sprecher Gillies. Die häufigste Sorge: «Bitte sagen Sie mir, dass meine Kinder in Sicherheit sind.» Gillies’ Antwort: «Sie haben nichts zu befürchten. Ich bin selber Vater.»
Was halten Sie vom Experiment des Cern? Schreiben Sie uns!
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Nobelpreisträger: Frank Wilczek versucht, die Morddrohungen nicht an sich heranzulassen. (Keystone)