Mörgeli spielt Winkelried für seinen Bundesrat

  • Publiziert: 07.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Henry Habegger, Simon Spengler und Georges Wüthrich

BERN – Christoph Mörgeli (47) opfert sich für Christoph Blocher (66). Mit geballter Rhetorik will der Zürcher Nationalrat seinen Bundesrat aus der Schusslinie nehmen. Aber den Komplott-Verdacht kann er nicht entkräften.

Von wegen Rechtshilfegesuch an Deutschland! Mörgeli beschaffte die brisanten Holenweger-Unterlagen am Montag innerhalb von einer halben Stunde – von Bankier Oskar Holenweger selbst. Er kenne Holenweger seit Jahren und sei mit ihm per Du.

Die Bundesanwaltschaft habe Holenweger das gesamte in Deutschland sichergestellte Material, inklusive Digitalkamera, wieder zurückgegeben.

Mörgeli verriet Blocher angeblich die ganze Woche nichts: «Ich muss ja ein bisschen vorsichtig sein.»
Weniger vorsichtig ist er beim Bewerfen von CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz (55) mit Dreck. Die St.Gallerin leitete die Untersuchung gegen Blocher in Sachen Roschacher und brachte am Mittwochabend die brisanten Papiere ins Spiel.

Erstes politisches Ablenkungsmanöver. Zuerst einmal auf die CVP-Politikerin schiessen! «Politisch instrumentalisierter Bullshit.» Und: «Alle Bürger haben ihre Vertreter im Parlament: Die Klugen und die Dummen.»

Gegenüber BLICK ergänzt Mörgeli: «Meier-Schatz muss als Kommissionspräsidentin weg. Sie ist unfähig.»

Nur: In der Geschäftsprüfungskommission GPK waren nach BLICK-Recherchen alle Mitglieder mit der
Bewertung der Holenweger-Papiere von Meier-Schatz einverstanden, die sie am Abend vortrug. Selbst die SVP-Vertreter waren es, auch Wahlkampfleiter Toni Brunner (32), der sich gestern wortreich neben Mörgeli stellte.

Dann das zweite Ablenkungsmanöver: Die Holenweger-Papiere herunterspielen. Der Aktionsplan zur Absetzung von Bundesanwalt Valentin Roschacher sei nur eine harmlose Telefonliste. Kein Wort davon, dass Aufträge auf dieser «H-Liste» von Journalisten und Politikern prompt erfüllt wurden.

Mörgeli projiziert Holenwegers Flipchart-Notizen an die Wand. Alles harmlose Notizen eines alten Offiziers in Generalstabsmanier?

Mörgeli versucht die Vorwürfe der GPK kleinzureden. Der Eintrag «Burg» vom Pfingstsonntag – der für Blochers Schloss Rhäzüns stehen könnte –
heisse gar nicht «Burg», sondern etwas anderes. Selbst Holenweger könne es nicht mehr entziffern. Das Kürzel «CB» (es könnte für Christoph Blocher stehen) in Verbindung mit einem Doppelpfeil (für Angriff) taucht in den von Mörgeli präsentierten Unterlagen nirgends auf. Auch sind in den Dokumenten des Zürcher Nationalrats nicht drei Handschriften erkennbar – laut Bundesanwaltschaft ist es aber so.

Vom zeitlich verdächtigen Zusammentreffen von Blochers Aktivitäten gegen Roschacher an Pfingsten 2006 und den Daten auf den Flipcharts keine Rede. Ebenso wenig davon, dass Blocher vom Schloss Rhäzüns aus angriff.

play Mörgeli geht in die Offensive – und präsentiert der Presse die Unterlagen von Bankier Oskar Holenweger. (Keystone)

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