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Politiker schockiert über SVP-Ideologen: Mörgeli rechtfertigt Kinderarbeit

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli lehnt ein Verbot von Kinderarbeit ab. Experten und ­Politiker sind entsetzt.

Von Marcel Odermatt | Aktualisiert um 01:15 | 01.06.2008
Kinderarbeit wird von der Uno heute weltweit geächtet: Das kümmert SVP-Ideologe Christoph Mörgeli (47, SVP/ZH) nicht. Im «Echo der Zeit» von Radio DRS sagte der Uni-Professor diese Woche, es sei falsch zu sagen, «Kinderarbeit ist völlig verboten».

Gegenüber SonntagsBlick doppelt Mörgeli nach: «Das Verbot von Kinderarbeit drängt die Kinder in Armut, Kriminalität und Prostitution etc.» Die Kinderarbeit sei – wie einst bei uns – überwindbar durch allmählich steigenden Wohlstand, wie ihn nur die Marktwirtschaft schaffen kann. Und: «Die einzige sinnvolle Entwicklungspolitik ist der freie Handel. Dabei dürfen wir den ärmeren Ländern nicht die Wettbewerbschancen nehmen, indem wir ihnen unsere Sozialstandards aufzwingen», so Mörgeli weiter.

Wandel durch Handel: Mit dieser Position zieht Mörgeli den Ärger linker Politiker und Entwicklungshelfer auf sich. Peter Niggli (58), Geschäftsleiter von Alliance Sud, der entwicklungspolitischen Arbeitsgemeinschaft der grossen Hilfswerke: «Mörgeli kann uneingeschränkte Kinderarbeit nur predigen, weil er selber im Wattebüscheli aufgewachsen ist.» Alle Bemühungen liefen heute darauf hin, Kinderarbeit zu reduzieren, ihre Arbeit an gefährlichen Arbeitsplätzen ganz zu verbieten, ein Mindestalter durchzusetzen und arbeitenden Kindern parallel einen Schulbesuch zu ermöglichen, so der Entwicklungshelfer.

Schockiert über die Äusserungen von Mörgeli zeigt sich auch SP-Nationalrätin Evi Allemann (29/BE): «Damit die Kinder in der Dritten Welt eine bessere Zukunft haben, müssen ihre Lebensbedingungen verbessert werden. Bloss durch Bildung statt Kinderarbeit haben sie überhaupt die Möglichkeit, ihre Situation langfristig zu verbessern.» Eine nachhaltige Entwicklung erreiche man in armen Ländern nur durch einen cleveren Mix aus Sozial- und Umweltstandards, eine verstärkte Entwicklungszusammenarbeit und freien, aber fairen Handel, sagt Allemann.

Linke und Entwicklungsorganisationen fordern vom Bund jetzt massiv mehr Geld für die Entwicklungshilfe, was von SVP und Bundesrat abgelehnt wird (siehe Kasten).

Wie heikel das Thema Kinderarbeit ist, merkte kürzlich die Crédit Suisse: Die Grossbank verschenkte 200000 Euro-Fussbälle, die möglicherweise von Kindern hergestellt wurden. Die CS spendet der Unicef jetzt eine Million Franken.  
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Marktgläubig: Christoph Mörgeli sieht im freien Handel das beste Instrument gegen die Armut. (Reuters)
Marktgläubig: Christoph Mörgeli sieht im freien Handel das beste Instrument gegen die Armut. (Reuters)

Mehr Geld für eine bessere Welt

Setzt sich der Bundesrat durch, gibt die Schweiz bald etwas mehr Geld für Entwicklungshilfe aus.

Soll die Schweiz künftig viel mehr, ein bisschen mehr oder im Gegenteil sogar weniger für die Entwicklungshilfe ausgeben? Am 9. Juni wird diese Frage im Nationalrat debattiert. Die Diskussion dürfte kontrovers verlaufen. Der Bundesrat verlangt etwas mehr, nämlich 4,5 Milliarden Franken über vier Jahre verteilt für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und 0,8 Milliarden Franken für das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

Damit würde die Schweiz von hundert Franken Volkseinkommen künftig 40 statt wie heute 37 Rappen für die Entwicklungshilfe einsetzen. Für die ­Hilfswerke ist das immer noch viel zu knausrig: Sie möchten, dass die Schweiz auf 70 Rappen erhöht, wie das auch die Uno fordert.

Diametral anders die Position der SVP. Die Entwicklungshilfe ist nach Meinung der Volkspartei zur «Korruptionshilfe» verkommen. Die Partei will deshalb unter allen Umständen verhindern, dass mehr Geld zur Verfügung gestellt wird. 

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