Vorbild Egerkingen SO SVP-Wobmann fordert nationalen Deutsch-Zwang

EGERKINGEN - SO - Auf dem Schulareal im solothurnischen Egerkingen darf nur noch deutsch gesprochen werden – sonst gibts eine Busse. SVP-Nationalrat Walter Wobmann findet das so gut, dass er die Regelung in der ganzen Schweiz einführen will. Der Lehrerverband findets hingegen «absurd».

Die SVP schickt Nationalrat Walter Wobmann noch einmal in den Kampf gegen Roberto Zanetti (SP) um den zweiten Solothurner Ständeratssitz. play
Die SVP schickt Nationalrat Walter Wobmann noch einmal in den Kampf gegen Roberto Zanetti (SP) um den zweiten Solothurner Ständeratssitz. Keystone/PETER SCHNEIDER

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In Egerkingen SO gibt es Schulklassen, in denen bis zu 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben. Dass auf dem Pausenplatz deswegen zu wenig Deutsch gesprochen wird, ist der Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi (FDP) ein Dorn im Auge. Wird ein Schüler drei Mal dabei erwischt, eine andere Sprache zu sprechen, soll er zehn Lektionen in einem Deutschkurs absitzen. Das kostet 550 Franken. Wer sich weigert, wird gebüsst.

Der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann (58) würden diesen Deutsch-Zwang gerne national etablieren. In einem Interview mit «Tele M1» fordert er die Einführung dieser Regel an allen Schweizer Schulen. Er prüfe derzeit einen entsprechenden Vorstoss.

Die Egerkinger Handhabung wird auch bald den Solothurner Regierungsrat beschäftigen. SP-Präsidentin und Lehrerin Franziska Roth (47) überlegt sich, eine Aufsichtsbeschwerde einzureichen. Der Entscheid des Gemeinderats sei äusserst schädlich für den ganzen Schulbetrieb. Zudem mische sich der Gemeinderat ohne pädagogisches Feingefühl massiv in den Schulbetrieb ein.

«Ich würde sofort kündigen»

Ins gleiche Horn stösst die Vizepräsidentin des Schweizer Lehrerverbands, Marion Heidelberger (48). «Das geht gar nicht», sagt sie gegenüber BLICK. Der Gemeinderat befinde sich in einem juristischen Graubereich. «Zudem liegen solche pädagogischen Entscheide klar in der Kompetenz der Schulleitung.»

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Heidelberger ist selbst Primarlehrerin. Zum Glück nicht in Egerkingen. «Ich würde sofort kündigen.» Die Überwachung auf dem Pausenplatz schade der Bezieheung zwischen Lehrern und Kindern.

«Ausserdem dürften die Kinder dann auch nicht mehr Englisch oder Französisch miteinander sprechen. Das ist absurd, schliesslich sind es Unterrichtssprachen.»

«Solche Bestimmungen sind rassistisch und schaden der Integration», sagt Heidelberger. Für Migrantenkinder sei es am Anfang wichtig, sich in der eigenen Sprache auszudrücken. «Mit der Zeit passen sie sich dann von sich aus an. Weil jedes Kind dazugehören will.» Repressionen und die Androhung von Bussen würden das Gegenteil bewirken. «Das verunsichert die Kinder, sie scheuen vom gegenseitigen Kontakt zurück.» (gpr/lex)

Publiziert am 30.01.2016 | Aktualisiert am 30.01.2016
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  • Coni  Müller 31.01.2016
    Warum sollen Lehrer Verfehlungen der Politik korrigieren? Fängt beim Behörden verkehr an. War letzte Woche auf der Gemeinde und habe beobachtet, wie man mit Hilfe eines Dolmetschers Formulare für den Familiennachzug ausfüllte. Auf Nachfrage sagte man mir, dass die Leute schon über 2 Jahre da sind und nicht genug Deutsch sprechen. Warum macht man es nicht einfach und wirkungsvoll? Ohne Kenntnis der Landessprache keine Hilfe der Behörden, die über die Grundversorgung geht.
  • Erich  Winter , via Facebook 31.01.2016
    Herr Wobnann. Sowie mann ihnen nicht einen anderen Glauben aufzwingen kann, wäre es sinnvoll wenn sie wenigstens in Deutsch verstehen können das wir auch vier Landessprachen sprechen.Vor allem unser Rechtsgepflogenheiten und unserer Verfassung verstehen.Wie wir sie auch verstehen sollten.Und sie verstehen müssen das ihr Land auch fruchtbar sein könnte, und wir ihnen nur auf eine Notsituation ein Rückhalt geben können. Und ihre Gemühter auch erschaffen müssen, was wir auch hart erarbeitet haben.
  • Hanspeter  Müller aus Bern
    31.01.2016
    Mich nimmt nur Wunder, wie man das kontrollieren will. Werden die Lehrer zu Polizisten? Oder geht der Gemeinderat in jeder Pause und sitzt auf den Pausenplatz? Oder gründen wir eine Sprachpolizei wie die Sittenpolizei in Saudi-Arabien?
  • Ueli  Maier aus Dübendorf
    31.01.2016
    Dann wollen hier also viele vorschreiben, in welcher Sprache sich Leute bei uns zu unterhalten haben. Was ist der praktische Nutzen davon? Dann möchten wir sie zwingen an durch die Eltern zu bezahlende Sprachkursen teilzunehmen, obwohl die Sprachkenntnisse nicht in Frage gestellt werden. Ich kann den Sinn dahinter nicht erkennen. Wir müssen uns grundsätzlich klar werden, welche Werte uns wichtig sind. Die gesprochene Sprache auf Pausenplätzen? Ich denke, es gibt anderes, wichtigeres.
  • John  Livers aus St.Gallen
    30.01.2016
    Haben wir nicht mehr das Recht dass bei uns die Landessprache gelernt und gesprochen wird? Wollen wir tatsächlich Verhältnisse wie in den Banlieues in FR oder Neukölln Berlin? Oder in irgend einer anderen Grossstadt Europas? Die in diesen Stadtteilen entstandenen Parallelgesellschaften halten es tatsächlich nicht für nötig eine Landessprache zu sprechen. Wollen wir solche Verhältnisse? Wenn nicht müssen wir vorsorgen.
    • Ueli  Maier aus Dübendorf
      31.01.2016
      Herr Livers, wenn Schpler untereinander eine andere Sprache gesprochen wird, wird niemandem das Recht abgesprochen, die Landessprache zu lernen oder gar zu sprechen. Die meisten Schüler sprechen die lokale Landessprache sehr gut oder lernen diese sehr schnell (müssen sie ja auch, um in der Schule mit zu kommen). Flexibilität ist gefordert, auf allen Stufen.
    • Kim  Heller aus Luzern
      31.01.2016
      Die Menschen in den Banlieu sprechen vorwiegend französisch. Die Integration klappt in Franreich nicht weil Zuwanderer als Menschen 2ter Klasse behandelt werden und keine Zukunftsperspektiven haben. Würde man in deren Herkunftsländern Arbeitsplätze mit vernünftigen Bedingungen schaffen, gingen viele zurück in ihre Heimat. Solange die Chinesen etc billig für uns produzieren wird wohl niemand in diesen Ländern investieren.