Leibstadt-Chef gibt zu Bohrlöcher in AKW schon sechs Jahre alt

LEIBSTADT - AG - Um Feuerlöscher zu montieren, bohrten Handwerker Löcher in die Schutzwand des AKW. Jetzt wird bekannt: Das war 2008! Seither blieben sie unentdeckt.

Hier wurden die Feuerlöscher montiert. Die Bohrlöcher durchdrangen die erste Schutzschicht aus Stahl, die absolut dicht sein muss. play

Hier wurden die Feuerlöscher montiert. Die Bohrlöcher durchdrangen die erste Schutzschicht aus Stahl, die absolut dicht sein muss.

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Die Nachricht schockierte Experten: Im Atomkraftwerk Leibstadt bohrten Handwerker Löcher in die Stahlwand des Primärcontainments, um Feuerlöscher zu befestigen. Ein klarer Verstoss der strengen Sicherheitsvorschriften, da die Schutzwand im Fall eines Störfalls radioaktiven Dampf vor der Umwelt abschirmt.

Nun der nächste Hammer: Wie heute bekannt wurde, bestehen die Löcher bereits seit sechs Jahren! Fachleute der Aufsichtsbehörde Ensi hatten kurz davor das Stahlcontainment letztmals inspiziert und auf seine Dichte hin geprüft.

Kontrolle nur alle zehn Jahre

Die beiden Feuerlöscher seien 2008 von Fremdpersonal montiert worden, sagte Andreas Pfeiffer, Leiter des AKW Leibstadt, in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung». Fünf der Bohrlöcher seien mit Schrauben verschlossen worden, eines sei offen geblieben, aber von der Feuerlöscherhalterung verdeckt gewesen. Der Durchmesser der Löcher betrage ungefähr sechs Millimeter.

Den Fachleuten des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI fielen diese Löcher nicht auf, weil sie bei der letzten durchgeführten Inspektion noch gar nicht vorhanden waren. Die Integrität des Stahlcontainments des KKL werde in Übereinstimmung mit dem internationalen Regelwerk alle zehn Jahre durch einen integralen Leckratentest nachgewiesen, sagte Mediensprecher David Suchet auf Anfrage.

Dieser Test sei im Rahmen der Jahreshauptrevision 2008 zu drei verschiedenen Zeitpunkten durchgeführt worden: am 26. August 2008 nachts von 02.30 bis 05.30 Uhr, am Nachmittag des selben Tages von 14.30 bis 16.00 Uhr sowie am 27. August 2008 von 15.00 bis 17.00 Uhr.

AKW und Ensi relativieren Gefahr

Sowohl AKW-Chef Pfeiffer, wie auch die Aufsichtsbehörde Ensi sind sich aber einig, was die Gefährlichkeit der Löcher betrifft. Im Normalbetrieb herrsche in diesem Raum Unterdruck, sagte Pfeiffer im AZ-Interview. Dies bedeute, dass keine Luft und damit auch keine Radioaktivität entweichen könne.

Auch bei einem Störfall, wenn Überdruck entsteht, würde die Luft bei einer erhöhten Radioaktivität vor der Abgabe an die Umgebung vom Notabluftsystem gefiltert, sagte Ensi-Sprecher Suchet. Selbst bei einem solchen Störfall könnten die Dosisgrenzwerte eingehalten werden.

Für das Ensi ist aber klar, dass die Bohrungen an unzulässigen Stellen durchgeführt wurden. Dies weise auf ein organisatorisches Defizit des Kernkraftwerks Leibstadt hin. Das Ensi werde die Schlussfolgerungen für Leibstadt und für seine eigene Aufsichtspraxis nach Abschluss seiner Analyse ziehen. (SDA/lha)

Publiziert am 10.07.2014 | Aktualisiert am 10.07.2014
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  • Michael  Thommen 10.07.2014
    Hier wird nicht nur runtergespielt, sondern schamlos gelogen: Radioaktivität lässt sich nicht so einfach aus der Luft filtern, wie uns die Herren Suchet und Pfeiffer weismachen wollen. Auch nicht mit einem Notabluftsystem.
  • Van  Gelder aus Zürich
    10.07.2014
    Es hat zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Dieser Spruch hört man bei Atommeilern immer wieder.
    Diese sechs Löcher sind für mich eine Katastrophe. Sie zeigen, dass selbst in der Schweiz solche verheerenden Fehler passieren können und dass wir, das Volk, jederzeit in Todesgefahr schweben. Wir müssen aufhören mit Atomkraft, oder die Atomkraft wird früher oder später mit uns aufhören. Es geht um nichts weniger als um die Zukunft der Menschheit, um das Ende der Welt.
  • Heinz  Fischer aus Baden
    10.07.2014
    Logisch, dass diese Löcher von Fremdpersonal gebohrt wurden. Die Verantwortung wird abgeschoben. Dabei muss jeder Arbeiter der im Atomkraftwerk arbeitet eine Arbeitsbewilligung einholen. Diese Arbeitsfreigabe wird von einem Kraftwerksverantwortlichen, einem Betriebsingenieur, freigegeben. Nach Arbeitsschluss muss der Arbeiter die Arbeit beim Spezialisten zurückmelden. Die Arbeit wurde schlicht nicht überwacht. Ein Fehler der auf das Fremdpersonal abgeschoben wird....
  • Hanspeter  Niederer 10.07.2014
    Aber sicher, in Schweizer AKWs kann nie etwas passieren, denn wir haben ja das beste und verantwortungsvollste Personal auf der ganzen Welt........ Und natürlich hat dieses kriminelle Verhalten wie IMMER für keinen einzigen hochbezahlten "Verantwortlichen" irgendwelche Konsequenzen - bestenfalls eine Wegbeförderung mit höherem Salär.
  • Dave  McWide 10.07.2014
    Ich finde es erschreckend, dass man sowas immer runterspielt. Klar gibt es 10 andere Sicherheitschecks und Lösungen bevor dieses Löcher eine Rolle spielen. Aber vielleicht ist dann im Notfall, ein Notventil verklemmt, alle drei Jahre inspiziert Das Abluftgitter mit einem Poster zur WM abgedeckt, vom Lehrling und vor der Nottür hat ein Lieferant ein Palett hingestellt.
    und dann war es halt nur ein Dummer zufall...