Frau Holle wars nicht! Weisser Advent in Gerlafingen

Gerlafingen SO ist eine regelrechte Schnee-Oase. Statt grünen Wiesen wie in den Nachbargemeinden gibt es hier Schneemänner und Schlittelpisten. Bei der weissen Pracht handelt es sich um Industrieschnee.

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Für die meisten Unterländer gibt es dieses Jahr wohl keine weissen Weihnachten. In der Nacht auf heute waren laut Prognosen zwar ein paar Flocken angesagt. Die weisse Pracht dürfte allerdings lokal begrenzt und nur von kurzer Dauer sein.

Grosse Ausnahme: Die beschauliche Gemeinde Gerlafingen SO. Zwar liegt der 5000-Seelen-Ort nur gerade 450 Meter über Meer. Im Gegensatz zu den Nachbargemeinden liegt hier aber bereits seit bald zwei Wochen eine satte Schneedecke! Ein Augenschein vor Ort zeigt: Erst kurz vor dem Ortseingang verwandeln sich dreckbraune Wiesen tatsächlich in blütenweisse Schneefelder.

Ein äusserst seltenes Phänomen

Im Dorfkern reicht der Schnee sogar, um einen stattlichen Schneemann zu bauen: «Das funktioniert nur bei uns in Gerlafingen», freuen sich Nora (12), Viola (10) und Besiana (12), während sie ihrem kühlen Kunstwerk Augen und Nase einsetzen.

Eine Schnee-Oase mitten auf der grünen Wiese – wie ist das möglich? Nicola Möckli von Meteonews staunt beim Anblick der Bilder: «Beeindruckend, das sieht wirklich winterlich aus», sagt er. Bei der weissen Pracht handle es sich um ein äusserst seltenes, vom Menschen gemachtes Phänomen: «Es muss sich hier um Industrieschnee handeln.» Damit sich der bildet, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: kalte Temperaturen, eine Nebeldecke in der richtigen Höhe – und ein rauchender Industriekamin. Die Russpartikel aus dem Kamin dienen als Kondensationskerne – und sorgen so für Schneefall.

Wer ist verantwortlich für die weisse Pracht?

Anwohner Klaus Lengauer (78) lacht: «Vor einigen Tagen war ich in Adelboden, wo es praktisch gar keinen Schnee hatte! Denen habe ich gesagt, sie sollen nach Gerlafingen kommen, wenn sie einen richtigen Winter erleben wollen.» Für den Rentner ist klar: Verantwortlich für den Industrieschnee muss das örtliche Stahlwerk sein. Andere Passanten haben eine Papierfabrik in der Nähe oder die Verbrennungsanlage in Zuchwil SO in Verdacht, genau lässt sich das nicht sagen.

Der Industrieschnee unterscheidet sich von natürlichem Schnee. Er ist schmieriger und kleinkörniger, was für prekäre Strassenverhältnisse sorgen kann. Zum Schlitteln ist der Gerlafinger Schnee aber die ideale Unterlage: «Für die Kinder ist das einfach perfekt, gerade in der Adventszeit», keucht Sakip Shej (38), der den kleinen Emir (6) auf einem Bob hinter sich herzieht. Im Vorbeirennen ruft er: «Wenn Gerlafingen jetzt auch noch einen Hügel hätte, und ich nicht ständig ziehen müsste, wäre ich restlos zufrieden!»

Publiziert am 19.12.2016 | Aktualisiert am 29.12.2016
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1 Kommentare
  • Lionel Werren,  der Klartexter 19.12.2016
    Klappt das auch mit dem Kamin zuhause? Kann ich mein Cheminée einheizen, möglichst russbildendes Material verbrennen und dann schneits bei mir im Garten? Cool, dann hab ich Schnee im Garten und mein Nachbar nicht!