Egerkingen SO führt umstrittene Regeln für Migranten-Kinder ein: Hier ist Deutsch Pflicht!

Weil sich Schweizer Schüler ausgegrenzt fühlen, hat der Gemeinderat um Johanna Bartholdi (64) zu neuen Bestimmungen gegriffen.

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Johanna Bartholdi, Gemeindepräsidentin von Egerkingen. Stefan Bohrer

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Es sind schwere Vorwürfe, mit denen Gemeinde­präsidentin Johanna Bartholdi (64) momentan zu kämpfen hat. Weil Schweizer Kinder sich auf dem Pausenplatz ausgegrenzt fühlten, hat der Gemeinderat von Egerkingen SO neue Ausführungsbestimmungen zur Schulordnung erlassen, wie das «Oltner Tagblatt» berichtet. Der zentrale Punkt: Auf dem Schulareal ist die Umgangssprache Deutsch. «Ob die Kinder hochdeutsch oder Mundart sprechen, lassen wir offen», sagt Gemeindepräsidentin Bartholdi.

Sie habe Verständnis für die Schweizer Kinder, die sich ausgegrenzt fühlen, wenn sie ihre Mitschüler nicht verstehen. Besonders bei Konflikten gilt: «Wenn sie sich schon streiten müssen, dann bitte auf Deutsch.» Bartholdi will aber festhalten: «Die Problemkinder sind nicht nur die mit Migrationshintergrund, sondern auch Schweizer Kinder.»

Bis zu den Sommerferien sollen nun alle Eltern über die neue Regelung informiert werden. Um diese auch durchzusetzen, droht der Gemeinderat mit Konsequenzen. Bei der ersten Zuwiderhandlung gibt es einen mündlichen Verweis. Bei der zweiten einen schriftlichen an die Eltern. Nach dem dritten Mal muss der Schüler in einen Deutschkurs. Kostenpunkt für die zehn Lektionen: 550 Franken. Dass sie sich mit dieser ­Regelung in einem rechtlichen Graubereich befindet, weiss die Gemeindepräsidentin. Sie nimmt es in Kauf.

Die Pausenplatz-Strafe für Ausländerkinder in Egerkingen kommt nicht aus heiterem Himmel. Im letzten Dezember sorgte eine Schule im Zürcher Oberland für Schlagzeilen. Zehn Schüler der Sekundarschule Gossau erschienen im traditionellen Edelweiss-Hemd zum Unterricht. Eine Lehrerin wollte den 14- bis 16-jährigen Buben und Mädchen verbieten, die Hemden zu tragen, weil das ­rassistisch sei. Die Schulleitung stellte schliesslich klar: Es gibt kein Verbot von Edelweiss-Hemden.

Eine Art Vorreiterrolle bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund nimmt Basel-Stadt ein: Dort müssen Kinder bereits vor dem Schul­eintritt Deutsch lernen. Wenn sie in den Chindsgi kommen, sollen die Kleinen Deutsch reden. Um das zu erreichen, gibt es dort sogar ein Spielgruppen-Obligatorium.

Dieter Baur, Leiter Volksschulen Basel-Stadt, findet die Grundhaltung in Egerkingen richtig: «In der Schule sollte generell Deutsch die Verstän­digungssprache sein. Auch ausserhalb des

Unterrichts.» Auf dem Pausenplatz komme es aber auf die Situation an. «Andere Sprachen als Deutsch sollten erlaubt sein, solange sie keinen ausschliessenden Charakter haben. Deutsch sollte aber Pflicht sein, wenn ich das Gefühl habe, die anderen reden über mich.»

Einen ähnlichen Weg wie Egerkingen geht der Kanton Thurgau: Gemäss dem neuen Volksschulgesetz können Schulen von den Eltern eine Kostenbeteiligung für die Deutschnachhilfe der Kinder verlangen. In einigen Schulgemeinden ist das bereits der Fall.

Im Kanton Aargau ist in den Kindergärten bald Schweizerdeutsch Pflicht. Auch für die Erzieher: Von den knapp 2500 Kindergärtnerinnen im Kanton haben 108 einen ausländische Pass – mehr als die Hälfte davon einen deutschen. Ihnen bleibt bis Ende 2018 Zeit, um Schweizerdeutsch zu lernen.

Gar nicht begeistert vom Egerkinger Entscheid ist man beim Schweizer Lehrerverband. «Das wird rechtlich schwierig», so Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle. «Auf dem Pausenplatz klar verboten sind zum Beispiel Schlägereien und Mobbing. Um aber Deutsch als Umgangssprache durchzusetzen, braucht es einen richterlichen Entscheid.» Der Entscheid des Gemeinderats von Egerkingen sei auch für die Schule problematisch. «Das greift in ihre Fachkompetenz ein», so Brühlmann.

Publiziert am 29.01.2016 | Aktualisiert am 07.07.2016
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40 Kommentare
  • beat  loser aus st.gallen
    03.02.2016
    Wir sollten alle eine Sprache lernen die allen nutzt, dass ist klar Spanisch, denn Latein haben die Rumänen auch in ihrer Sprache. Rumänen sprechen in drei Monaten Spanisch, die Schweizer in zwei Jahren noch nicht. Doch rund um die Schweiz ausser Deutschland haben die Länder Latinisch in der Sprache. Das wird die EU Sprache in absehbarer Zeit. Politisch sowie in den Gefängnissen
  • Daniela  Nikles 29.01.2016
    Gut gemacht Frau Bartholdi, ich hoffe das andere Schulen Ihrem Beispiel folgen werden. Dieses Problem war schon vor 20 Jahren da, unsere Kinder hatten dadurch selber mühe in der Schule weil der Ausländeranteil höher war als die der Schweizer Kinder. Es wurde all die Jahre einfach unter den Tisch gekehrt. Jede Schule soll ihre Regeln haben solange es der Bildung zugute kommt. Später in der Gesellschaft gelten auch Regeln die einzuhalten sind. Was Hänschen nicht früh lernt, lern er nimmer mehr!
  • Erich  Müller , via Facebook 29.01.2016
    Herr Kyburz, das ist defintiv falsch. Es gibt kein Hochdeutsch, sondern lediglich "Standarddeutsch". Und dieses ist keineswegs einheitlich. Es gibt z.B. Germanismen, Austrizismen und Helvetismen. Zugleich entwickelt sich die Sprache. Deswegen enthält sie heute auch zahlreiche Anglizismen. Und Deutsch ist Amtssprache, offizielle Sprache ist der Dialekt!!
  • Erich  Müller , via Facebook 29.01.2016
    In welchem Jahrhundert leben Sie? Der Pausenplatz ist eine Freizone. Einzig die Eltern haben das Recht zu bestimmen, wie dort gesprochen wird. Den Staaat und somit die Schule geht das nichts an. Sie haben doert nichts zu sagen. Richter brauchen wir um solche politischen Irrlichter in die Schranken zu weisen.
  • Urs  Hagen , via Facebook 29.01.2016
    Jede Schule kann Regeln aufstellen die verbindlich sind. Wenn nun die Pausenplatzregel heisst, deutsch miteinander reden, nicht rauchen, keine religiösen Zeremonien abhalten, keine Drogen und keine Schlägereien, dann ist das so. Da brauchen wir keine gerichte und sonstigen überflüssigen Schwachmaten die da ihren Senf dazu geben. Sonst sind wir auf dem Weg, dass sich im Extremfall nach dem Bundesgericht das EU-Parlament womögllich noch mit dem Pausenbrot beschäftigt.
    • Thomas  Hager aus Luzern
      29.01.2016
      Die Schule kann nur anordnen was rechtens ist, schliesslich ist die Schule keine rechtsfreie Zone!