Die letzten Worte des Unglücks-Piloten von Muhen: «Schatz, es war nicht meine Schuld»

Josef P.* († 70) hat es nicht geschafft. In der Nacht auf gestern starb der passionierte Hobbypilot aus Kölliken AG im Universitätsspital Zürich an seinen schweren Verletzungen – wenige Stunden nachdem er mit seinem selbst gebauten Sportflugzeug auf ein Feld bei Kölliken gestürzt war.

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Seine Witwe Erna P.* (68) ist untröstlich. Zu BLICK sagt sie: «Immerhin konnte ich mich noch von meinem Mann verabschieden.» Denn bevor Josef P. starb, war er bei Bewusstsein.

Er sagte auf dem Spitalbett zu seiner Frau, mit der er fast sein gesamtes Leben verbracht hatte: «Schatz, es war nicht meine Schuld. Plötzlich hat das Flugzeug gebrannt.» Die Witwe sagt, Josef P. sei spielenden Kindern ausgewichen. Dies bestätigt der Trainer vom Fussballplatz neben der Absturzstelle.

Nach 50 Jahren Beziehung ist Erna P. zum ersten Mal allein. «Wir hätten noch so eine schöne Zeit vor uns gehabt», sagt sie. Im März 2016 wollte sich Sepp, wie ihn alle nannten, endlich zur Ruhe setzen und sein ­Geschäft weiter­geben.

Erna P.: «Wir haben so viel zusammen erlebt. 2004 waren wir in Thailand, als der Tsunami kam.» Dann zeigt sie das letzte Geschenk, das sie von ihrem Sepp bekommen hat: eine Uhr.

Gestartet war Josef P. am Sonntag vom Flugplatz Grenchen SO. Bevor sein Flugzeug brennend auf einem Feld zum Stillstand kam, rammte es den Toyota einer 30-jährigen Frau.

Auch an sie denkt Witwe Erna P.: «Ich bin erleichtert, dass ihre Verletzungen nicht so schlimm sind wie zuerst an­genommen.»

Die Polizei bestätigt: Die Autofahrerin konnte bereits ­befragt werden. Sie ist mittelschwer verletzt und liegt mit Rippenfrakturen und einer Gehirnerschütterung im Spital. Sie darf in den nächsten Tagen wieder nach Hause. Sie habe eine «ganz leichte Amnesie», sagte ihre Mutter Andrea L.* gestern zu Tele M1. «Meine Tochter kam zu sich, als das Auto auf dem Kopf stand. Ihr erster Gedanke war: Ich muss raus.» Sie habe den Sicherheitsgurt geöffnet  – doch sie war eingeklemmt. Eine Frau habe sie schliesslich aus dem Auto gezogen.

Warum das Flugzeug zu brennen anfing und Josef P. notlanden musste, ist unklar. Der Carrossier hatte 40 Jahre Flugerfahrung. Und galt bei allen, die ihn kannten, als Perfektionist. «Er sagte immer, wenn er ein Auto lackiere, mache er es so, als ob es sein eigenes wäre», erzählt ein Bekannter. «Es ist schrecklich und sehr traurig, dass Sepp jetzt tot ist.»

Ein Arbeitskollege zeigt nicht ohne Stolz die letzte Arbeit von Josef P.: einen knallgelben Sportwagen. Er sagt: «Wenn ihm eine Frau ihre lackierten Fingernägel zeigte, konnte er den Farbton problemlos mischen.» Und fügt fein schmunzelnd an: «Wenn man Sepp mit seinem Chäppli kommen sah, wusste man: Alles kommt gut.»

* Namen der Redaktion bekannt

Publiziert am 21.09.2015 | Aktualisiert am 22.09.2015
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Zwei Verletzte Zwei Verletzte: Flugzeug stürzt auf Auto

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6 Kommentare
  • michael  przewrocki aus basel
    22.09.2015
    Im Luftfahrzeugregister steht dass das Flugzeug 1989 in Verkehr gesetzt wurde.
    • Horwald  Blattmann 22.09.2015
      Linienmaschinen sind älter...Wobei da Verschleißteile regelmäßig gewartet werden...
  • Markus  Buser 22.09.2015
    Man sollte das Leben als Geschenk nehmen und mit 65 aufhören. Die paar Jahre länger im Geschäft ändern nichts mehr an einem Lebenswerk. Schade für seine Frau, welche nun 5 Jahre gemeinsames Leben verpasst hat. Vielleicht ist das auch ein Wink an andere Leute die einfach nicht aufhören können.
    • Markus  Meier aus Zürich
      22.09.2015
      Der Sepp hatte eben Freude an seiner Arbeit, warum sollte Er nicht noch etwas weiterarbeiten? Kennen Sie die Lebensumstände, etc..Warum gibt es immer wieder Nörgler wie Sie, Herr Buser, leben und leben lassen, viel besser als die Pensionierung im Wirtshaus zu verbringen, Lottoscheine auszufüllen, und mit einer Schnurre durchs leben zu gehen...
      Gehen Sie mal in ein Coop-/oder Migros-Restaurant am Nachmittag, einfach grässlich diese Personen, ohne Lebenslust und einem lächeln, shocking!
  • Markus  Meier aus Zürich
    22.09.2015
    Schein eine flotte Person gewesen zu sein, super! Da könnten sich noch viele Politiker in Bern eine Scheibe davon abschneiden. Dieser Mann hat gelebt, hatte ein Hobby, eine Ahnung vom arbeiten, und machte sicher auch viele andere Menschen glücklich, ohne grosses Aufheben und abzocken. Es gibt noch viele Leute in diesem Land wie Ihn, da sind doch all die C-Promis wie Frieda et al einfach nur Sternschnuppen. Wir wünschen den Familien Gottes Segen und viel Zuversicht für die Zukunt, R.I.P, Sepp!!!
  • Sepp  Hitz , via Facebook 22.09.2015
    Alle Achtung vor dem Piloten. Er ist den Kinder ausgewichen und hat Sein Leben riskiert dass Er leider nicht hat überstanden hat. Hoffe dass sich die Autofahrerin bald ohne bleibenden Schäden erholt.
    Den Hinterbliebenen von J.P. mein herzliches Beileid und der Autofahrerin alles Gute und baldige Besserung.