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Die Bundeskriminalpolizei warnt ahnungslose Eltern vor einem «beunruhigenden Trend»: Immer mehr Kinderporno-Anbieter locken ihre Opfer mit sogenannten Modelling-Seiten im Internet.
Sie versprechen Mädchen die grosse Modelkarriere, lassen Fotos von ihnen machen und stellen sie ins Internet. Die meisten Bilder zeigen die Mädchen im Bikini oder mit noch weniger Stoff – in auf¬reizenden Posen.
Gleichzeitig ziehen diese Seiten Pädophile an. «In vielen Ländern sind diese Seiten legal oder nur an der Grenze zur Illegalität. Vielfach dienen sie als Einstiegsseite zum Vertrieb von Bildern und Filmen mit eindeutigen Missbräuchen», schreibt das Bundesamt für Polizei im Bericht «Innere Sicherheit». Die Nachfrage nach solchen Seiten sei hoch.
Durch die Operation «Koala» wurden die Schweizer Kinderporno-Fahnder auf die «Modelling»-Seiten aufmerksam.
Alles beginnt in Australien, wo ein Kinderporno auftaucht. Vor laufender Kamera werden zwei belgische Mädchen (9 und 11) missbraucht. Die belgische Polizei kann auch den Täter identifizieren: Es ist der eigene Vater.
Vertrieben hat das Video der 42-jährige Italiener Sergio M.* Er produzierte rund 150 Kinderpornos und betrieb Modelling-Seiten. Seine über 5000 Kunden stammen aus 41 Ländern. Auch aus der Schweiz. Im September 2007 nehmen die Schweizer Behörden gegen 19 Personen fest. Sie werden verdächtigt, vom Italiener gegen Bezahlung kinderpornografisches Material bezogen zu haben.
Sergio M. tarnt seine Firma als Fotostudio. Übers Internet lockt er die Kinder in die Falle, aber auch über Werbung in Lokalzeitungen oder auf Plakaten. Viele der Mädchen rekrutiert er über deren Familien. Eltern, die von einer Model-Karriere ihrer Kinder träumen, geben sie ihm noch so gerne in Obhut.
Schritt für Schritt gewinnen Pornoproduzenten wie Sergio M. das Vertrauen der Eltern. Erst werden nur harmlose Foto-shootings gemacht. Bei weiteren Shootings müssen sich die Kinder immer mehr entkleiden. Sind die Eltern zu diesem Zeitpunkt noch dabei, behaupten die Fotografen, sie machten Kunstfotos – das gehöre dazu. Nur so könne man in diesem Business Karriere machen. Und die Mädchen geraten immer tiefer in den Kinderporno-Sumpf.
Eineinhalb Jahre betrieb der Italiener sein dreckiges Geschäft. Jetzt sitzt er im Knast. Das Bundesamt für Polizei koordinierte im letzten Jahr noch weitere Gross-Aktionen gegen Männer, die sich kinderpornografisches Material im Internet herunterluden.
Gegen 124 Personen wird im Frühjahr 2007 ermittelt. Sie holten sich illegale Ware in einem Diskussionsforum. 130 Schweizer und 10 Institutionen kann man im Mai 2007 festnehmen. Sie luden sich Kinderporno-Videos von einem kostenlosen Festplattenspeicherplatz runter.
Die britischen Behörden schnappten vor zwei Jahren einen Kinderporno-Anbieter. Auf seinem Laptop befanden sich 6000 Datensätze zu Personen, die per Kreditkarte für das illegale Material bezahlt hatten. 62 davon kamen aus der Schweiz.
Angebot und Nachfrage von Kinderpornos sind ungebrochen. Die Fahnder brauchen neue technische Hilfsmittel für die schnellere und effizientere Auswertung. Einige sind schon im Einsatz.
Und so steht im Fedpol-Bericht nüchtern: «Mit der wachsenden Datenmenge aus internationalen Operationen wurde auch deutlich, dass jeweils bis zu 20 Prozent der Tat-verdächtigen Wiederholungstäter sind.»
*Name der Redaktion bekannt
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Sergio M.: Der Italiener produzierte Kinderpornos und betrieb Modelling-Seiten. (ZVG)