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Blick: Sie haben sich am Abend vor der Preisverleihung von der Liste der Nominierten streichen lassen ...
Adolf Muschg: Schon nach der Nomination war meine erste persönliche Reaktion: Nein! Es gibt Bücher, die passen nicht in einen Wettbewerb. Ich hätte es wissen müssen: Meine «Kinderhochzeit» ist ein empfindliches Buch. Es stimmt nicht zu jeder Art Marketing.
Warum haben Sie so lange gewartet mit dem Rückzug?
Erst aus Respekt vor den Juroren. Dann hatte ich gesundheitliche Probleme, war auf Lesereise. Da habe ich den Entscheid vor mir her geschoben. Ich scheute den Vorwurf der Arroganz. Wenn ich sage, ich wolle nicht auf die Liste, klingt das, als erhebe ich mich über meine Kollegen oder hielte sie für skrupelloser. Das liegt mir fern.
Kommt bei einem so späten Rückzieher der Vorwurf der Arroganz nicht erst recht?
Das wäre der Fluch der falschen Rücksicht, der verschleppten Tat. Wer mir übel will, kann alles Mögliche hineininterpretieren. Natürlich, ich habe mich für einen falschen Kompromiss entschieden: Ich gehe nach Basel und lese aus meinem Buch, bei dieser Gelegenheit ziehe ich das Buch aus dem Wettbewerb zurück. Das war nicht vermittelbar, und das späte Timing noch weniger. Ich verstehe den Ärger der Organisatoren.
Es geht das Gerücht, Sie hätten durch eine Indiskretion vorgängig erfahren, dass Sie den Preis nicht erhalten.
Keine Spur. Ich habe am Samstag nach meiner Lesung bekannt gegeben, dass ich das Buch zurückziehe. Hätte ich die Entscheidung der Juroren dann schon gekannt, ich hätte es auf keinen Fall getan. Aber ich fühlte mich immer noch frei. Ich glaubte, die Juroren hätten ihre Wahl noch nicht getroffen und hätten noch Zeit, sich jetzt neu zu orientieren. Aber am Sonntag zeigten sie sich überrascht, und die Erklärung, die ich vor der Verleihung abgeben wollte, war nicht mehr möglich. Sie wäre kurz und giftfrei gewesen. Da blieb mir nur noch die Abreise. Aber mit mir selbst bin ich im Reinen.
Mögen Sie keine Preise?
Natürlich, wenn sie persönlich adressiert sind und wenn ich annehmen darf, dass sie meiner Arbeit gelten. Ein Preisrennen ist etwas anderes. Gute Bücher sind nie vergleichbar. Oder kennen Sie eine olympische Disziplin, in der Degenfechten, Sackgumpen und Dressurreiten zusammengelegt werden? So ein Schauspiel kann ja unterhaltsam sein, und ich habe es auch schon mitgemacht. Aber inzwischen muss mir der Humor dafür abhanden gekommen sein.
Ihr Rückzieher erinnert an Marcel Reich-Ranicki, der den Fernsehpreis abgelehnt hat.
Hoffentlich nicht! Ich brauchte nicht plötzlich zu entdecken, dass ich in einer fragwürdigen Branche mit vielen Fragezeichen tätig bin. Ich habe keinen Eklat gesucht und auch nicht billigend in Kauf genommen. Eher tut er mir leid.
Alle Nominierten erhielten bereits 2500 Franken.
Selbstverständlich geht das Geld an die freundlichen Geber zurück.
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Adolf Muschg. (Sabine Wunderlin/Sobli)