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SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr chattet mit Blick.ch-Leserinnen und – Lesern. (Blick.ch)
Felix Straub (19 jährig, Zug): Liebe Frau Fehr, können Sie sich erklären, weshalb die SP, vorallem Regional, immer schwächer wird? Bei uns im Kanton Zug ist die SP sehr »Gesichtslos«. Obwohl ich gerne SP wählen würde, fällt es mir hier sehr schwer und ich drifte zu anderen Links Parteien ab.
Jacqueline Fehr: Treten Sie der SP Zug bei und geben Sie ihr ein Gesicht! Das würde mich sehr freuen und ich bin sicher, dass wir gemeinsam noch manche Stricke verreissen könnten. ;-))
Zürcher Urs, Zürich: Unterstützen Sie die politischen Bestrebungen, Pokerturniere bis CHF 100.-- auch wieder ausserhalb von Casinos zu erlauben?
Jacqueline Fehr: Ja, ich bin dagegen, dass man überall mit dem Gesetz winkt.
Künzler,Philipp,Winterthur: Das UBS-Debakel zeigt, dass es starke SP-Eponenten braucht. Leider wird die SPdurch die Juso unterwandert und viele Kandidaten ohne Profil auf Wahllisten gestellt, was meinst du dazu?
Jacqueline Fehr: Ja, es braucht eine starke SP! Ich danke Ihnen für die Unterstützung! Aber es braucht auch eine starke Juso, davon bin ich überzeugt. Wir müssen nicht mit allem einverstanden sein, was sie tun und fordern. Unsere Eltern waren es mit uns auch nicht.
E. Joerg, Chur: Guten Tag Frau Fehr Sie wollen Tagesschulen und Kindertagesstätten fördern. Steht da die klassische „Rollenverteilung“ nicht hinten an oder wie werden die unterstützt?
Jacqueline Fehr: Kindertagesstätten und Tagesschulen sind eine Chance für Kinder! Wir sollten uns vom Kulturkampf über die Geschlechterrollen lösen.
Gabor Balazs, Bern: Was ist eigentlich mit unserem »sogenannten Bildungssystem« hier in unserem Land los ist? Wieso brauchen wir immer mehr gut qualifizierte Arbeiter aus dem Ausland? Können oder wollen wir hier in der Schweiz das Bildungssystem nicht revolutionieren? Schweden beispielsweise diskutiert nicht, sondern »setzt um«. Die Jugenarbeitslosigkeit in unserem Land ist erschreckend hoch. Was tun wir konkret dagegen? Welchen Bildungsstandart wollen wir? Mit Noten abschaffen ist es wohl doch nicht getan. Wie erklären Sie Ihren Wählern was passiert, wenn in einigen Jahren die mehrsprachigen Russen, Ungaren, Polen und Bulgaren auf den Schweizer Arbeitsmarkt drängen?
Jacqueline Fehr: In Bildung müssen wir künftig mehr investieren. Und zwar auf allen Stufen, auch in der Weiterbildung. Ein klassisches Beispiel ist die Medizin: Wir brauchen jedes Jahr 600 Ärztinnen und Ärzte vom Ausland, weil es an unseren Universitäten zu wenig Studienplätze hat. Statt diese zu schaffen, wurden in den letzten Jahren die Steuern für die sehr reichen Leute und die Unternehmen gesenkt.
Markus, Wetzikon: Was halten sie von einem bedingungslosen Grundeinkommen in der Schweiz?
Jacqueline Fehr: Persönlich bin ich skeptisch, weil ich glaube, dass das Grundeinkommen nie so hoch sein wird, dass es wirklich die Lebenskosten deckt. Wir brauchen aber eine bessere Koordination der heutigen sozialen Leistungen, damit das Geld nicht in die Bürokratie fliesst, sondern bei den Leuten auch wirklich ankommt.
Heiner Kleist, St. Gallen: Die SP will eine Einheitskasse, gleichzeitig ist es die Partei, die jeweils für neue Leistungen in der Grundversicherung ist (Komplementärmedizin). Warum glauben Sie, eine EK sei günstiger, obwohl der Leistungskatalog ständig aufgebläht wird?
Jacqueline Fehr: Das Volk, nicht die SP, hat entschieden, dass es die Komplementärmedizin im Leistungskatalog will und das mit gutem Grund. Diese Medizin hilft nämlich Kosten sparen. zur Einheitskasse: Kämen Sie auf die Idee, die heutige Post auf 80 Gesellschaften aufzuteilen, um durch diesen Wettbewerb bessere Leistungen zu haben? Eben. ;-)
Helmut Brüggler Gais: Wer garantiert uns bei einem EU-Beitritt, dass es mit unseren Finanzen nicht auch abwärtsgeht?
Jacqueline Fehr: Wir selber. Das Heft für das politische Handeln liegt in unseren Händen. Gerade das aktuelle Beispiel mit dem starken Franken zeigt, dass die Wirtschaft schon lange nicht mehr vor den Grenzen halt macht.
Meiner Markus, Steffisburg: Liebe Frau Fehr, welche »Mittel« benötigen oder verwenden Sie, damit Sie den tagtäglichen Kampf mit gewissen Politikerinnen und Politiker aushalten können?
Jacqueline Fehr: Politik ist ein soziales Projekt. Das heisst: Man macht Politik nie alleine, sondern immer im Team zusammen mit spannenden, engagierten Leuten. Das gibt die Kraft, die es braucht, um Ideen auch über Jahre zu verfolgen und sich nicht von Niederlagen entmutigen zu lassen.
Daniela, Bern: Guten Tag Frau Fehr, oben haben Sie erwähnt, dass die SP handelt betreffend dem Problem mit den kriminellen Ausländern. Ich persönlich frage mich nur, wo handeln die SP oder Sie und wie?!
Jacqueline Fehr: Wir handeln bei den kriminellen Ausländern gleich wie bei den kriminellen Schweizern. Sie werden nach schweizerischem Recht verurteilt, wenn sie vom Gericht als schuldig befunden wurden.
Peter Marthaler Chur: Worin unterscheidet sich die SP von den Grünen, ausser dass sie eine Regierungspartei ist (die Grünen vielleicht ja bald auch einmal)?
Jacqueline Fehr: Die SP ist eine traditionsreiche, verlässliche politische Kraft, sie sich seit bald 125 Jahren für eime Poliitik einsetzt, die dem Wohl aller dient und nicht einfach die Sonderinteresen von ein paar Privilegierten vertritt. Damit ist erfahrener und berechenbarer als es die Grünen sind.
Url Ronald, Selzach: Wie wollen Sie der momentanen Jugengewalt Situation begegnen seit den Vorfällen in Zürich kann man ja nicht mehr von einem Reinen Sportproblem (Fussball) sprechen. Ist eine strenge Repression die Lösung ohne genaue Analyse der Siutation wie es andere Parteien auf Ihrem Wahlprogramm haben?
Jacqueline Fehr: Die Polizei macht einen schwierigen Job, vor allem wegen der vielen Gafferinnen und Gaffer. Wir brauchen aber nicht mehr Repression, sondern die Nerven, um auf einen solche Ausbruch von Zerstörung gelassen zu reagieren. Und dort, wo die jungen Menschen konkrete Anliegen haben, haben sie auch ein offenes Ohr verdient.
Wiggenhauser,Ruth,Burgdorf: Was tut Ihre Partei für den Mittelstand?Wir sind mit dem Einkommen so positioniert dass, wir immer ganz kapp über der Grenze für z.B. Zuschuss für Krankenkasse oder Stipendien für unsere Kinder liegen. Am Schluss bleibt so nicht viel übrig. Möchte noch beifügen: ich finde Sie sind eine sehr gute Politikerin.
Jacqueline Fehr: Danke!! Am meisten drücken die Mietkosten, die Kosten für die Gesundheit und je nach Situation die Kinderbetreuungskosten. Deshalb fordern wir in diesen drei Bereichen eine deutliche Entlastung des Mittelstandes sowie gerechte Löhne und Renten.
Valentin Hitz, Oberbbözberg: Grüezi Frau Fehr. Wie stehen Sie zu den auch als SP-Nationalrat antretenden Secondos+ ? Können Sie solche Gesinnungen und Forderungen wie sie ein Petrusic anbringt vertreten?
Jacqueline Fehr: Mir gefällt die Schweizerfahne. Aber in diesem Land darf man unterschiedlicher Meinung sein. Oder?
E. Vogt Endingen: Wann schaffen Sie den Kapitalismus ab, so wie es die SP immer wieder einfordert?
Jacqueline Fehr: Das können wir nur gemeinsam!
Peter Minder Port: Wer unternimmt etwas gegen die familienschädigenden Zahnarzttarife?
Jacqueline Fehr: Ich habe letzten Freitag auch eine Zahnarztrechnung für meinen Sohn für 1300 Franken gefunden und das, nachdem die Zahnkorrektur schon sehr teuer war. Das ist wirklich happig!! Die SP hat einen Vorstoss gemacht, um Basisleistungen für die Kinderzahnpflege künftig zu versichern.
Martin D., Schaffhausen: Was bringt ein EU-Beitritt unserer Schweiz. Bisher profitierten ja ausschliesslich wirtschaftlich sehr schwache staaten von der EU, Deutschland, Frankreich etc blutet nur noch. Die Sieger sind die korrupten Ost-Staaten. Was möchte die Schweiz von diesem alten Kuchen denn haben??
Jacqueline Fehr: Je besser es anderen Ländern wirtschaftlich geht, desto besser für die Schweiz. Sie kennen sicher Mani Matters Lied: Dene wos guet geit ...
Karl Jäggi, Olten: Glauben Sie, dass die SP bei diesen Wahlen gewinnen wird? Und wenn ja, wieso?
Jacqueline Fehr: Ja, die SP wird die Wahlen gewinnen, und zwar weil die SP die einzige Partei ist, die eine Politik für alle statt für wenige macht. Wir kämpfen wir tiefere Mietzinsen und Krankenkassenprämien, lassen uns von Lobbies im Bundeshaus nicht vom weg abbringen und werden mit unserer Cleantech-Initiative dafür sorgen, dass der Atomausstieg zum grössten Beschäftigungsprogramm für die einheimische Industrie wird, das die Schweiz je hatte.
Neurauter Willi, Mettmenstetten: Liebe Frau Fehr, ich habe den Eindruck, Sie haben die Nichtwahl in den Bundesrat noch nicht verdaut. Stimmt es, dass Sie seither viel »giftiger« ihre Meinungen vertreten ?
Jacqueline Fehr: Im Gegenteil. Ich selber fühle mich sehr viel freier, seit diese Frage geklärt ist. Wann bin ich Ihnen »giftig" rübergekommen? Wissen Sie: Wenn ich jeweils die Reaktionen auf Auftritte von mir durchlese, werde ich mir bewusst, wie verschieden die Geschmäcker und die Erwartungen sind. Was den einen giftig erscheint, ist für die anderen viel zu zahm.
Roman Ritter, Zürich: Was hat die Piratenpartei, was die SP nicht mehr hat?
Jacqueline Fehr: Narrenfreiheit. Die Piratenpartei hat noch keine politische Verantwortung und damit einen sympathischen Anstrich von Rebellion.
Peter Marthaler Chur: Hallo Jacqueline, Du bist für mich eine sehr sympathische Frau und Politikerin. Ich find aber, dass niemand mehr als 3 Legisalturen in einem politischen Amt sein sollte. Mit der Zeit nimmt das Feuer für die Sache einfach ab, das zeigte sich ja auch gut beim Genosse Hämmerle. Dich würde ich eigntlich lieber im Ständerat sehen.
Jacqueline Fehr: Ciao Peter! Ja, irgenwann nimmt der Elan ab, das stimmt. Aber letztlich ist das von Person zu Person sehr unterschiedlich. Ich plädiere für einen guten Mix zwischen Erfahrung und frischem Wind. Dass in der SP die Jungen so stark sind und hoffentlich auch viele von ihnen wie Jon Pult, Cédric Wermuth und Patrick Angele gewählt werden.
Hans Kobelt, Frauenfeld: Frau Fehr, wie tief sitzt bei Ihnen der Frust noch, dass Sie nicht Bundesrätin geworden sind?
Jacqueline Fehr: Ich bin sehr glücklich, dass überhaupt kein Frust zurück geblieben ist. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich Frau Sommaruge eine sehr gute Bundesrätin finde.
Kummer Mats, Wetzikon: Wieso wird das Problem von kriminellen Ausländern, Schulen mit 80% Ausländeranteil, etc. von der SP immer schön geredet, bzw. banalisiert? Ich bin in einem SP-Haus aufgewachsen, kann aber einfach nicht verstehen, wie blind diese Partei für diese Probleme ist...
Jacqueline Fehr: Die SP redet das Problem überhaupt nicht schön, sondern handelt. Nicht umsonst wählen dort, wo viele Ausländer leben, – also in den Städten – die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich SP. Setzen wir uns gemeinsam für eine Schweiz ein, in der uns allen wohl ist. Und lassen wir die Sündenbockpolitik in den Mottenkisten der Vergangenheit!
Dervic Nermin Sirnach TG: Was denken Sie über die FDP?
Jacqueline Fehr: Schade, dass sie nicht mehr eine wirklich staatstragende, liberale Partei sind, sondern meist im Seitewagen der SVP fahren. Und schade, dass sie das Thema Ökologie politisch immer noch nicht als Chance sehen.
René Keller, Gipf-Oberfrick: Frau NR Fehr, wie werden Sie beim gemeinsamen Sorgerecht als Regelfall und im Ausnahmefall das alleinige Sorgerecht, stimmen ?
Jacqueline Fehr: Wie die Vorlage aussieht, wissen wir noch nicht. Wichtig wird sein, dass genau geregelt wird, wer im Konfliktfall entscheidet. Wir können ja nicht davon ausgehen, dass ein Paar alle Fragen einvernehmlich lösen wird. Sonst wären sie ja wohl nicht geschieden.
Jost Simon, Bern: Wenn sie nicht bei der SP wären, zu welcher Partei würden Sie wechseln?
Jacqueline Fehr: vielleicht bei der Piratenpartei?
E. Vogt Endingen: Warum sind Sie gegen das gemeinsame Sorgerecht und wer steckte dahinter dass Fr Sommaruga kurz nach deren Wahl dieses Thema absichtlich torpedierte? Das Wohl der Kinder scheint bei der SP kein Thema, aber dass die Väter noch unter deren Existenzminimum gedrückt werden ist eher asozial.
Jacqueline Fehr: Ich bin für das gemeinsame Sorgerecht, aber nur dort, wo sich das Paar darauf einigt. Wenn Eltern zum gemeinsamen Sorgerecht gezwungen werden, ist die Gefahr sehr gross, dass die Streitereien weitergehen. Und darunter leiden die Kinder am meisten.
Roth, Phil, Aarau: Hallo Frau Fehr, warum haben fast alle Politikerinnen kurze Haare?
Jacqueline Fehr: Nun, vielleicht weil wir ständig im Wind stehen und sich dazu Langhaarfrisuren nicht so eignen?
Haluke, Simon, Aarwangen: Sind Sie ein EU-Turbo?
Jacqueline Fehr: Nein, ein Turbo bin ich nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir bald einmal unsere Interessen besser vertreten können, wenn wir bei der EU dabei sind. Zudem können wir beruhigt sein: Beitreten werden wir erst, wenn das eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger so will.