Mit Asbest unterwegs

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Sarah Kuhni

In Basel waren Asbest-Trams unterwegs. In Bern sind sie es heute noch.

In der Stadt kommt kaum jemand ohne Tram aus. Täglich verlassen sich Pendler auf die Pünktlichkeit und das sichere Reisen. Was niemand wusste: Bis vor wenigen Jahren fuhren die Passagiere in Asbest-Trams.

Bis sie die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) vor zehn Jahren entsorgten, waren die Trams rund 50 Jahre lang im Einsatz. «Das Alter war der Grund», sagt BVB-Sprecherin Dagmar Jenny gegenüber Blick am Abend. Sie bestätigt: «In einer Tram-Serie gab es Wagen, für die aussen am Dach Asbest als Isolationsmaterial verwendet wurde.» Für Passagiere habe keine Gefahr bestanden, sagt Jenny. Aber: Asbestfasern sind gefährlich. Sie können in die Lunge gelangen und Lungenkrebs auslösen. Deswegen wird heute nicht mehr Asbest verbaut.

Noch unterwegs

Anders als in Basel fahren in Bern immer noch Asbest-Trams. Zwar liess Bernmobil die meisten Anhänger vor sechs Jahren von Asbest befreien, doch in Notfällen dienen ein paar wenige noch heute für den Personen-Transport. Laut Bernmobil sei den Passagieren nicht bewusst, dass sie in Asbest-Anhängern reisten. «Das Material ist sicher, erst bei der Entsorgung wird es gefährlich», sagt Bernmobil-Sprecherin Annegret Hewlett. «Da keine Gefahr besteht, gab es für uns keinen Grund, die Passagiere zu informieren.» Die letzten Asbest-Anhänger würden in den nächsten Jahren entsorgt. Über die Tram-Situation in Zürich konnte die Pressestelle bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgeben.

Die Basler Verkehrs-Betriebe suchten für die Trams einen Käufer. Doch wegen des hohen Alters ohne Erfolg. Die Weitergabe in den Osten war aus Kostengründen nicht mehr möglich. Denn wegen des Asbests mussten Spezialisten die Fahrzeuge zerlegen. Sie waren nur noch giftiger Schrott.

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«Folgen erst Jahrzehnte später»

Nachgefragt bei Erich Wiederkehr (50), Mediensprecher Suva

Wann ist Asbest gefährlich?
Asbest ist dann gefährlich, wenn es in ungebundener Form vorkommt, das heisst wenn Asbestfasern freigesetzt werden. Früher wurde Asbest als Isolierung und im Brandschutz eingesetzt. In gebundener Form, also bei alten Eternitplatten als Hausfassaden, werden keine Asbestfasern freigesetzt – so lange die Platten unbeschädigt bleiben.

Was ist gefährlich?
Gefährlich sind die Asbestfasern, weil sie beim Einatmen in die Lunge eindringen. Dort können sie das Gewebe verletzen und schlimmstenfalls Krebs auslösen.

Gibt es noch andere bekannte Folgen?
Es sind verschiedene Berufskrankheiten bekannt: Etwa die Asbeststaublunge – die kommt jedoch heute kaum noch vor. Oder ein sogenanntes Mesotheliom. Das ist ein bösartiger Tumor des Brust- oder Bauchfells, der unter Umständen erst Jahrzehnte nach Kontakt mit Asbest ausbricht.

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