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Mit 170 km/h ins Dorf: Im Internet geschnappt

Es könnte ein gefundenes Fressen sein für die Polizei. Angeber, die mit ihren gefilmten Rasereien im Internet prahlen. Wenigstens wurde jetzt mal einer geschnappt.

Von Karin Baltisberger und Beat Michel | Aktualisiert um 11:33 | 14.04.2008
Sie finden sich cool und mutig. Ein 18-Jähriger und sein 17-jähriger Kollege fahren Mitte 2006 auf der Delsbergerstrasse Richtung Liesberg BL. Und sie geben Gas. Mächtig Gas. Sie kommen auf 160 bis 170 Stundenkilometer auf der kurvenlosen Strasse. Erlaubt wären 80. Der jüngere Beifahrer filmt ­alles mit seiner Handy-Kamera.

Kurz nach der Raserei stellen die beiden Automechaniker das Video auf «festzeit.ch». Das Party-Portal der Region Basel geriet in letzter Zeit immer wieder wegen Beleidigungen und Drohungen in die Schlagzeilen (siehe Box).

Über ein Jahr lang können die meist sehr jungen Besucher von «festzeit.ch» das Video der beiden Angeber anschauen.

Niemand reagiert – auch nicht die Polizei oder die Betreiber der Website. Bis eine Drittperson im November 2007 den Vorfall bei den Behörden anzeigt.

Die Kantonspolizei Basel-Landschaft nimmt umgehend Ermittlungen auf. «Auf dem Video erkennt man die Umgebung, das ­Interieur des Autos und zwischendurch den Fahrer selbst», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Immer wieder filmte der Beifahrer auch die Geschwindigkeitsanzeige. «Die beiden hatten sichtlich Spass an dem, was sie taten, fanden sich cool.»

Die Kantonspolizei betreibt grossen Aufwand, um die Raser zu finden. «Es ist auf solch qualitativ schlechten Videos immer schwer zu erkennen, wo die Raser überhaupt durchfahren. Aber unsere Verkehrspolizisten kennen die Gegend sehr gut», erklärt Stöcklin.

Dank ihnen und Internetspezialisten habe die Polizei die Raser gefunden. Beide wohnen in der Region. Einer im Kanton Baselland, der andere im Solothurnischen. Sie gestehen die Tat. «Noch wissen wir aber nicht, wem das blaue Auto gehört und wo es ist», sagt Stöcklin.

Die Raser von Liesberg sind kein Einzelfall. Im Internet kursieren Dutzende solche Raser-Videos. Besonders auf «YouTube» sind solche Prahlereien beliebt.

Zum Beispiel der User «Sambaleone». Er veröffentlichte folgende Szene: Zwei junge Männer mit Zürcher Dialekt verfolgen im Auto auf kurviger Bergstrasse einen Motorradfahrer. Der versucht sie abzuhängen, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. Auto und Töff sind viel zu schnell unterwegs, leisten sich waghalsige Überhol-manöver, schneiden die Kurven, überfahren Sicherheitslinien.

«Lesorcerer» stellte ein anderes Rennen zwischen einem Auto und einem Töff auf «YouTube». Nur wussten die beiden Hauptdarsteller nichts davon. In einem Kommentar unter dem Video bitten sie, es solle aus «YouTube» entfernt werden: «Das Video ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.» Bis jetzt bitten sie vergeblich.

Dass solche Videos existieren, weiss auch die Polizei. «Die Dunkelziffer ist bestimmt hoch», sagt Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau. Sie sucht trotzdem nicht gezielt nach den Filmchen. Man habe schlicht keine Kapazitäten dafür.

Darum wird man auch im Baselbiet so schnell keine Bluff-Raser mehr schnappen – keine Zeit! «Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen», sagt Polizeisprecher Stöcklin.

Sein Bündner Kollege Daniel Zinsli ergänzt: «Es ist nicht nur zeitaufwändig, die Videos zu suchen – sondern dann auch noch die Täter zu ermitteln.» Wenn der Vorfall nicht massiv sei, könne man ihn gar nicht weiterverfolgen.

Immerhin, einen Raser haben auch die Bündner schon mal geschnappt. Im Oktober 2006.
Dieses Video wurde aus YouTube entfernt
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