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Es ist die grösste Massenverhaftung in Luzern. Immer mehr peinliche Details werden bekannt.
Am Abend vor der Auslosung zur Euro 08. Ganz Europa blickt auf Luzern. Die Stadt will Ruhe haben.
Doch junge Leute haben eine Demo geplant. Gegen 20 Uhr versammeln sich Hunderte an den verschiedensten Orten zu einem «Strassenfest».
Dabei hat die Luzerner Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer (SP/49) sie gewarnt: «Die geplante Demo zugunsten des zugesperrten Kulturzentrum Boa werden wir am Vorabend der Euro-08-Auslosung nicht dulden.» In der Stadt wimmelt es von Polizisten. Aus der ganzen Zentralschweiz sind sie angereist. Viele Hundert.
Als die Strassenfestler einen Umzug bilden wollen, werden sie von den Polizisten in Kampfmontur eingekesselt. Unter den Verhafteten sind viele zufällige Passanten. Frauen, Männer, Jugendliche. Etwa jener, der mit gebrochenem Fuss auf Krücken unterwegs ist zu einer Notfallstation.
«Wir haben uns gegenseitig eingehängt. Damit wir loslassen, sprühte uns einer Pfefferspray in die
Augen», schildert Ellen B. (22).
Doch das ist nur der Anfang einer langen Nacht voller Schikanen und Demütigungen.
Die 245 Verhafteten werden in Kleinbusse gesteckt und zum neuen Luzerner Auffanglager für Massenverhaftungen gekarrt. An der Euro 08 will man in der ehemaligen Zivilschutzanlage Sonnenberg Hooligans unterbringen.
Die 245 Leute werden schon jetzt so behandelt – als wäre es ein Aufwärmtraining für die Polizei.
Stundenlang müssen die Verhafteten warten. Gefesselt hocken bis 50 Personen zusammengepfercht in einem abgegitterten Raum. Toilette benutzen? Vergiss es! Wasser? Fehlanzeige. Kontakt zur Aussenwelt? Keiner. Und mittendrin im Chaos ein paar überforderte Zivilschützler.
Sie schauen zu, während sich die Gefangenen vor den Polizeibeamten nackt ausziehen müssen. Männer, Frauen, sogar minderjährige Mädchen. Der bekannte Freiburger Staatsrechtler Franz Riklin ist empört: «Einmal mehr hat die Polizei dieses sattsam bekannte Demütigungsritual praktiziert. Mir unverständlich.» Durch Abtasten und Metalldetektoren hätte man problemlos allfällige gefährliche Gegenstände orten können.
Riklin wird deutlich: «Ich würde es begrüssen, wenn endlich einmal jemand Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs einreichen würde. Damit die Justiz Gelegenheit bekommt, sich mit dieser problematischen Praxis zu befassen.» Das könnte schon bald passieren. Ein mit Jus-Studenten besetztes Beratungsteam prüft rechtliche Schritte. Ein Vertreter des Teams zu BLICK: «Auch eine Sammelklage wird ins Auge gefasst.»
Lesen Sie heute in der Zeitung: Opfer packen aus!