Milliarden-Business Mineralwasser

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Matthias Pfander
Ausserirdisch In der künstlichen Wolke an der Expo.02 wurde an der «Angel-Bar» nur Wasser, dafür aus aller Welt, ausgeschenkt

Leitungswasser ist gleich gesund wie das Mineral aus der Flasche. Trotzdem wird Wasser um die Welt gekarrt. Es ist ein Riesengeschäft.

Wahnsinn: Einmal kostet es 132 Franken pro Liter, einmal fliesst es fast gratis aus dem Hahn in der Küche der Wohnung. Aber immer ist es Trinkwasser. Wo liegt der Unterschied?

Selbst Mediziner sind der Meinung: «Die positiven Effekte von Mineralwasser aus der Flasche werden meistens übertrieben.» Professor Rudolf Wüthrich, Facharzt für Innere Medizin am Zürcher Universitätsspital, ist überzeugt: «Unser Leitungswasser ist genauso gesund wie Mineralwasser in der Flasche.» Seit kurzem trinkt er zu Hause nur noch Wasser ab der Röhre.

CVP-Nationalrat Jacques Neirynck will, dass das in der Schweiz alle so machen. Er fordert ein Verbot für Mineralwasser in den Läden. Es soll nur noch in den Apotheken gegen ärztliches Rezept verkauft werden.

Doch gegen einen solch radikalen Schritt gäbe es erbitterten Widerstand. Denn das Mineralwasser ist zum weltumspannenden Geschäft geworden. Milliarden von Litern werden über die Grenzen gekarrt, von einem Kontinent zum nächsten geschippert oder durch die Luft geflogen.

Obwohl es in der Schweiz viele Mineralquellen gibt, wird auch bei uns immer mehr Wasser importiert. Im letzten Jahr sind laut Zollstatistik 307 Millionen Liter Mineralwasser für rund 97 Millionen Franken in die Schweiz importiert worden. Mit Blöterli und ohne. Das meiste aus Italien und Frankreich. Aber auch aus Patagonien in Argentinien, aus Island oder aus Japan. Ein ökologischer Unsinn, denn für den Transport des Wassers wird viel Erdöl verbraucht.

Im internationalen Milliardengeschäft mit Mineralwasser ist der Schweizer Nestlé-Konzern Marktführer. Im Jahr 1969 beteiligte er sich am französischen Vittel. Heute besitzt Nestlé 72 Wassermarken, produziert in 37 Ländern und ver-kauft in 130 Länder. 10,4 Milliarden Franken Umsatz nur mit Wasser.

Dass Wasser Geld verspricht, hat auch die Migros gemerkt. Sie steigt jetzt ins internationale Geschäft ein, wie «Cash daily» berichtet. Die Migros-Tochter Aproz will Wasser mit dem Namen Valais und dem Matterhorn auf der Etikette nach Amerika verkaufen. Den ökologischen Blödsinn des Geschäfts nimmt der Grossverteiler in Kauf. «Die Preise müssen runter, die Löhne rauf – wir sind gezwungen, unsere Geschäfte ins Ausland auszuweiten, um die Arbeitsplätze bei der Migros-Industrie zu sichern», rechtfertigt man den Schritt.

Vielleicht fahren ja bald Hollywood-Stars auf das Wasser aus dem Wallis ab. Es käme sie jedenfalls viel günstiger als «Bling H₂O» (siehe Tabelle), nach dem sie verrückt sind. Die Flasche ist mit Swarovski-Steinen beklebt, als Verschluss dient ein echter Korkzapfen. Trotzdem, am Schluss ist auch nur Wasser drin. Aus einer Quelle im US-Bundesstaat Tennessee.

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