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Zur Lösung der Affäre Gaddafi sollte sich die Schweiz nach Meinung Arnold Hottinger am libyschen Staatschef Muammar Gaddafi orientieren und nicht an den Regeln des Rechtsstaats.
«Der Rechtsstaat hat in Libyen keine Bedeutung. Man muss schauen, wie man Gaddafi beschwichtigen kann», sagte der profunde Kenner der arabischen Welt in einem Interview im «Tages-Anzeiger» und im «Bund» von heute. Dabei komme es auf die Geschicklichkeit der Schweiz an.
Hottinger vergleicht die Affäre Gaddafi mit einer Stammesfehde, die durch einen Schiedsrichter gelöst werden müsse. «Das muss so über die Bühne gehen, dass Gaddafi sein Gesicht nicht verliert», führt Hottinger aus.
Mit der Geschichte um seinen Sohn Hannibal habe Gaddafi sein Gesicht verloren. «Er hat das Bedürfnis, sein Gesicht wiederzugewinnen», sagte Hottinger.
Nach seiner Meinung hätte Bundespräsident Hans-Rudolf Merz bei seiner Reise nach Tripolis auch in Kauf nehmen müssen, mehrere Tage auf Gaddafi zu warten. Es brauche eine Ouvertüre, in der sich Gaddafi in Szene setzen könne, und nicht seine Minister.
«Gaddafi wollte einen Präsidenten. Merz kommt, redet zuerst mit untergeordneten Leuten, man sagt ihm, er könne auch mit Gaddafi reden – und Merz fliegt ab. Muammar Gaddafi war empört», erläuterte Hottinger.
Wichtig sei weiter, dass das Schiedsgericht in der Affäre Gaddafi versöhne und nicht verurteile. «Wenn es sich gegen Libyen stellt, nimmt sich Gaddafi ein paar Geiseln mehr», warnte Hottinger.
Mit Blick auf Gaddafis Forderung, die Schweiz aufzulösen sagte Hottinger, «grosses Geschrei und Empörung in der Schweiz wären das falsche Signal». In diesem Fall mache Gaddafi weiter. «Dann nimmt er den Botschafter in Libyen gefangen. Was macht die Schweiz dann?», fragte er.
Gaddafis Rachebedürfnis ist Hottinger zufolge noch lange nicht gestillt. Es müsse ihm jedoch klar werden, dass die Aufteilung der Schweiz ein unrealistisches Projekt sei. (SDA/hhs)
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Hans-Rudolf Merz mochte in Tripolis nicht tagelang warten, bis ihn Gaddafi endlich empfangen würde. (Keystone)