Merci, Deutsche – aber ihr macht uns Angst

  • Publiziert: 01.10.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

ZÜRICH – Die AHV profitiert von gutverdienenden Einwanderern aus unserem nördlichen Nachbarland. Doch viele Schweizer haben Angst, dass ihnen Deutsche die Karriere vermiesen.

Die Schweiz erlebt eine neue Art der Zuwanderung, jene der Hochqualifizierten. Mittlerweile besitzen 58 Prozent der Immigranten einen Hochschulabschluss. Und 60 Prozent der Führungskräfte von börsenkotierten Schweizer Firmen stammen aus dem Ausland.

Dies geht aus dem heute veröffentlichten Buch «Die neue Zuwanderung – Die Schweiz zwischen Brain Gain und Überfremdungsangst» von Avenir Suisse hervor.

Im Jahr 2007 sind fast 40000 Personen aus beruflichen Gründen in die Schweiz eingewandert. Sie stammen hauptsächlich aus West- und Nordeuropa, in erster Linie aus Deutschland sowie weiteren Nachbarländern der Schweiz. Im Jahr 2000 waren es erst rund 22000.

Wie Avenir Suisse schreibt, werden heute 27 Prozent aller in der Schweiz geleisteten Arbeitsstunden von Ausländerinnen und Ausländern erbracht. In vielen Schlüsselpositionen sei dieser Anteil noch deutlich höher.

AHV profitiert von deutschen Zuwanderern

Für Yves Rossier, den Chef der Schweizer Sozialversicherungen, sind die neuen, gut qualifizierten Einwanderer «ein Segen», wie er gegenüber der «NZZ am Sonntag» betonte. Denn die zugezogenen EU-Bürger zahlen mit ihren hohen Löhnen mehr in die AHV ein, als sie beziehen: Während sie insgesamt für rund 19 Prozent der Beiträge an AHV und IV aufkommen, ist ihr Anteil an den Renten, welche die Sozialversicherungen auszahlen, deutlich geringer: 15 Prozent.

Schweizer haben Angst vor Statusverlust

Im Gegensatz zu bisher zugewanderten Ausländern, die meist einen niedrigen sozialen Status hatten, begegnen die neuen Zuwanderer den Schweizern auf Augenhöhe. Wie Soziologe Kurt Imhof schreibt, wird der Schweizer Mittelstand damit zum ersten Mal mit Konkurrenz konfrontiert.

Verlust- und Statusängste seien die Folge. Sichtbar würden diese in Form der «Deutschen-Debatte». Der Berner Wirtschaftsprofessor Reto Föllmi schreibt in seinem Kapitel allerdings, dass diese Ängste weitgehend unbegründet seien und die neue Zuwanderung überwiegend Gewinner produziere.

Höhere Immobilienpreise in Ballungszentren

Die Immobilienpreise in den Regionen Genf und Zürich sind seit 2000 um rund 20 Prozent gestiegen. Laut Föllmi sind diese Preissteigerungen zumindest teilweise auf die neue Zuwanderung zurückzuführen. Dies berge politischen Sprengstoff und sei Nährboden für soziale Spannungen. (SDA/noo)

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