Maurer: «Wir haben den Überblick verloren»

BERN – Bundesrat Ueli Maurer ist bald seit 100 Tagen im Amt. Zeit, zurückzublicken. Und nach vorne. Aber er hat eine grosse Hürde: die Schweizer Armee.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Sorgenfalten: Ueli Maurer.- Keystone

Wir erinnern uns: Am 10. Dezember 2008 schaffte es Ueli Maurer auf den Thron des Bundesrates – hauchdünn vor Hansjörg Walter. Das hinderte den SVP-Hardliner nicht daran, wenig später sein erklärtes Ziel in die Mikrofone zu diktieren: «Ich will die beste Armee der Welt!»

In einer Woche ist Maurer 100 Tage im Amt. Heute informierte er über seine bisherige Amtszeit. Dabei musste er einräumen: Die Mängel der Armee sind teilweise schwerwiegender, als er erwartet hat.

Die Armeeumbauten hätten zu einem Reformstau geführt. Es sei zu viel in den Trichter gestopft worden, sagte der Verteidigungsminister. Es brauche noch 4 bis 5 Jahre.

Maurer orientierungslos?

«Wir haben den Überblick verloren», sagte Maurer. Zu vieles in den 1000 laufenden Projekten sei «nur angedacht und nicht durchgedacht». Die Führungsstrukturen müssten vereinfacht, die aufgeblähten Stäbe reduziert werden.

Wichtigste Probleme im ersten Jahr seien die EDV-Systeme zur Führungsunterstützung der Armee, die Logistikbasis, die Führungsstrukturen und die Ausbildung. Auf personelle Wechsel will Maurer verzichten. Seine Mitarbeiter seien motiviert und leistungsbereit.

Trotzdem: Die Armee sei nicht so schlecht, wie sie von der SVP dargestellt werde. Jedoch könnten von 20 Infanteriebataillonen aber nur deren 5 sofort kriegstauglich ausgerüstet werden, sagte er.

Doch wie will er sein Ziel, die beste Armee der Welt zu formen, erreichen? Am Tag der Wahl sagte Maurer noch im BLICK-Interview: «Ich brauche da gerne ein Sprichwort: Ideale sind wie Sterne. Man kann sich an ihnen orientieren, aber man kann sie nie erreichen.» Aha. (num/SDA)

Islamisierung

Für Maurer ist die Gefahr der Islamisierung «eine Verkürzung eines sehr komplexen Vorganges, den wir in der Geschichte schon immer wieder beobachten konnten». Die westliche Welt werde in den nächsten Jahren verstärkt konfrontiert sein mit dem Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen. Ein «eigentliches Gefahrenpotenzial» sieht Maurer in der Zuwanderung junger Männer mit schlechter Ausbildung und ohne Arbeit. Auch die Auseinandersetzungen mit Jugendlichen in Frankreich hätten einen kulturellen Hintergrund. «Der ganze Westen muss dieses Problem ernst nehmen.»

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