Maurer und Blocher: Keine Freunde fürs Leben

  • Publiziert: 18.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Spengler

Gegen aussen gab Ueli Maurer immer den Parteisoldaten, loyal zu Parteiidol Christoph Blocher. Intern haben die beiden aber das Heu längst nicht immer auf der gleichen Bühne.

Ueli, der ewige Knecht. Der unterwürfige Diener seines Herrn und Meisters. Als Ueli Maurer 1996 Parteichef der SVP wurde, galt er als unselbständiger Befehlsempfänger von Partei-Übervater Christoph Blocher. Dieses Image haftete Maurer lange an. Doch er hat sich längst aus Blochers Schatten gelöst.

«Das Verhältnis zwischen den beiden war nie wirklich ungetrübt», verrät ein langjähriges SVP-Fraktionsmitglied. Ein anderer Kenner der SVP-Interna drückts bildlich aus: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ueli und seine Anne-Claude sonntags bei Blochers zum Essen eingeladen würden.»

Den Vorwurf, Parteipräsident von Blochers Gnaden zu sein, empfand Maurer schon immer als Beleidigung. Bei Roger Schawinski stampfte er 1999 deshalb mal wutentbrannt bei laufender Kamera aus dem TV-Studio.

Tatsächlich ging Maurer zunehmend auf Distanz zum allmächtigen Parteiidol. Erstmals nach dem Swissair-Grounding. Maurer war für das staatliche Rettungspaket, Blocher dagegen. Maurer musste schliesslich kuschen.

Die internen Spannungen nahmen zu, als der Herrliberger Nationalrat – nicht zuletzt dank Maurers Fleiss – in den Bundesrat einzog. «Mehr als einmal widersetzte sich Maurer, wenn Blocher ein Sonderzüglein durchdrücken wollte», bestätigen mehrere SVP-Parlamentarier.

Nach den Von-Wattenwyl-Gesprächen der Parteipräsidenten mit den Bundesräten legte Maurer immer Wert darauf, selbst der eigenen Fraktion Bericht zu erstatten und diese Rolle nicht Blocher zu überlassen. Gegenüber Zürcher Eigensinn habe er stets das Gesamtinteresse der Partei, auch die Interessen der kleineren Sektionen und der Romands verteidigt.

Deshalb ist er heute in der ganzen Partei respektiert, quer durch alle Lager. Und für die grosse Mehrheit Wunschkandidat für die Schmid-Nachfolge.

Gar nicht verputzen konnte Maurer den Einfluss von Blocher-Gattin Silvia auf die Partei. Als sie auch noch in den Nationalrat wollte, stellte er sich quer: «Nur über meine Leiche», soll Maurer gesagt haben.

Der Blocher-Clan revanchierte sich. In der berüchtigten TV-Dokumentation «Gebrüder Blocher» vom Dezember 2007 zieht Gerhard Blocher über Maurer her: «Er ist langsam etwas verbraucht. Jetzt muss eine andere Persönlichkeit ran.» Wenige Tage später trat Maurer zurück.

play Das waren noch Zeiten! 1990 in Zürich. (Keystone)

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