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Die Grippewelle rollt – und mit ihr kommt der Tod. Jedes Jahr sterben in der Schweiz zwischen 400 und 1000 Personen an den Folgen einer Infektion mit dem Influenza-Virus. Jetzt ist es wieder so weit. Das stellt die Krematorien vor grosse Probleme. «Weil wir während der Festtage niemanden eingeäschert haben, fallen jetzt mehr Tote an», sagt René Burgener, Bestatter vom Friedhof Nordheim in Zürich. In St. Gallen mussten inzwischen Sonderschichten eingelegt und sogar Abdankungen verschoben werden.
Die Krematorien fürchten, dass mit Hunderten von Grippetoten ihre Kapazität endgültig überschritten sein könnte. Peter Germann vom Bestattungsamt St. Gallen: «Im Dezember hatten wir schon überraschend viele Todesfälle. Mit der Grippewelle werden diese Zahlen erfahrungsgemäss noch steigen.»
Das Virus, das die ganze Schweiz bedroht, heisst «Salomon Island» (siehe Box). Dazu kommen noch Influenza B und der besonders aggressive Stamm H3N2. Seit Anfang Jahr breiten sich die Viren von Nordosten über das ganze Land aus.
Werner Wunderli, Chef des nationalen Influenza-Zentrums in Genf und somit oberster Grippe-Experte der Schweiz, empfiehlt jetzt erstmals das Tragen von Gesichtsmasken, um die Ausbreitung der Epidemie einzudämmen. Wunderlis Begründung für die drastische Massnahme, die bisher nur bei einer weltweiten Seuchengefahr (Pandemie) wie die Vogelgrippe gefordert wird: «Die höchste Ansteckungsgefahr droht bei Menschenansammlungen über den sogenannten Tröpfliinfekt».
Dazu gehört das Niesen und Husten. Aber nicht nur: Die Tröpfchen mit den Viren werden sehr häufig auch über die Hände weiterverteilt. Da genügt es schon, dass ein Infizierter seine Nase schneuzt und danach jemandem die Hand schüttelt oder eine Türklinke berührt. Schon sind die Viren weitergereicht. Deshalb darf man während der Grippezeit auch ein wenig unhöflich sein. Man muss ja nicht allen die Hand geben. Empfehlenswert ist auch besonders häufig die Hände zu waschen und sie mit einem Einmalhandtuch zu trocknen.
Wunderli: «Neben diesen Massnahmen ist aber das Tragen einer Maske die wirksamste Methode um die hohe Ansteckungsgefahr zu bekämpfen. Das gilt auch, wenn man bereits erkrankt ist und die Familienangehörigen vor einer Ansteckung verschonen will.»
Zu Hause geht die grösste Gefahr von den eigenen Kindern aus. «Kleinkinder, die noch nie eine Grippe hatten und deshalb keine Antikörper besitzen, tragen bis zu zehnmal mehr Viren in sich als Erwachsene», sagt Wunderli. Die Grippe kommt vom Kindergarten in die Stube. Die angesteckten Eltern verbreiten sie dann in der Arbeitswelt.
Die Masken-Forderung des Grippe-Experten betrifft alle Schweizer, die sich nicht impfen liessen. «Das sind immerhin 85 Prozent der Bevölkerung», sagt Wunderli. Diese Woche, so meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG), sind 30000 Menschen in der Schweiz an der Grippe erkrankt, damit ist das Ausmass einer Epidemie erreicht.
«Die grosse Welle rollt aber erst jetzt an. In den nächsten zwei bis vier Wochen können bis zu 300000 Kranke dazukommen. Mit den Masken wäre es möglich, diese Zahl drastisch zu senken», sagt Wunderli. Er ist zudem überzeugt, dass auch viele Grippe-Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen damit verhindert würden. «Es sind vor allem alte Menschen, die an den Folgen der Grippe sterben. Wenn das nicht geimpfte -Pflegepersonal Masken trägt, dann kann die Sterberate gesenkt werden.»
Wegen der grassierenden Grippe-Epidemie kommen auch die Blutspendezentren in der Schweiz erneut unter Druck. Diese Woche schlug das Rote Kreuz Alarm. Die Vorräte reichten nur noch für vier Tage. «Dank unseres Spendenaufrufs konnten wir vorerst das Schlimmste abwenden», erklärt Beat Frey (52), Direktor der Stiftung Zürcher Blutspendedienst.
Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Frey: «Weil Grippekranke kein Blut spenden dürfen, kann die Lage bald wieder dramatisch werden.»
Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die Sportferien: «Dann wird erfahrungsgemäss viel weniger Blut gespendet als zu normalen Zeiten», erklärt Frey. Wenn die Blutvorräte zur Neige gehen, müssen die Spitäler reagieren und schlimmstenfalls Operationen verschieben.
Nationaler Grippe-Chef: Werner Wunderli empfiehlt Schutzmasken gegen das Grippevirus.- RDB