Mit gesenktem Kopf und unschuldiger Miene, aber in Hand- und Fussfesseln betrat Amine K.* (25) gestern Morgen das Regionalgericht in Nyon VD. Der schmächtige Marokkaner mimt das Unschuldslamm. Dabei hat er fast einen Menschen getötet.

Am 16. November 2011 begeht der Kriminaltourist aus Frankreich mit einem Kom­plizen einen Einbruch in St-Cergue VD. Als die Polizei später deren Wagen kontrollieren will, rast Amine K. frontal in Polizist Yves M.* (59). Der Wachtmeister entkommt dem Tod nur knapp (BLICK berichtete).

Für den Staatsanwalt ist klar: K. wollte den Polizisten in jener Nacht umbringen, die Anklage lautet auf versuchte vorsätzliche Tötung.

Amine K. selber sieht sich mehr als Opfer.

Richter: «Wie kam es zum Einbruch in St-Cergue?»
Amine K.:
«Wir hielten mit dem Auto an, weil ich mich verfahren hatte. Da verschwand mein Kumpel plötzlich in einem Haus. Als ich merkte, dass er einen Diebstahl begehen will, habe ich mit ihm gestritten. Trotzdem hat er die Beute in einem Sack mitgenommen.»

Richter: «Was geschah danach bei der Kontrolle?»
K.:
«Der Polizist zeigte uns, dass wir anhalten sollen. Das wollte ich auch tun. Doch mein Kollege Mehdi wurde wütend, sprang auf meine Knie und zwang mich, Gas zu geben.»

Richter: «Wie haben Sie die Kollision erlebt?»
K.:
«Mehdi sagte, er wolle den Polizisten ausschalten. Er packte das Lenkrad und steuerte auf ihn zu. Ich habe nicht gemerkt, dass wir einen Menschen getroffen haben, weil ich für mehrere Sekunden das Bewusstsein verlor. Ich war unter Schock!»

Richter: «Wie ging es nach dem Unfall weiter?»
K.:
«Das Auto ist von alleine weitergefahren.»

Richter: «Aber da waren viele Kurven.»
K.:
«Ich kann mich nicht erinnern. Es hatte viel Nebel.»

Richter: «Nein, in dieser Nacht nicht. Sie sind dann zu Fuss geflohen?»
K.:
«Nein, ich wollte los und Hilfe suchen.»

Richter: «Aber in einer anderen Befragung sagten Sie, Sie hätten sich versteckt.»
K.:
«Nein, das muss ein Missverständnis gewesen sein.»

Richter: «Ein Polizist sagte heute aus, Sie hätten bei der Verhaftung mit der Tat geprahlt.»
K.:
«Das stimmt auch nicht.»

Die Familie von Opfer Yves M. kann der scheinheiligen Schilderung nur schwer folgen. Immer wieder schütteln Mitglieder den Kopf. Auch Yves M. selbst ist vom Marokkaner angewidert: «Seit der Tat sind meine Gefühle für ihn unverändert: Ich hasse ihn.»

Nach dem Crash musste der Polizist 13 Stunden lang notoperiert werden, es folgten Monate in der Reha-Klinik. «Heute kann ich wieder laufen», sagte er gestern zu BLICK. «Aber ich habe noch immer jeden Tag Schmerzen am ganzen Körper. Einsätze als Polizist sind unmöglich.»

Den ganzen Morgen dauern die abenteuerlichen Schilderungen des Angeklagten. Das Urteil wird am Montag erwartet, der Staatsanwalt fordert sechs Jahre Gefängnis. Am Abend wird Amine K. in Handschellen abgeführt. «Ich bin weder ein Dieb noch ein Mörder», ruft er über die Schulter. Dann ist seine Vorstellung beendet.

* Namen der Redaktion bekannt

Sechs Jahre Gefängnis: Wäre dieses Urteil okay?»

Beliebteste Kommentare

  • Carmen  Fürst
    Ziemlich dreist, diese faulen Ausreden!? Wurde der Marokkaner von einem Schweizer Anwalt so beraten? Schlimm diese Zustände hier zu ertragen. Schade ist auch, dass kein Wort über diesen dubiosen Kumpel geschildert wird?! Hat man den ebenfalls gefasst? Gibt es eine Einvernahme?
    Fremdschämen kann man sich für die ca. 10 Prozent "Ja-Klicker" Ja, letztlich ist das Verhalten des Angeklagten nachvollziehbar. Einfach unglaublich, dass wir solche Mitbürger unter uns haben müssen.
  • fritz  peter
    18 Jahre und keien Tag weniger. Das war für mich versuchter Mord.

Alle Kommentare (20)

  • Geisse  Peter , via Facebook
    wenn die Überschrift "Kriminal Tourist" nur nicht noch in einem Antirassismus Prozess endet !!??
  • Khun  Matin , Zürich
    Er sitzt also schon über 1 Jahr auf unsere Kosten im Knast!!!!!!! Der soll in Marokko sitzen und hier wird das Urteil gefällt! Dass er dann auch in seinem Land abzusitzen hat!
  • Viktor  Lauener , Hochfelden
    Als pensionierter Polizist freut es mich ausserordentlich, dass durchwegs ALLE Leserbriefschreiber die einghellige Meinung vertreten, dass ein solches Individuum zu einer viel höhere Strafe verurteilt werden muss!!!! Auch ich habe mit solchen Rechtsbrechern zu tun gehabt. Wenn die nur den Mund aufmachen lügen die!!!! Und wenn sie dann vor dem Richter stehen jammern und weinen sie dass es einem übel wird von so unsagbarer Dreistigkeit!!!! Dem Kollegen wünsche ich auf diese Art alles, alles Gute und viel Kraft!!!!
  • bruno  schwartz , fahrweid
    Anwälte die solche Leute noch verteidigen sind genauso gefährlich!!
  • Michi  Martin , Aesch
    Der "Kriminaltourismus" in unserem Land boomt, im Ausland hat es schon illegale "Reiseagenturen", denn das Risiko ist berechenbar und die Strafen absehbar. In unseren Gefängnissen haben sie Kontakt zu seinesgleichen und werden gut betreut, bekommen sogar "Sackgeld" für nach der Entlassung, dann gratis Abschiebung und sofort wird wieder eine "Reise" geplant. Mit etwas Glück machen das 2 - 3 junge Kollegen im Team 10 - 20 Jahre lang, dann können sie sich mit dem "Verdienten" zu Hause "Pensionieren" !
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