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Suchaktion Lucies Mutter Nicole Trezzini gestern am Bahnhof Baden AG. (Goran Basic)
Eineinhalb Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Ylenia (51/2) schocktiert ein neues Vermisstendrama die Schweiz. Von Lucie Trezzini (16), dem Au-pair-Mädchen aus Freiburg, gibt es seit Mittwochabend kein Lebenszeichen. Mehrere Dutzend Verwandte und Bekannte verteilten gestern in Zürich und Baden AG Flyer.
Sie baten die Bevölkerung um Mithilfe. Auch Lucies Eltern Nicole (48) und Roland (48) sowie die Geschwister Elsa (19) und Bruno (13) beteiligten sich an der Suchaktion. SonntagsBlick traf Lucies Mutter am Bahnhof in Baden. Die Frau gibt sich beeindruckend stark: «Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.»
Seit August wohnt Lucie bei der Gastfamilie Kayihan/Müller in Pfäffikon SZ. Das Paar beschreibt die Westschweizerin als absolut zuverlässig und pflichtbewusst: «Dass sie sich nicht meldet, passt überhaupt nicht zu ihrem Verhalten», so Chris Müller (44) zu SonntagsBlick.
Am Mittwochnachmittag hatte Lucie frei. Fest steht: Etwa um 14 Uhr fuhr sie mit dem Zug von Pfäffikon nach Zürich. Dort kam sie auch an. Ein Geldbezug von 20 Franken bei einem PostFinance-Automaten beweist es. Grosse Bedeutung hat ein Handygespräch, das Lucie in Zürich mit einem gewissen Steve, einem Freund in der Westschweiz, führte: «Er sagte uns, er habe mitbekommen, wie Lucie während des Gesprächs von einem Mann angesprochen wurde, der etwas von ihr wollte», sagt Mutter Nicole.
Darauf habe Lucie das Gespräch mit Steve abgebrochen und ihn nach zehn Minuten wieder zurückgerufen: «Sie wollte ihm aber nicht sagen, was der Unbekannte wollte.» Nicole Trezzini geht davon aus, dass der Mann per Zufall auf ihre Tochter stiess. Ein möglicher Hinweis, um was es ging, liefert ein Natelgespräch, welches die Vermisste drei Stunden später mit einer Kollegin führte: «Lucie habe die Kollegin gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, für Fotos mit Schmuck zu posieren. Die Kollegin winkte ab», sagt Lucies Mutter.
Sollte die hübsche Freiburgerin dem Unbekannten etwa als Fotomodell dienen? Wurde sie gar in eine Sexfalle gelockt? Die Kantonspolizei Schwyz leitet die interkantonale Suchaktion. Sie will sich zu der Frage nicht äussern. Lucies ältere Schwester Elsa sagt: «Diese Vorstellung ist plausibel. Ich würde nicht gerade sagen, meine Schwester ist naiv.
Aber sie ist sehr offen und es ist nicht schwierig, ihr Vertrauen zu gewinnen.» Auch die Mutter macht sich ihre Gedanken: «Alles ist vorstellbar. Suizid, ein Verbrechen – aber auch eine schwierige Situation, in der sich Lucie jetzt befindet und aus der sie sich nicht mehr herausgetraut.»
Die Polizei geht davon aus, dass Lucie am Mittwoch von Zürich nach Baden weiterfuhr. Dafür spricht eine Zeugenaussage. Auch Lucies Natel konnte dort geortet werden: Das letzte Mal um 22.30 Uhr beim Jugendclub Trafo. Seither herrscht Funkstille.