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Im Vordergrund: Psychologin Julia Onken. (Dominik Baumann)
Die Therapeutin und Autorin Julia Onken (66) verfolgt die aktuelle Offroader-Debatte mit Spannung. Auch sie fährt eine «schwere Maschine» – und meint damit ihren Jaguar. Weil ihre zwei Schäferhunde da nicht reinpassen, hat sie auch einen Offroader. Und für den Stadtverkehr kaufte sie sich gerade einen Smart.
Über die Psyche des Automobilisten sagt die Psychologin: «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Auto als verlängerter Arm unserer Identitätsgebung dienen kann. Ähnlich wie die Kleidung: Auch damit beeinflussen wir, wie die Aussenwelt uns wahrnehmen soll.»
Mit dem Auto könne man leichter wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenz signalisieren: «Je grösser die Karre, desto nötiger hat es ihr Fahrer, einen wichtigen Eindruck zu hinterlassen.»
Natürlich macht die Psychologin auch persönliche Defizite für allzu grosse Brummer verantwortlich: «Es gibt Menschen, die fühlen sich so, wie sie sind, zu wenig wertvoll. Je nach Schweregrad dieses Unwertgefühls muss mit viel PS aufgerüstet werden.»
Aber warum fahren auffällig viele Frauen – auch viele Promis – mit Offroadern durch Schweizer Städte? Nimmt etwa das Unwertgefühl beim weiblichen Geschlecht zu? «Mitnichten!», sagt Onken.
«Eigentlich ist das ein Zeichen der Emanzipation: Wir sehen eine Verschiebung, wie Frauen mit Selbstwertdefiziten umgehen», erklärt die Psychologin. «Gucci-Täschchen und Prada-Blüschen reichen wohl nicht mehr – jetzt zeigt man’s dem Mann mit seinem eigenen Spielzeug. ‹Was ihr könnt, das können wir auch!›»
Frau Onken betont, mit ihren Autos keine Defizite auszugleichen. Sie braucht ihre «schwere Maschine» – wie viele andere Menschen auch – für ihre tägliche Arbeit.