Luxus-Segeltörn für «Carlos von Segeltörn» Jetzt spricht der Sozial-Schiff-Chef!

BERN - Der Fall des «Carlos von Schmerikon» bewegt die Gemüter. Nun spricht der Chef der Stiftung, die den Therapie-Segeltrip anbietet. Es ginge auch teurer, betont er.

Das «Jugendschiff Salomon» soll Problemkinder wieder auf Kurs bringen. play

Das «Jugendschiff Salomon» soll Problemkinder wieder auf Kurs bringen.

www.jugendschiffe.ch

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156'000 Franken - im Minimum: Auf die St. Galler Gemeinde Schmerikon kommen happige Kosten zu. Sie muss die Therapie des verhaltensauffälligen Jugendlichen B. K. (14) bezahlen, der seit 17 Wochen über das Mittelmeer und den Atlantik segelt. Nicht zum Spass, sondern als Therapie!

Hinter dem Therapie-Angebot steht die Stiftung Jugendschiffe. 430 Franken verrechnet die Organisation pro Tag und Jugendlicher. Die Kosten gelten seit diesem Monat – zuvor lagen sie nur unwesentlich tiefer. Sie entsprächen, so schreibt die Stiftung in einer Stellungnahme, den «üblichen Tarifen ähnlicher Angebote in der Schweiz». Co-Leiter Mario Schmidli sagt zu Blick.ch: «Ein Platz in einer geschlossenen Anstalt ist deutlich teurer als bei uns auf dem Schiff.» Das Jugendschiff sei «die letzte Instanz, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt».

Ein Jugendlicher blieb 83 Wochen

Mindestens 40 Wochen dauert die Erlebnistherapie auf dem 47 Meter langen Schiff. Für jede Woche, die sich ein Jugendlicher nach einer Angewöhnungszeit allerdings nicht den Erwartungen entsprechend benimmt, wird eine weitere Woche angehängt.

B.K. hat bislang noch keine einzige Woche bestanden. Bereits jetzt steht folglich fest, dass der Segeltörn deutlich länger als 40 Wochen dauern wird. Es folgt eine Phase der stationären oder ambulanten «Nachbetreuung», die bis zu einem Jahr dauern kann.

Doch K. ist damit kein hoffnungsloser Einzelfall. Der längste Aufenthalt auf dem Schiff habe 83 Wochen gedauert, sagt Schmidli.

Abhauen geht nicht

In dieser Zeit ist die Schulbildung nur zweitrangig. «Der schulische Aspekt ist nicht der wichtigste», sagt Schmidli. «Es geht darum, die Jugendlichen in Sozialkompetenz zu schulen und für den Alltag vorzubereiten.» Das gelingt dem Konzept der Stiftung entsprechend offenbar am besten durch praktische Arbeit. So müssen die Jugendlichen neben dem Schulunterricht unter anderem das Schiff putzen und warten, Haushaltsarbeiten erledigen und Wache schieben.

Das Zusammenleben und -arbeiten ermögliche «Beziehungsqualitäten, welche dem Jugendlichen noch unbekannt sind», schreibt die Stiftung auf ihrem Blog. Denn oftmals hätten die Teenager in ihrer Vergangenheit viele wechselnde Bezugspersonen erlebt. Weil die «herkömmlichen sozialpädagogischen Massnahmen» ohne Erfolg blieben, solls nun der Segeltörn richten. Dieser hat laut Schmidli einen gewichtigen Vorteil gegenüber den herkömmlichen Therapiemassnahmen: «Dadurch, dass wir mit dem Schiff auf See sind, gibt es natürlich keine Möglichkeit abzuhauen.» (lha/jvd)

Publiziert am 26.09.2014 | Aktualisiert am 26.09.2014
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  • Susanne  Moor-Isch , via Facebook 27.09.2014
    Es ist traurig zu sehen, wieviele bei "Steineklopfen" den Daumen nach oben drücken, obwohl das ja gar nicht möglich ist, ob bei Kindern oder Erwachsenen! Aber bei "medizinischer Betreuung" gehen die Daumen nach unten, obwohl man heute weiss, dass schwere Fälle von ADHS kein Erziehungsmanko sind sondern eine Störung im Gehirn mit den Übertragungsrezeptoren. Als dipl.Psych.Sr., anerk. Erzieherin u.Mutter eines extremen ADHSlers 2 Berufe,Matura,OHNE Heim! habe ich viele Erfahrungen!
  • Susanne  Moor-Isch , via Facebook 26.09.2014
    Wenn ein schweres ADHS diagnostiziert ist, gehört der Junge medizinisch betreut und allenfalls auf einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Therapiestation untergebracht, anstatt als "Häftling" auf ein Schiff in ein Arbeitslager ohne Schulunterricht. Sozialpädagogen sind keine Ärzte und schon gar keine Neurologen und Kinderpsychiater! Wer hat diesen Entscheid gefällt? Haben das Ärzte entschieden?
  • Daniela  Schmid 26.09.2014
    B.K war noch nie Straffällig geworden. Er hat auch kein Sucht Problem. Er ist auch nicht Schwererziehbar. Ich kenne diesen Fall von Anfang an. Und noch nie eine solche Behördenwillkür erleben müssen wie in diesem Fall. Er hat ADHS und Psychische Probleme seit einem übergriff. Das wird lieber totgeschwiegen.
  • Susanne  Moor-Isch , via Facebook 26.09.2014
    Bietet denn eine solch verpfuschte Kindheit und ein solcher Übergang ins Jugendalter mit wahrscheinlich schulisch defizitärem Stand und Verstand überhaupt eine Chance auf eine Anlehre/Attestausbildung? Wieso werden Epileptiker, Asthmatiker und Diabetiker medizinisch nach NEUESTEN Kenntnissen therapiert und viele ADHSler lässt man in ihren An-und Ausfällen hängen? Wer entscheidet hier über Sozialpädagogik oder Medizin? Am besten beides kombiniert, da zu Hause kein Rückhalt zu sein scheint...
  • Urs  Gassmann aus Ebikon
    26.09.2014
    Jeden Tag Steineklopfen. Zum Essen gibt es Wasser und Brot. Ich bin sicher, dass die jugendlichen innert 2 Tagen komplett therapiert wären und gerne sich in der Gesellschaft wieder einfinden würden. Strenge Arbeit beflügelt den Geist.