Luigi R.*: So schlug mich meine Frau

  • Publiziert: 14.10.2008, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Roman Neumann

ZÜRICH – Luigi ist über 100 Kilo schwer, ein grosser Mann. Ein Mann, der sich zu wehren weiss. Eigentlich. Doch Luigi wird von seiner Frau geschlagen.

Etwas mehr als eine Woche ist es her, da forderte Michel Craman, Präsident des Zürcher Vereins «Mannschafft», ein Männerhaus für Zürich. Wie bitte? Ein Männerhaus, ein Zufluchtsort für Männer also, die von ihrer Frau geschlagen und missbraucht werden?

Der erste chauvinistische Gedanke: Ja, welcher Mann lässt sich denn von seiner Frau schlagen, gibts denn so was überhaupt? Die traurige Nachricht: Ja, gibt es. Und zwar öfter als allgemein angenommen (Siehe Textbox rechts). Blick.ch hat mit einem Betroffenen über dieses Tabu gesprochen.


Luigi R* ist Taxifahrer aus Zürich. 40 Jahre alt. Ein gemütlicher Mann, ein wenig übergewichtig. Er spricht ruhig, gelassen. Aber wenn er über seine Frau spricht, dann hebt sich seine Stimme. Denn seine Frau, das ist sie, die ihn verprügelt hat. Sie, die ihm das Leben zur Hölle gemacht hat.

Luigi lernt Layla* vor zwei Jahren in Tunesien kennen. Er ist Italiener, er hat ein grosses Herz. «Hab ich mich halt verliebt», sagt er fast entschuldigend. Heute weiss er: das war der grösste Fehler seines Lebens.

Sie, die etwas korpulente Frau, erobert sofort sein Herz. Sein Glück scheint perfekt. Er nimmt sie mit in die Schweiz. «Am Anfang gibt bizzeli Streit, klar, ist doch überall so», sagt Luigi. Das schreckt ihn nicht ab, er liebt sie eben.

Am Hochzeitstag fängt das Martyrium an

Die Hochzeit in Zürich ist schön. Nach der Feier gehen sie nach Hause. Es ist Abend, Layla hat Hunger, will einen Kebab. «Gut, ich geh einen holen», sagt Luigi. Er kommt zurück, sie fängt einen sinnlosen Streit wegen dem Kebab an. Zuletzt schreit sie: «Ich schlafe nicht neben dir!» Luigi versteht die Welt nicht mehr, «es ist doch unsere Hochzeitsnacht?». Er verwirft die Hände.

Es ist März. Luigi hat Nachtschicht, er fährt er Taxi. Am Nachmittag schläft er. So wie an diesem Tag. Da fängt Layla einen Streit an, gibt ihm einen kleinen Stoss. Er achtet nicht drauf, geht ins Schlafzimmer, er muss schliesslich schlafen. Da passierts: Luigi donnert plötzlich ins Regal, kann im Fallen gerade noch den Kopf wegdrehen. Layla hat von hinten auf ihn eingedroschen, auf ihn, den grossen starken Mann. Er liegt am Boden. Er hat Rückenschmerzen, kann sich kaum bewegen.

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Häusliche Gewalt in Zahlen

Amnesty International schreibt, dass bei 5 Prozent bis 10 Prozent der Gewaltfälle in Ehe und Partnerschaft Männer die Opfer seien. Die Stadtzürcher Polizeistatistik der Jahre 1999-2001 ergab, dass rund jedes zehnte Opfer ein Mann ist. Statistiken existieren kaum, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. In den Zahlen aus den Jahren 2004 und 2005 zur polizeilich registrierten Gewalt von Frauen, ergeben sich folgende Zahlen. Gewaltbetroffene Männer: Bern, 12 Prozent; St. Gallen, 18 Prozent; Appenzell AR, 7 Prozent; Zürich, 20 Prozent.

Der Verein «Mannschafft»

«Mannschafft» unterstützt Personen, welche durch Trennungs- und Scheidungsproblemen betroffen sind. Herausgewachsen aus einer Männer orientierten Organisation und Anlaufstelle, versteht sie sich als Forum für interessierte Personen beiderlei Geschlechts, die sich für diese Anliegen engagieren. Nottelefonnummer 044 362 99 80. www.mannschafft.ch
play Häusliche Gewalt: Auch Frauen schlagen zu (Symbolbild). (Blick.ch)

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