Lucie mit Model-Trick entführt?

  • Publiziert: 09.03.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Martin Meier und Adrian Schulthess
play Das letzte Foto? Lucie mit Freundin Gabriella, aufgenommen am Samstag vor einer Woche im Rock Café in Freiburg. (ZVG)

Gabriella (17) ist die beste Freundin der vermissten Lucie (16). Bei ihr sucht das Au-Pair noch Rat — dann ist die Handy-Leitung tot.

Wer ist der mysteriöse Schmuck-Fotograf? Hat er das Freiburger Au-Pair-Mädchen Lucie Trezzini (16) auf dem Gewissen? Die Polizei sucht den Mann fieberhaft, der Lucie am Mittwoch einen Modeljob versprochen hat. Nur ein paar Stunden, bevor die Spur des Mädchens hinter dem Bahnhof Baden AG endete.

Gabriella (17) hat Angst um ihre Freundin. Beide Mädchen stammen aus der Region Freiburg, beide arbeiteten als Au-Pair in der Deutschschweiz – Lucie in Pfäffikon SZ, Gabriella in der Nähe in Lachen SZ. «Lucie dachte, alle Menschen sind lieb», sagt sie.
Zuletzt waren die Mädchen am Samstag vor einer Woche zusammen: «Wir haben am Nachmittag DVDs geschaut, bei Steve daheim, einem Kollegen», sagt Gabriella.
«Am Abend sind wir ausgegangen. Ins Rock Café in Freiburg.» Gabriella machte Erinnerungsfotos. Erinnerungen an einen heiteren Abend. Vielleicht das letzte Foto von Lucie.

Der mysteriöse Schmuck-Fotograf spricht Lucie am Mittwoch um 14.20 Uhr an. Sie telefoniert gerade – am anderen Ende ist Steve (16), der Kollege aus der Heimat. «Wir haben geplaudert, nichts Wichtiges. Sie sei in Zürich, in der Stadt, erzählte sie. Shoppen.»

Plötzlich mischt sich eine Männerstimme ein: «Da hat einer Schweizerdeutsch mit ihr geredet. Ich habe kein Wort verstanden. Und dann hat sie einfach aufgelegt», sagt Steve.

Acht Minuten vergehen. Lucie ruft zurück. «Ich wollte wissen, was los war. Sie sagte es mir nicht», sagt Steve. «Ich hakte nach – aber sie sagt nur: Nein, das sag ich dir nicht.»
Was der Unbekannte von ihr will, das erzählt Lucie nur ihrer Freundin Gabriella. Gegen 17.50 Uhr klingelt ihr Telefon. «Sie sagte: ‹Du, hier ist Lucie. Jemand hat mich gefragt, ob ich für Fotos posieren will. Es geht um Ketten, um Schmuck›», sagt Gabriella. «Dann wollte sie wissen: ‹Denkst du, das wäre eine gute Idee?› Ich fragte: ‹Wann denn? Du hast doch keine Zeit.› Lucies Antwort: ‹Er meint, das wären drei- bis viermal pro Monat!›»

Seltsam sei ihr das vorgekommen, sagt Gabriella. Lucie beendet das Gespräch: «Sie wollte nicht weiterreden, weil das Telefonieren mit dem Handy so teuer ist.»

Von wo aus hat Lucie ihre letzten Telefongespräche geführt? Die Kantonspolizei Schwyz will es aus unerklärlichen Gründen nicht sagen. Möglich, dass Zeugen sich an den Mann erinnern, der Lucie angesprochen hat.

Die Ermittler suchen Personen, die «in den vergangenen Tagen oder Wochen im Raum Zürich von Unbekannten angesprochen wurden» – mit dem Angebot, für Schmuck zu posieren.

«Die Schmuck-Fotos sind eine Masche», weiss Lucies Gastmutter Mualla Kayihan. «Mehrere Frauen haben sich bei mir gemeldet, die von ähnlichen Begegnungen erzählen. Im Bahnhof Zürich, aber auch in einem Club.»

Seit fünf Tagen fehlt von Lucie jede Spur. Ihre Mutter in Freiburg ist am Ende. Schläft kaum. Nicole Trezzini: «Ich war gestern in der Kirche, habe für Lucie gebetet.»

Lucies Welt: Hund, Katze, Model-Maus

Au-Pair Lucie – ihre Gastfamilie kennt sie als zuverlässiges, lebensfrohes Mädchen: «Sie malt gern, ist Tierfreundin», sagt Mualla Kayihan. An die Pinwand in ihrem Zimmer hat Lucie selbstgemalte Bilder gehängt: Eine Tuschezeichnung mit roten und blauen Symbolen; eine hübsche Rothaarige mit Korsage. Daneben eine Zeichnung, die das Gastkind dem Au-Pair zu Weihnachten geschenkt hat. Weiter eine Stoffrose, ein Plüschherz von ihrer Gastmutter, ein Ticket für das Konzert des US-Rappers «The Game» vom 1. Dezember 2008. Und das Foto ihres Katers Wilson. Kayihan: «Auch in unsere drei Katzen ist sie vernarrt. Am liebsten spielt sie mit Diva.» 

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