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Kleine Rückblende, eine Nacht im letzten September: Der Lokführer hat den Auftrag, mit seinem Güterzug von Erstfeld UR zum Badischen Bahnhof in Basel zu fahren und dann wieder ins Reusstal zurückzukehren. Abfahrt ist in aller Herrgottsfrühe, morgens um 3 Uhr. Doch so bleibt dem Mann genügend Zeit, um 12 Uhr wieder daheim zu sein – rechtzeitig, um seinen beiden kleinen Kindern das Mittagessen zu kochen.
Theoretisch. Denn in dieser Nacht läuft alles schief, berichtet die «Aargauer Zeitung». Um ein Haar mit fatalen Konsequenzen. Es fängt damit an, dass die Rückfahrt erst mit drei Stunden Verspätung beginnt. Der Frust des Lokführers ist jetzt schon beträchtlich. Es kommt noch schlimmer. Immer wieder muss der Zug halten. Die Zeit läuft davon. Mit dem Mittagessen daheim in Erstfeld wirds immer knapper. Dann auch noch dies: Vor dem Bahnhof Möhlin AG steht das Signal auf «Warnung». Das bedeutet, der Lokführer muss das bestätigen – und die Bremsung einleiten.
Um ein Haar in Güterzug gedonnert
Genau das macht er aber nicht. Gemäss einem Bericht des Bundesamts für Verkehr fährt er einen Moment weiter – bis er seinen Irrtum bemerkt und eine Vollbremsung macht. Keine Sekunde zu früh! Denn um ein Haar wäre er mit seinem Zug in einen entgegenkommenden Güterzug gedonnert.
Zu seiner Entschuldigung sagte der Lokführer später: Er sei in Gedanken bei seinen Kindern gewesen. Es habe ihn gestresst, dass er womöglich zu spät komme.
«Standardisiertes Gespräch» mit dem Lok-Führer
Was passiert in solchen Fällen mit einem Lokführer? «Der Vorgesetzte führt ein standardisiertes Gespräch», wird SBB-Sprecher Roman Marti zitiert. Ob das reicht?
Schon müssen sich die Unfall-Experten des Bundesamts für Verkehr mit dem nächsten «Signal-Zwischenfall» beschäftigen: Am 18. November übersah ein Lok-Führer das «Rot»-Signal im aargauischen Bahnhof Wildegg. Auch hier waren die Schutzegel wachsam. Der entgegenkommende Interregio raste vorbei, aber es passierte nichts. (snx)