Gravierende Fehler im Bahnbetrieb sind leider kein Einzelfall. Im letzten Herbst vergassen SBB-Lok-Führer gleich zweimal, den Schnellzug Richtung Zürich in Aarau anzuhalten. Ganz stiefmütterlich fühlen sich auch die Fahrgäste im aaraguischen Gelterkinden behandelt. Hier fuhr ein Interregio (19.17 Uhr ab Basel) in Gelterkinden einfach durch. Die «Fahrgastinformation» war mager: «Aus diversen Gründen war es uns nicht möglich, in Gelterkinden anzuhalten.»
Weil er zu seinen Kindern wollte: Lok-Führer vergass zu bremsen
ERSTFELD UR – Zwar: Die Bahn gilt als sicherstes Verkehrsmittel. Doch manchmal ist es pures Glück, dass es nicht zu bösen Unfällen kommt. Wie in diesem Fall.
Aktualisiert um 11:06 | 03.02.2010
Kleine Rückblende, eine Nacht im letzten September: Der Lokführer hat den Auftrag, mit seinem Güterzug von Erstfeld UR zum Badischen Bahnhof in Basel zu fahren und dann wieder ins Reusstal zurückzukehren. Abfahrt ist in aller Herrgottsfrühe, morgens um 3 Uhr. Doch so bleibt dem Mann genügend Zeit, um 12 Uhr wieder daheim zu sein – rechtzeitig, um seinen beiden kleinen Kindern das Mittagessen zu kochen.
Theoretisch. Denn in dieser Nacht läuft alles schief, berichtet die «Aargauer Zeitung». Um ein Haar mit fatalen Konsequenzen. Es fängt damit an, dass die Rückfahrt erst mit drei Stunden Verspätung beginnt. Der Frust des Lokführers ist jetzt schon beträchtlich. Es kommt noch schlimmer. Immer wieder muss der Zug halten. Die Zeit läuft davon. Mit dem Mittagessen daheim in Erstfeld wirds immer knapper. Dann auch noch dies: Vor dem Bahnhof Möhlin AG steht das Signal auf «Warnung». Das bedeutet, der Lokführer muss das bestätigen – und die Bremsung einleiten.
Genau das macht er aber nicht. Gemäss einem Bericht des Bundesamts für Verkehr fährt er einen Moment weiter – bis er seinen Irrtum bemerkt und eine Vollbremsung macht. Keine Sekunde zu früh! Denn um ein Haar wäre er mit seinem Zug in einen entgegenkommenden Güterzug gedonnert.
Zu seiner Entschuldigung sagte der Lokführer später: Er sei in Gedanken bei seinen Kindern gewesen. Es habe ihn gestresst, dass er womöglich zu spät komme.
Was passiert in solchen Fällen mit einem Lokführer? «Der Vorgesetzte führt ein standardisiertes Gespräch», wird SBB-Sprecher Roman Marti zitiert. Ob das reicht?
Schon müssen sich die Unfall-Experten des Bundesamts für Verkehr mit dem nächsten «Signal-Zwischenfall» beschäftigen: Am 18. November übersah ein Lok-Führer das «Rot»-Signal im aargauischen Bahnhof Wildegg. Auch hier waren die Schutzegel wachsam. Der entgegenkommende Interregio raste vorbei, aber es passierte nichts. (snx)
Theoretisch. Denn in dieser Nacht läuft alles schief, berichtet die «Aargauer Zeitung». Um ein Haar mit fatalen Konsequenzen. Es fängt damit an, dass die Rückfahrt erst mit drei Stunden Verspätung beginnt. Der Frust des Lokführers ist jetzt schon beträchtlich. Es kommt noch schlimmer. Immer wieder muss der Zug halten. Die Zeit läuft davon. Mit dem Mittagessen daheim in Erstfeld wirds immer knapper. Dann auch noch dies: Vor dem Bahnhof Möhlin AG steht das Signal auf «Warnung». Das bedeutet, der Lokführer muss das bestätigen – und die Bremsung einleiten.
Um ein Haar in Güterzug gedonnert
Genau das macht er aber nicht. Gemäss einem Bericht des Bundesamts für Verkehr fährt er einen Moment weiter – bis er seinen Irrtum bemerkt und eine Vollbremsung macht. Keine Sekunde zu früh! Denn um ein Haar wäre er mit seinem Zug in einen entgegenkommenden Güterzug gedonnert.
Zu seiner Entschuldigung sagte der Lokführer später: Er sei in Gedanken bei seinen Kindern gewesen. Es habe ihn gestresst, dass er womöglich zu spät komme.
«Standardisiertes Gespräch» mit dem Lok-Führer
Was passiert in solchen Fällen mit einem Lokführer? «Der Vorgesetzte führt ein standardisiertes Gespräch», wird SBB-Sprecher Roman Marti zitiert. Ob das reicht?
Schon müssen sich die Unfall-Experten des Bundesamts für Verkehr mit dem nächsten «Signal-Zwischenfall» beschäftigen: Am 18. November übersah ein Lok-Führer das «Rot»-Signal im aargauischen Bahnhof Wildegg. Auch hier waren die Schutzegel wachsam. Der entgegenkommende Interregio raste vorbei, aber es passierte nichts. (snx)
Die «vergessenen» Bahnhöfe der SBB
Das sagen Blick.ch-Leser
- Sascha Yassine Joder Baumann, erstfeld - 11:18 | 03.02.2010
- » Ich selbst stamme aus Erstfeld, einem kleinen, feinen Eisenbahnerdörflein in Uri.. und frage mich einfach was dieses artikel, mit dieser überschrift und diesem erscheinungsdatum soll..typisch blick wieder einmal alles hochschaukeln! ich meine das war vor knapp 4 monaten & es ist ja auch gar nix passiert..zudem finde ich es ganz normal, dass man nach so einem tag nicht mehr ganz bei der sache ist!!
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