Linke haben den Böögg geklaut

  • Aktualisiert am 02.01.2012

STÄFA – Das dürfte die Zünfter zünftig entzürnen: Der Sechseläuten-Böögg ist heute Nacht entführt worden. Bereits kursieren erste Bilder der «Geisel».

Er steht für kurze oder lange Sommer und soll am kommenden Montag auf dem Scheiterhaufen landen. Per Ross machen ihm die Zünfter alle Ehre. Prominenz und Volk warten, wie lange es dauert, bis es so richtig zünftig «chlöpft». Eine alteingesessene Zürcher Tradition, alle Jahre wieder.

Oder doch nicht? Der Böögg ist nämlich spurlos verschwunden. Er wurde in der Nacht auf heute aus der Garage von Heinz Wahrenberger in Stäfa am Zürichsee entführt. Buchbinder Wahrenberger baut den zünftigen Herrn seit 41 Jahren.

Und die Entführung hat wohl politische Hintergründe: «Böögg hat Schnauze voll, für die Kapitalistinnen den Kopf hinzuhalten. Ist jetzt Gefangener der Bewegung 1. Mai Strasse frei», heisst es nämlich in einem Bekennerschreiben. Und weiter soll das Sechseläuten-Treiben ein «Open-Air-Maskenball der Bonzen» sein. Die kapitalistische Befreiung des Bööggen aus der alteingesessenen Tradition?

Die Täter hinterliessen Wahrenberger auch noch eine «süsse» Erinnerung: einen Schokolade-Osterhasen sowie ein Emblem mit Hammer und Sichel.

Grund zur Sorge gibt es aber für Sechseläuten-Fans keine: «Wir haben einen Reserve-Böögg, und den aktivieren wir jetzt», sagte der Buchbinder. Und gleichzeitig sucht die Kantonspolizei Zürich bereits fieberhaft nach dem prominenten, 100 Kilo schweren und 3,4 Meter grossen «Zürcher».

Gefunden

Auf der Website von Indymedia.org ist ein Bild des entführten Sechseläuten-Böögs zu finden. Dazu steht: «Wir haben dieses Jahr die Wetterprognose vom Aberglauben der Bonzenfasnacht befreit und den Böögg als Geisel genommen.
Es geht auch so: Noch bevor der Böögg auf dem Scheiterhaufen stand, war er – schwups – schon weg! Schneller geht es wirklich nicht! Deshalb versprechen wir der Bevölkerung der Stadt Zürich einen heissen Sommer, voller Sonnenschein und Abwechslung. Aber eigentlich brauchen wir keinen Böögg, um zu wissen, woher der Wind weht. Ausserdem sprechen alle immer vom Wetter, wir aber nicht.»

Ob es sich dabei tatsächlich um den geklauten Böög handelt und der Text von den «Entführen» stammt, konnte nicht überprüft werden.

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